Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Große Bühne für die heimliche Liebe

Heiratsantrag auf Kinoleinwand Große Bühne für die heimliche Liebe

Auf dem Schulhof begann einst die große Liebezwischen Muhammed und Kübra. Lange blieben sie im Verborgenen - doch dann folgte die Verlobung vor größtmöglichem Publikum.

Voriger Artikel
Rad-Klima: Marburg macht Fortschritte
Nächster Artikel
Radfahrer fühlen sich wenig akzeptiert

Das Video wurde auf Facebook hundertfach geteilt und kommentiert. Das glückliche Paar kehrte für das Gespräch mit der OP zum Ort des Heiratsantrags zurück.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. „Ich hatte eigentlich überhaupt keine Lust und wusste nicht, was ich im Kino soll“, erinnert sich Kübra, an den Tag, der ihr Leben veränderte. Eigentlich war sie mit ihrem Freund Muhammed verabredet, doch der sagte kurzfristig ab. Und so überredeten Saniye und Hilal - Cousine und Schwester - sie, zu einem „Mädelsabend“ im Cineplex. Was Kübra dort auf der Leinwand zu sehen bekam, war jedoch kein Liebesfilm - zumindest keiner, wie er angekündigt war.

„Das erinnert mich an Muhammed“, sagte sie noch zu ihren Begleiterinnen, als plötzlich ein videospielender, junger Mann anfängt, von der Einsamkeit zu singen, die in seinem Leben einst ohne seine Freundin herrschte. Und schnell wird klar: er ist es wirklich. „Da wusste ich sofort, das ist ein Heiratsantrag“, sagt die 23-Jährige. „Jetzt halt ich dich in meinen Armen, möcht mein Leben jetzt verplanen. Mit dir - Kübra sagst du ja?“, fragt Muhammed im dreiminütigen Song auf den Refrain von „Stitches“ von Shawn Mendes.

Und genau das tut sie, als ihr Geliebter den Saal betritt und ihr die entscheidende Frage stellt - vor einem gut besetzten großen Kinosaal und indirekt auch vor tausenden Menschen auf Facebook. Das Video, das Muhammed auf seinem Youtube-Kanal (MUHU 66) hochgeladen hat, wird in der Gruppe „Verspottet: Philipps-Universität Marburg“ geteilt und hat dort inzwischen mehr als 40000 Menschen erreicht. Fast 100 Mal wurde das Video weitergeteilt und mehr als 200 Mal kommentiert.

„Fantastischer Liebesbeweis“

„Sehr schön, der Mann hat sich was einfallen lassen. Ein NEIN konnte es hier doch überhaupt nicht geben, beide Daumen hoch!“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere: „Soooo schön! So ein fantastischer Liebesbeweis!!! Mir standen die Tränen in den Augen!!!“. „Ich hätte den Film gar nicht gebraucht das ist ja filmreif! Zu schön!“, stimmt auch eine weitere Nutzerin in den Tenor des Lobs und der Glückwunschbekundungen mit ein.

Wie schafft Man(n) es einen so besonderen Heiratsantrag zu planen, der aus der Masse heraussticht? Auf jeden Fall bedarf es einer Menge Planung im Voraus, wie Muhammed berichtet. Seit einem Jahr dachte der Biedenkopfer schon über einen Antrag nach, die konkrete Planung habe dann zwei Monate gedauert. „Das fing schon mit der Frage an, wie man überhaupt einen Song schreibt“, erklärt er. „Dann habe ich mir ein Musikstudio, einen Kameramann und Termine für die Drehorte besorgt“. Und zu guter letzt „musste ja auch das Kino mitmachen“. Diese Überzeugungsarbeit sei aber im Vergleich zu dem Lied gar nicht so schwer gewesen.

Die Idee war dem 25-Jährigen gekommen, als er ein „Prank-Video“ (Video in dem sich Erwachsene gegenseitig Streiche spielen) auf der Internet-Videoplattform Youtube ansah. Einer habe dort auf der Kinoleinwand peinliche Bilder seines Freundes gezeigt - „da habe ich gedacht, daraus kann man doch auch einen Heiratsantrag“ machen, erzählt Muhammed. Denn der müsse nach seiner Auffassung einfach etwas Besonderes sein. „Es geht immerhin um die Person, die mein Leben verändert hat. Deshalb muss es in dem Moment einfach Klick machen, so dass diese Person dich nie wieder loslassen kann“.

Angefangen hat die Geschichte des Lageristen und der Verkäuferin vor fünf Jahren auf der Berufsschule in Biedenkopf. „Ich habe ihn auf dem Schulhof gesehen und ihn danach bei Facebook angeschrieben“, erinnert sich Kübra, die anfangs um Muhammed kämpfen musste. „Schon die Handynummer zu bekommen, hat erst einmal sehr lange gedauert“. Später kamen die beiden dann aber doch zusammen - trafen sich aber bis vor Kurzem nur ein Mal pro Monat. Aus Angst vor negativen Reaktionen. „Wir wollten nicht, dass die Leute über uns reden, viele wussten gar nicht von uns“, so Muhammed. „Irgendwie war es aber auch gut so, denn so haben wir uns dazwischen viel stärker vermisst und uns auf die Treffen gefreut“.

Seit der Verlobung treffen sie sich nun aber häufiger. „Jetzt ist alles anders“, freut sich der künftige Bräutigam. „Es ist befreiend, dass wir uns endlich offen zeigen können“. Geheiratet wird übrigens im kommenden Jahr am 21. April.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr