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Gewobau fordert Fokus auf Mittelschicht

Wohnungen Gewobau fordert Fokus auf Mittelschicht

Die Gewobau investiert in diesem Jahr mehr als 14 Millionen Euro in Neubau, Modernisierung und Instandhaltung ihrer Immobilien in Marburg. Die Vision des kommunalen Unternehmens: ein neues Wohnviertel am Erlenring.

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Bautätigkeiten in Marburg konzentrierten sich zuletzt auf Sozialwohnungen und Studentenapartments. Die Gewobau sorgt sich um Platz für Familien in der Stadt.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der Abriss der bewohnten, 70 Jahre alten Häuser gegenüber von Marktdreieck und Erlenringcenter ist eine „ernste Überlegung“, sagt Bernd Schulte, Gewobau-Geschäftsführer im OP-Gespräch. Anstelle von bisher 60 Apartments könnten moderne, größere und höhere Häuser entstehen, die Platz für 100 weitere Zentrumswohnungen bieten. Der Bebauungsplan gebe es her, die Geschosszahl aufzustocken - bis auf die Höhe der beiden nahen Einkaufszentren.

„Die Möglichkeiten zur Lückenbebauung in der Kernstadt sind überschaubar, ein großer, stadtgestalterischer Wurf wie dieser am Erlenring hat viel Charme“, sagt Schulte. Allerdings werde man das Projekt weder gegen den Willen der Mieter-Mehrheit - denen wohl vorübergehende Alternativ-Unterbringungen angeboten würden - noch ohne das Okay des Magistrats angehen. „Wenn die Stadt das mitträgt, machen wir das. Ansonsten ist das vom Tisch.“

Wenige Wohnungssuchende haben Anspruch auf Sozialwohnung

In den nächsten zwölf Monaten müsse jedenfalls seitens der Politik und der Stadt eine Grundsatzentscheidung gefällt werden, wie man konkret das unvermindert große Problem der Wohnungsnot - speziell abseits des studentischen Wohnens - lösen wolle. „Es muss sich etwas bewegen. Für die breiten Schichten, etwa die Normalverdiener bei Behring, im Klinikum oder an der Universität - weniger für Arbeitslose und Geringverdiener - fehlt es weiter an Wohnraum, die bekommen in Marburg praktisch nichts. Da müssen Stadt und Politik endlich ihr Augenmerk drauf richten“, sagt Schulte. Ansprüche auf einen Wohnberechtigungsschein und Aussicht auf eine der 830 in Sozialbindung befindlichen Wohnungen, konkretisiert Prokurist Matthias Knoche, hätten in Marburg die wenigsten aller Wohnungssuchenden.

Die Gewobau, Eigentümer von 2632 Apartments, hält eine Durchschnittskaltmiete von rund fünf Euro pro Quadratmeter aufrecht, ein Maximum von etwa 8,50 Euro sei nur für hochmoderne Apartments in den wenigen Toplagen (etwa Weidenhausen, Oberstadt, Uferstraße) denkbar. Zum Vergleich: Laut Online-Immobilien-­Portalen liegen die meisten aktuellen Vermietangebote in der Innenstadt zwischen elf und zwölf Euro pro Quadratmeter. Einer aktuellen Immowelt-Analyse zufolge ist Marburg - in Bezug auf Kleinwohnungen - die 13.-teuerste Universitätsstadt Deutschlands, der Durchschnittsquadratmeterpreis bezogen auf alle Wohnungen ist binnen fünf Jahren um 15 Prozent von 8,40 Euro auf 9,70 Euro gestiegen (die OP berichtete).

Gewobau gibt in diesem Jahr 12 Millionen Euro für Neubau aus

Ein weiterer Plan der Gewobau könnte indes die Debatte um einen „Stadtteil Lahnberge“ neu entfachen: Neubauaktivitäten, speziell Geschoss- und Mehrfamilienhausbau sollten etwa auf Bauerbach, Ginseldorf und Schröck ausgedehnt werden. Mit solch einem Schritt würden die Außenstadtteile zumindest schrittweise näher an den Klinik- und Universitätsstandort heranrücken. „Auf andere Art, als auf Flächen in den Stadtteilen zu bauen, wird sich die Wohnungsnot nicht lindern lassen. Schon gar nicht mit Blick auf Familien, auf die nötigen, weil fehlenden größeren Wohnungen.“ Im Hochpreis-Segment und im Sozialwohnungsbereich gebe es in der Stadt seit mehreren Jahren „glücklicherweise einige Bewegung“, der Sektor mit Mieten zwischen sieben und zehn Euro pro Quadratmeter - zumal in Wohnungen, die groß genug für Familien seien - werde aber „vernachlässigt“.

Seit Jahren lehnen jedoch viele politische Entscheidungsträger die Bebauung der Lahnberge, eine Infrastruktur-­Errichtung etwa durch die Ansiedelung von Lebensmittelmärkten ab. Neben den generell hohen Baukosten und den Grundstückspreisen seien es vor allem die „überzogenen energetischen Vorgaben“, die einen Wohnungsbau zu letztlich bezahlbaren Mieten in der Universitätsstadt „fast unmöglich machen“, erklärt Schulte.

Mehr als zwölf Millionen Euro gibt die Gewobau in diesem Jahr indes für Neubau, weitere zwei Millionen für Instandsetzungen, Reparaturen im Bestand aus.

von Björn Wisker

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