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Gespräche, Weinprobe, Tanz und Gesang

700 Jahre Judentum in Marburg Gespräche, Weinprobe, Tanz und Gesang

Die Jüdische Gemeinde Marburg lädt am „Brückentag“ alle Marburger zu einem abwechslungsreichen Programm in die Stadthalle ein – bei freiem Eintritt.

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Die zweite Thora der Jüdischen Gemeinde Marburg wird nach ihrer feierlichen Fertigstellung in die Synagoge in der Liebigstraße transportiert.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Das Programm beginnt um 14.30 Uhr im ersten Obergeschoss des Erwin-Piscator-Hauses (EPH). Gezeigt werden dort zwei Ausstellungen. Die eine befasst sich mit jüdischem Leben, jüdischer Religion und Kultur, die andere widmet sich unter dem Motto „Durch das jüdische Jahr“ der Sonntagsschule.

Für Kinder werden Spiel, Spaß und Basteln angeboten. Außerdem kann Schach gespielt werden. Wer möchte, kann israelische, koschere Weine probieren und andere jüdische Spezialitäten genießen.

Das erste Obergeschoss des EPH ist auch Schauplatz für zwei Gesprächsrunden, die laut Monika Bunk, der Zweiten Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Marburg, ausdrücklich nicht als Podiumsdiskussionen geplant sind, sondern vielmehr den Besuchern Gelegenheit geben sollen, Fragen zu stellen – unter anderem an den Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Hessen, Daniel Neumann. Um 15.30 Uhr gibt es eine Einführung zur Frage „Was ist der Schabbat?“. Daran schließt sich ab 16.30 Uhr die Gesprächsrunde zum Thema „Antisemitismus“ an. Ab 17 Uhr folgt ein Kurzvortrag zur Frage „Was bedeutet der Kasch­rut?“ bis hin zur Gesprächsrunde „Was ich einen Juden schon immer mal fragen wollte“.

Im zweiten Obergeschoss des EPH gibt es Tänze zum Mitmachen – Beginn um 16 und 17 Uhr; dazwischen ab 16.30 Uhr Lieder zum Mitsingen.

Der Tag der Begegnung endet im großen Saal des EPH. Nach Grußworten (Beginn: 18.30 Uhr) tritt dort ab 18.50 Uhr die Chanson-Sängerin Sandra Kreisler auf (siehe „HINTERGRUND“). Ihr Konzert wird laut Monika Bunk rechtzeitig beendet sein, dass Musikfreunde ausreichend Zeit haben, in die Lutherische Pfarrkirche zu gehen, um dort ab 21 Uhr Ludwig van Beet­hovens neunte Sinfonie zu ­hören.

von Michael Arndt

Hintergrund: Konzert „Schum Davar“ mit Sandra Kreisler

Sandra Kreisler ( Foto: Simone Hofmann) ist die Tochter des Komponisten, Sängers und Dichters Georg Kreisler (1922 bis 2011), zu dessen bekanntesten, oft schwarzhumorigen Chansons zählten: „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ und „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“.

In Sandra Kreislers Biografie heißt es: „Sie ist in erster Linie Diseuse, im klassischen Sinn. Und dann noch Regisseurin, Interpretationscoach, Schauspielerin, Mietstimme, Autorin, Wichtigtuerin, Rechthaberin und Lale-Andersen-Preisträgerin 2006/2007.“

Ihr Bühnendebüt hatte sie 1984, ihr Film­debüt 1987, ihr Solo-Chansondebüt 1994. Sie arbeitet ausschließlich als freiberufliche Sängerin, Schauspielerin, Lehrerin, Sprecherin und Regisseurin in Wien und Berlin.

Nach Marburg kommt Sandra Kreisler mit ihrem Programm „Schum davar“. Bei den jüdischen Liedern und Chansons wird sie begleitet von Gennadij Desatnik (Geige, Bratsche, Gitarre, Gesang) und ­Valeriy Khoryshman (Akkordeon, Cajon, Arrangements).

„Man muss ein Leben gelebt haben, um so Chansons singen zu können“, sagte ein Zeitgenosse über Sandra Kreisler. Und „Sandra stört immer durch Mitdenken“, hieß es in Wien, der Stadt, der sie schon lange den Rücken kehrte. Weil sie eben ein Leben lebt und mitdenkt. Und genauso kommt auch ihr jüdisches Programm daher.

„Schum davar“ bedeutet „Keine Sache“ oder auch „gar nichts“ aber „Schum“ ist auch das hebräische Wort für Knoblauch – viel mehr „des Juden Speise“ als die Zwiebel, wie Wilhelm Busch einst abfällig dichtete.

Und „Schum“ ist auch der Name, den die Chassidischen Juden einst dem großen Städtetriumvirat Speyer, Worms und Mainz gaben, jenen drei Städten, in denen die religiöse Chassidische Bewegung so florieren konnte.

Das ist das Spannungsfeld, in dem die mehrfach preisgekrönte Diseuse ihr Programm ansiedelt. Entlang diesem Bogen thematisiert sie das heutige Judentum, den deutschen „Ethnotouristen“ – der so gern Klezmerkonzerte besucht und im selben Atemzug den Konflikt mit den Palästinensern allein Israel anlastet – aber auch die Frage, ob Lieder schon „jüdische Lieder“ sind, nur, weil ein Jude sie schreibt oder singt.

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