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Geldstrafe für unerlaubten Waffenbesitz

Aus dem Amtsgericht Geldstrafe für unerlaubten Waffenbesitz

Der Angeklagte hatte während einer Auseinandersetzung mit einer Schreckschusspistole geschossen.

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Um eine Schreckschusspistole besitzen zu dürfen, ist ein kleiner Waffenschein notwendig.

Quelle: Oliver Killig (Archiv)

Marburg. Die Verhandlung einer Schlägerei vor dem Marburger Jugendschöffengericht endete nach Einstellung des Körperverletzungsdeliktes, mit einer Geldstrafe für unerlaubten Waffenbesitz für den Angeklagten. Es sei wohl eine Rangelei gewesen, wie sie an einem ­Wochenende in Marburg gleich mehrfach vorkäme, berichtete­ der Polizeibeamte, der, zur ­Gerichtsverhandlung geladen, über die polizeiliche Protokollierung der Vergehen berichtete, zum eigentlichen Tathergang natürlich keine exakten Aussagen machen konnte.

Dafür war der inzwischen 21-jährige Marburger, der noch eine Bewährungszeit durchläuft, bereit, über die Ereignisse am Freitag, 18. Dezember 2015, zu berichten. Es sei wohl ein Pfiff gewesen, weswegen die beiden Gruppen aneinandergeraten seien. Unterschiedlich danach die Darstellungen der Auseinandersetzung. Der angeklagte Deutsche schilderte, dass er seine ganz legal erworbene Schreckschusspistole für einen Geburtstagsböllerschuss zu Mitternacht mitgenommen hatte.

Während der Auseinandersetzung mit einer Gruppe afghanischstämmiger Jugendlicher habe er, um eine weitere Eskalation zu verhindern, über die Köpfe der Beteiligten geschossen, was auch zu einem schnellen Ende des Konflikts geführt habe. Anders die Sichtweise der Gruppe der Afghanen, wo auch Richter Dirk-Uwe Schauß Probleme hatte, beide Gruppen verbal korrekt zu bezeichnen.

Der Hauptbeteiligte berichtete, dass aus der anderen Gruppe heraus seine Mutter beleidigt wurde und das hätte er nicht „aushalten können“. Nur deswegen sei er zurückgekommen, um sich zur Wehr zu setzen.

Der Beschuldigte habe die Schreckschusswaffe, die aber als solche nicht erkennbar war, direkt auf seine Brust gehalten und gesagt, dass er ihn jetzt umbringen werde. Nach dem Schuss habe er im Klinikum am Auge behandelt werden müssen.
Von den insgesamt neun Zeugen wurden fünf vernommen, wobei neben Richter Schauß, die Staatsanwaltschaft, der Verteidiger als auch die Schöffen durch Nachfragen versuchten, Licht ins Dunkel zu bringen.

Anwalt: ohne Vorstrafen ein Bagatelldelikt

Nach dem sechsten Zeugen, der wieder eine neue Version der Vorgänge schilderte, war dann nach mehr als zwei Stunden Zeugenvernehmung Schluss.

Richter Schauß ließ mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Körperverletzung fallen. Er berichtete über den Lebenslauf des praktisch von Geburt an in Pflegefamilien aufgewachsenen Marburgers, der bereits zu einigen Jugendstrafen, zuletzt räuberische Erpressung, verurteilt worden war.

Positiv merkte der Richter an, dass der Angeklagte seit vier Monaten eine feste Anstellung bei einem bekannten deutschen Privatfernsehsender hat, auf die er, weil er sich sie selbst gesucht hat, sehr stolz ist. Es sei der erste Job in seinem Leben, welcher ohne Schulabschluss nur schwer zu finden gewesen sei.

Dies solle man ihm bei der Strafzumessung nicht kaputt machen, argumentierte Verteidiger Dr. Dietmar Ricke in seinem Plädoyer. Ohne Vorstrafen wäre der unerlaubte Waffenbesitz als Bagatelldelikt fallen gelassen worden, so der Rechtsanwalt.

Die Staatsanwältin hatte zuvor eine Jugendstrafe von drei Wochen beantragt, die unabhängig von der Bewährung des vorherigen Deliktes abzuleisten sei.

Nach kurzer Beratung wurde das Urteil verkündet: Der Angeklagte muss 1 000 Euro Geldstrafe zahlen sowie die Kosten des Verfahrens tragen.

von Heinz-Dieter Henkel

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