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Die Lahn soll naturnaher fließen

Landschaftsplanung Die Lahn soll naturnaher fließen

Marburg liegt an der Lahn. Am Fluss sollen Interessen der Naherholung und des Naturschutzes zu ihrem Recht kommen.

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Medizinstudent Lukas Reuter springt am Uni-Bootshaus Wehrdaer Weg in die Lahn.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ortrud Simon von der Unteren Naturschutzbehörde brachte es bei ihrem Bericht im Umweltausschuss auf den Punkt: In der Innenstadt soll in Bezug auf die Lahn vorwiegend die Naherholung im Mittelpunkt stehen und in den ­Außenbezirken eher die Belange des Naturschutzes. Um die grundlegenden Ziele genauer­ auszudifferenzieren, haben die Flussplaner im Auftrag der Stadt die Lahn in sehr viele kleinere­ Unterabschnitte unterteilt, für die sie jeweils Ziele und Entwicklungspotenziale sowie konkrete Vorhaben definiert haben. Dabei gehen sie aus von der bereits vor einigen Jahren von der Stadt Marburg in Auftrag gegebenen Lahnstudie.

Lahn-Verlauf von Menschenhand umgelenkt

Eigentlich könnte man denken, dass der Verlauf des Flusses gar nicht groß von Landschafts- oder Stadtplaner verändert werden müsste oder sollte. Doch allein ein Blick in die Marburger Stadtgeschichte beweist, dass der Lahn-Verlauf in der Vergangenheit mehrfach von Menschenhand umgelenkt wurde. Das erläuterten Simon sowie Stadtplaner Bernd Nützel bei der Kurz-Präsentation ihres Lahnberichts im Ausschuss. So verlief die Lahn beispielsweise auf Höhe der Pegelstation im Südviertel bis vor einigen Jahrzehnten noch dort, wo jetzt die Stadtautobahn angelegt ist und sie wurde damals einige Meter näher an die Wohnbebauung verlegt. Diese Umsetzung kritisierte Nützel jetzt als „Kardinalsfehler“. Geplant sei an dieser Stelle eine Machbarkeitsstudie zur Frage einer teilweisen Auflösung der Ufer, um mehr Naturschutz zu gewährleisten.

Durchgängigkeit für Fische

Grundsätzlich sehen die Planer vor, den Hochwasserschutz landschaftsverträglich und gewässerökologisch angepasst zu gestalten. Ein Beispiel für diesen neuen Hochwasserschutz sei die Deichsanierung und damit verbundene Anlegung der Lahnterrassen vor der Mensa,­ erläuterte Umweltdezernent Dr. Franz Kahle (Grüne). „Ohne­ eine Befestigung könnte ein Deich hier brechen“, machte­ Bernd Nützel deutlich. Die Durchgängigkeit der Wehre für Fische und wirbellose Flusstiere soll ein weiteres Ziel der Lahn-Planung sein. Auch der Erhalt oder die Wiederherstellung des Ufergehölzsaums steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Um frühere Flussbegradigungen zurückzunehmen, sollen an der Lahn auch wieder Ausweicharme angelegt werden.

Ein klassisches "Einbett-Gerinne"

Das sei in den vergangenen Jahren beispielsweise idealtypisch an der Lahn auf Höhe des Uni-Stadions und mit der Renaturierung am Behördenzentrum im Nordviertel geschehen, erläuterte Kahle. Vom Wehrdaer Wehr bis zum Afföller Wehr sei die Lahn derzeit noch ein klassisches „Einbett-Gerinne“, erläuterte Simon.­ Die Ufer seien vorwiegend in Stein eingefasst und dort habe die Lahn den Kontakt zur Aue verloren. Ein naturnahes Gewässer sehe aber anders aus. Um dieses Ziel zu verwirklichen, könne man neue Auengewässer wie Alt­arme oder Tümpel anlegen.

Projekt in Gisselberg

So soll es beispielsweise an der „Gisselberger Spannweite“ rund um den Marburger Stadtteil Gisselberg auf einer Länge von 1,5 Kilometern geschehen. Das dort geplante Projekt kann aber erst Anfang kommenden Jahres starten, weil dann die Fördergelder des Landes und der EU zur Verfügung stehen. Auf Eis gelegt ist bisher das Vorhaben, den Radweg an der Lahn auf Höhe der Philosophischen ­Fakultät nach oben auf die Ebene der Stadtautobahn zu verlegen und der Lahn somit wieder am Ufer mehr Naturraum zu geben. Nach Angaben von Bürgermeister Kahle gibt es noch Unstimmigkeiten mit dem Regierungspräsidium als der Genehmigungsbehörde über Ausgleichsflächen für den Hochwasserschutz, wo es Möglichkeiten für die Lahn zur Überflutung gibt.  Bei allem künftigen Augenmerk auf einen naturnaheren Flussverlauf waren sich Planer und Stadtverordnete ­einig: Das Bedürfnis der Marburger, sich am Wasser und per Boot auch auf dem Wasser zu erholen, soll nicht zu kurz kommen, aber immer maßvoll sein.

von Manfred Hitzeroth

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