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Nicht für Bedürftige, sondern mit ihnen

Gänseessen in der Stadthalle Nicht für Bedürftige, sondern mit ihnen

Zu ihrem ersten ­Gänseessen für Bedürftige konnte die Marburger Tafel gestern 150 Gäste in der Stadthalle empfangen.

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Marburg. Seit 23 Jahren bereits lädt Schlagersänger Frank Zander dank zahlreicher Sponsoren und in Zusammenarbeit mit vielen sozialen Organisationen Obdachlose in Berlin zu einem Gänseessen in der Vorweihnachtszeit ein. Rita Vaupel, die Vorsitzende der Marburger Tafel, holte diese Idee nun nach Marburg. Das Prinzip ist ebenso einfach wie überzeugend: Bedürftige verleben bei einem weihnachtstypischen Essen in angenehmer Atmosphäre einen schönen Abend. Prominente und andere Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, unterstützen diese Ideen, unter anderem dadurch, dass sie an den Tischen bedienen.

Leckere Gans für Mittellose: Am Mittwoch gab es in der Stadthalle eine deftige Mahlzeit für Bedürftige.

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Unter anderem die Marburger Ehrenbürgerin Schwester Edith, Hans-Jürgen Schneider (Elektroplan Schneider), Peter und Karin Ahrens, Bürgermeister Wieland Stötzel (in stilechtem Kellneroutfit), Rolph Limbacher (domino-Frisöre), die Schausteller Adi und Toni Ahlendorf, die Landtagsabgeordneten Handan Özgüven und Jan Schalauske, Sparkassenchef Andreas Bartsch, Ex-Regierungspräsident Dr. Lars Witteck (Vorstandsmitglied der Volksbank Mittelhessen) und Bürgermeister Peter Eidam (Weimar) balancierten Getränke und vollbeladene Teller mit Gänsekeule, Rotkraut und Klößen an die Tische.

"Schmeckt alles prima"

Das Kaufhaus Ahrens hatte die Speisen gestiftet, zahlreiche andere Sponsoren hatten die Gänseessen-Premiere mit Geldspenden unterstützt. Besonders gut kam das Angebot im Erdgeschosse der Stadthalle für einen kostenlosen Haarschnitt an. Die Marburger Tafel, das Frauenhaus, die Diakonie und die Caritas hatten die Einladungen an Menschen in Not ausgesprochen. Bei der Marburger Tafel war das Interesse so groß, dass sogar gelost werden musste.
Zwei Wochen vorher habe sie die Einladung erhalten, erzählt ein Frau, die strahlend berichtet: „Schmeckt alles prima!“

Zwei Tische weiter sitzt Willi Kark, dem es nichts ausmacht, wenn sein Name in der Zeitung steht. „Eine gute Idee“, sagt er, „gerade in der Vorweihnachtszeit.“ Kark kommt ursprünglich aus Rheinhessen, lebt nach einer psychischen Erkrankung und jahrelanger stationärer Behandlung in einer betreuten Wohngruppe. Ihm gefällt es in Marburg, und er hofft, im kommenden Jahr wieder eingeladen zu werden. Gespräche wie dieses finden an einigen Tischen statt, weil sich die „Kellner“ nach der Essensausgabe vielfach die Zeit nehmen, sich zu ihren Gästen zu setzen und sich zu unterhalten. Vielleicht hatte sich der ein oder andere ein Vorbild an Schwester Edith genommen, die die Gäste an „ihrem“ Tisch einzeln mit Handschlag begrüßt hatte und so schnell ins Gespräch gekommen war.

Eine Stadt, in der man aufeinander aufpasst

So etwa mag sich Frank Zander vorgestellt haben, dessen Aktion in Berlin seit Jahren von Hans-Jürgen Schneider unterstützt wird und der deswegen eine Grußbotschaft an die Teilnehmer übermittelte. Das Essen soll keine Aktion „für“ Menschen in Not sein, sondern eine Aktion „mit“ Menschen in Not.

Der Schirmherr der Veranstaltung, Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel, hatte die Gäste offiziell begrüßt und in Aussicht gestellt, dass die Marburger Tafel auch in den kommenden Jahren eine solche Veranstaltung planen werde. Man sei schließlich in Marburg, und Marburg sei eine Stadt, in der man aufeinander aufpasse und sich gegenseitig hilft.

von Till Conrad

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