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Marburger "Moppedhiker" erkunden Uruguay

Serie "Einfach drauflos" Marburger "Moppedhiker" erkunden Uruguay

Sechs Wochen lang hatte der Kapitän der Grande Amburgo das Steuer des Containerschiffes in der Hand. In Uruguay angekommen, bestimmen nun die Marburger „Moppedhiker“ auf ihrer Triumph Tiger, wo es lang geht.

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Entspannung pur: Moe und Nicki haben ihr Zelt vor den Dünen an der Atlantikküste, nahe der Laguna de Rocha – einem See im Südosten Uruguays – aufgeschlagen. Auf Nachfrage verrät Moe, was da im Topf brutzelt: Reis mit lokalem Gemüse und Walnüssen.

Quelle: Nicole Hanke und Moritz Hoffmann

Marburg/Montevideo . Nicole Hanke und Moritz Hoffmann, alias Nicki und Moe, haben die erste Etappe ihrer Weltreise hinter sich gebracht. „Wir sind in Montevideo angekommen und jetzt endlich mit dem Motorrad unterwegs“, schrieb Moe per Whatsapp.

Die Nachricht endete mit „Liebe Grüße aus Punta del Este“. In dem 140 Kilometer östlich von Montevideo gelegenen Badeort ist das Paar aus Marburg keineswegs auf der Suche nach einem schicken Hotelzimmer. Nein, für die Nächte suchen sie sich Plätze zum Wildcampen.

Sogleich begeistert von Land und Leuten bleiben sie ihrem Motto treu. „Wir fahren drauflos und wissen morgens nicht, wo wir abends schlafen“, berichtete Nicki vor der Abreise im Gespräch mit der OP. Anstatt direkt nach Patagonien aufzubrechen, wie sie es zunächst vorhatten, wollen die beiden zunächst einen Teil Uruguays erkunden.
„Es wäre doch irgendwie schade, dieses Land auf schnellstmögliche Weise wieder zu verlassen“, schreiben sie.

Gemütlich die Küste entlang

Nun will das Paar auf seiner Triumph Tiger gemütlich die Küste entlang fahren und dort Halt machen, wo es ihnen gefällt. Bis zum Einschiffen in Antwerpen mussten Nicki und Moe mit widrigen Straßenverhältnissen kämpfen.

Nicki klebt eine Uruguay-Flagge auf den Motorradkoffer, viele weitere Flaggen sollen folgen. Foto. Nicole Hanke

Nicki klebt eine Uruguay-Flagge auf den Motorradkoffer, viele weitere Flaggen sollen folgen.
Foto. Nicole Hanke

Auf der Fahrt zum Hafen war es eisig kalt, zeitweise schneite es. Trotz guter Schutzkleidung machte das auf dem Motorrad nicht wirklich Spaß. Die Weltreise vor Augen, war die Abschiedsfahrt aus Deutschland allerdings ein Klacks und die 28 Grad Tageshöchsttemperatur bei der Ankunft in Montevideo eine perfekte Entschädigung.

Außer der Faszination von Meer, Wind und Wellen, gab es während der Fahrt über den Atlantik wenig Ablenkung, zumindest blieben die Smartphones stumm, kein Internet, kein Zugriff auf die sozialen Netzwerke, in denen die beiden eigentlich zu Hause sind.

Damit hatten die Weltreisenden aber kalkuliert. Sie blieben ihren Vorhaben treu: Moe lernte im Crashkurs fleißig Spanisch. „Es geht voran, aber für tiefgründige Unterhaltungen reicht es noch nicht“, lautet seine Bilanz.

Offroadtraining in Deutschland

Das hatte Nicki längst hinter sich, sie lernte die Sprache intensiv während ihres Studiums. Die 26-Jährige konzentrierte sich während der 42-tägigen Überfahrt auf ihre Masterarbeit.

Die geplanten etwa 60 Seiten zum Thema Entwicklungsarbeit seien zwar noch nicht fertig, „aber kein Problem, die Abgabefrist ist noch lange hin, und wir können auch von unterwegs ganz gut arbeiten“, schreibt Moe.

Entlang der Küste fahren die beiden auf recht guten Straßen. Das ist weder für die englische Reise-Enduro noch für Moe, der gelegentlich am Lenker von Freundin Nicki abgelöst wird, eine Herausforderung.

Mitte September vergangenen Jahres machte sich Moe auf nach Kleinhau, einem Ortsteil der Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.
Auf dem Trainingsgelände des dortigen Motorsportclubs, einer 1500 Meter langen Naturstrecke, absolvierte er ein Reise-Enduro-Offroadtraining.

Nicki war diesmal nicht mit von der Partie. Sie hätte ohnehin nur zuschauen oder als Sozia mitfahren können, denn ihren Motorradführerschein machte sie erst im Herbst.
Das zuweilen schlechte Wetter machte es möglich, dass Moe das Fahren im Schlamm üben konnte.

Unterwegs unterhalten sich die beiden per Funk

Trainiert wurde auch das Bergen von Motorrädern am Hang. „Gefühlt habe ich mich fahrerisch um 200 Prozent verbessert“, lautete das Fazit des 28-Jährigen.
Das kommt ihm vor allem zugute, wenn die beiden abseits befestigter Straßen auf Erkundungstour gehen.Für solche Geländetrips haben sie ihre Tiger T709 extra präpariert.

Samt Gepäck wiegt das recht große Motorrad etwa 240 Kilogramm. Damit sie mit den Beinen sicher auf den Boden kommen, haben die beiden die Maschine tiefergelegt. Um die Geländegängigkeit zu verbessern, wurde das Fahrwerk insgesamt verändert.

Das Motorrad ist mit grobstolligen Enduroreifen ausgestattet, hat – gegen Steinschlag - einen Scheinwerferschutz, und der Originallenker wurde gegen einen höheren ausgetauscht. „Das verbessert den Fahrkomfort“, erklärt Moe.

Die nachgerüstete Griffheizung kommt wohl erst wieder in den Anden zum Tragen. Eine Bordsteckdose sorgt dafür, dass sie ihre elektrischen Geräte versorgen können. Die beiden nutzen ein Navi oder fahren nach Karte.

Und damit sie sich während ihrer Touren unterhalten können, haben sie ein Funksystem in ihren Helmen. Zu den 30 Kilo Gepäck gehören auch eine kleine Menge der nötigsten Schmierstoffe fürs Motorrad. Wenn Nicki und Moe sich zurzeit während ihrer Trips Pausen gönnen, dann brauchen sie vor allem eins: Sonnencreme.

Auf ihrem linken Motorradkoffer klebt neben den Flaggen von ihrer Osteuropa-Tour die Flagge Uruguays. Daneben ist noch Platz für viele Aufkleber.
Die Flaggen aller besuchten nichteuropäischen Länder sollen am Ende der Weltreise den Koffer zieren. Aber die Tour rund um den Globus hat ja gerade erst begonnen.

von Hartmut Berge

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