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Freispruch für mutmaßlichen Räuber

Aus dem Amtsgericht Freispruch für mutmaßlichen Räuber

Der angeklagte Ex-Mitarbeiter, der sich an einem brutalen Raubüberfall auf eine Marburger Gaststätte beteiligt haben soll, verließ als freier Mann den Gerichtssaal.

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Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. „Abstruse Geschichten“ der vermeintlichen Komplizen streuten Zweifel vor dem Marburger Schöffengericht. „Die Zeugen waren nur wenig glaubwürdig“, fasste der Vorsitzende Richter Thomas Rohner die Beweisaufnahme zusammen. Dass sich der angeklagte 24-Jährige im August 2015 an der Verschwörung der Kollegen beteiligte und seine Vorgesetzte überfiel, konnte dem Mann nicht nachgewiesen werden.

Zwei aus der Gruppe, die sich mit Gewalt Zutritt zu der Privatwohnung verschafften, um an die Tageskasse zu kommen, wurden bereits verurteilt und sitzen Haftstrafen ab. Beide traten im aktuellen Prozess als Belastungszeugen gegen den verdächtigen Komplizen auf. So manche Aussage wirkte dabei schlüssig, andere Vorwürfe passten hingegen hinten und vorne nicht zusammen. So warf einer der Inhaftierten einem wieder anderen Kollegen eine Affäre mit dem traumatisierten Opfer vor. Das bestritten während der Verhandlung sowohl der ­genannte Mann wie auch die Geschäftsführerin.

Keiner der neu geladenen Zeugen konnte diese Verdächtigung bestätigen, was weiter an der Glaubwürdigkeit des Wortführers kratzte.

„Da blieben viele Fragezeichen übrig“

Daneben stand der Verdacht im Raum, dass sich der noch vor Ort aufgegriffene Täter mit dem Angeklagten kurz abgesprochen und eine Art Übereinkunft vereinbart hatte. Das konnte keiner der unbeteiligten Passanten bestätigen, die nach dem Überfall helfend eingriffen. Keiner bemerkte etwas in dem Trubel, „es gab keinen Blickkontakt“, meinte ein Zeuge.

Viele offene Fragen des Gerichts blieben auch am zweiten Verhandlungstag unbeantwortet. „Da blieben viele Fragezeichen übrig – unterm Strich, reicht das nicht“, befand Staatsanwalt Nicolai Wolf in seinem Plädoyer und beantragte Freispruch für den Beschuldigten.

Dem schloss sich Verteidiger Sascha Marks an, der die Vorwürfe als „völlig absurd“ wertete. Dass sein Mandant zwei der Bekannten und späteren Täter noch mit Essen versorgt hatte, stimmte zwar, sei aber „keine Tathandlung“ und nicht ausreichend für eine Verdächtigung.

Nach rekordverdächtig kurzer Beratungszeit entschied sich das Schöffengericht für einen Freispruch, auch wenn nicht sämtliche Zweifel ausgeräumt werden konnten. Einiges sprach weiterhin für eine Beteiligung des Angeklagten, „es ist möglich, aber für ein Urteil reicht das nicht“, schloss der Richter.

von Ina Tannert

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Aus dem Amtsgericht
Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Um die Tageskasse einer Marburger Gaststätte zu plündern, verbrüderten sich mehrere Mitarbeiter und überfielen brutal ihre Vorgesetzten. Zwei Räuber wurden bereits verurteilt, ein weiterer möglicher Täter steht nun vor Gericht.

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