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Forderung nach Wandel der Mobilitätskultur

Diskussion Forderung nach Wandel der Mobilitätskultur

„Es braucht einen­ Wandel unserer gesamten ­Mobilitätskultur“, sagte Dr. Jutta­ Deffner vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt.

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Moderator Roman Warschauer, Reporter beim Hessischen Rundfunk (von links), diskutierte mit Dr. Konrad Götz und Dr. Jutta Deffner vom Institut für sozial-ökologische Forschung, Thorsten Schäfer-Gümbel, Fraktions- und Landesvorsitzender der SPD in Hessen, sowie Klaus-Peter Güttler, Staatssekretär außer Dienst und ehemaliger Geschäftsführer des RMV und des NVV. 

Quelle: Landesbüro Hessen Friedrich-Ebert-Stiftung

Marburg. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Konrad Götz stellte sie das Konzept „Nachhaltige Mobilitätskultur in Hessen gestalten“ vor. In Auftrag ­gegeben worden war es von der Friedrich-Ebert-Stiftung, die auch zu der Diskussionsveranstaltung ins Technologie- und Tagungszentrum eingeladen hatte.

„Das wichtigste Ziel ist die Freiheit des Verkehrs von Kohlenstoffdioxid bis 2050“, erklärte Götz. Die Bürger, die Industrie und die Politik seien dabei Treiber für den Wandlungsprozess. Die Institutionen müssten sowohl klassisch steuern als auch die Partizipation von Bürgern aufnehmen und moderieren, um im Zusammenspiel neue Lösungen zu schmieden.

Es gehe bei dem Wandel nicht nur um Verkehrsvermeidung, sondern auch darum, eine Kultur zu schaffen, die beispielsweise von ästhetisch gestalteten Haltestellen geprägt sei.

Damit Städte nicht mehr vor allem autogerecht gestaltet seien, könnte auch eine Änderung der Landesbauordnung sinnvoll sein, so Götz. Bisher müsste bei Neubauten eine bestimmte Zahl von Parkplätzen vorgehalten werden. „Und das, obwohl sie vielleicht nicht mehr gebraucht werden, weil andere Angebote attraktiver gemacht werden.“

Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel könnte durch Solidarangebote gefördert werden, die von allen finanziert werden.Ein Beispiel sei die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, wodurch eine attraktive Preisgestaltung möglich sei, beispielsweise für eine Jahreskarte für einen Euro pro Tag. „Dadurch ist auch die Motivation für die Nutzung da.“

Investition in Radschnellwege

Diskussionsteilnehmer Klaus-Peter Güttler, Staatssekretär außer Dienst und ehemaliger Geschäftsführer des RMV und des NVV sagte nach dem Vortrag, das Land Hessen solle den öffentlichen Nahverkehr mehr als bisher finanziell fördern. Dennoch sei es auch wichtig, vorhandene Infrastrukturen für den motorisierten Individualverkehr durch Investitionen aufrechtzuerhalten.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Fraktions- und Landesvorsitzender der SPD in Hessen, sagte, die Pendlerströme müssten so organisiert werden, dass Arbeitnehmer „zeitlich, finanziell und ökologisch erträglich“ zur Arbeit kämen. „Ohne schienengebundenen öffentlichen Nahverkehr geht in Hessen gar nichts mehr.“ Da die Kapazitäten erschöpft seien, helfe nur der Ausbau. Ein Verkehrsplaner aus dem Publikum erklärte, junge Menschen, die in Marburg dank der Universität immerhin ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, hätten ein ganz anderes Mobilitätsverhalten. „Ein Drittel der jungen Leute hat kein Auto mehr, ein Drittel keinen Führerschein – da rollt eine ganz andere Nutzung auf uns zu.“ In den Niederlanden würde derzeit ebenso viel Geld in den Ausbau von Radschnellwegen investiert wie hierzulande in die Sanierung von Autobahnen.

Güttler erklärte: „Radschnellwege sind ein Instrument, das von der Politik genutzt werden muss.“ In Nordrhein-Westfalen sei mit dem Ruhr-Radschnellweg bereits der erste in Entwicklung.

von Freya Altmüller

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