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Fischer: „Wir waren auf jedem Dorf“

25 Jahre „hr3-Disco Party“ Fischer: „Wir waren auf jedem Dorf“

1 200 hr-Discos hat das Marburger Unternehmen Flashlight in 25 Jahren betreut. Die Mitarbeiter von Arwed Fischer haben in dieser Zeit einiges erlebt. Ein Rückblick.

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Arwed Fischer (von links) und Walter Schmitt von der Firma Flashlight vor dem eigens entwickelten „DJ-Arbeitsplatz“.

Quelle: Katja Peters

Marburg. In guten Jahren waren es 50 Veranstaltungen, in schlechten 30 – und das nur in der Zeit von Mai bis September. Die hr3-Partys im Rahmen des hr-Clubs waren ein reines Sommerthema. Manchmal fanden vier Veranstaltungen parallel an einem Tag statt, manchmal war an sechs Tagen ­hintereinander Radiomoderator und DJ Peter Lack der Headliner. „Wir ­waren auf jedem Dorf hier in Hessen. Es war immer sehr anstrengend und zeitintensiv“, sagt ­Arwed Fischer von Flashlight.

Mit seiner Veranstaltungstechnik ­betreute er die hr-Partys von Anfang an und wird auch bei der letzten Veranstaltung heute im Gaßmann-Stadion in Marburg bei den Special Olympics dabei sein.

Jeder konnte die Disco buchen, meist zu einem bestimmten Anlass. Dorffeste, Schwimmbaderöffnungen, Jubiläen, selten normale Kirmesveranstaltungen. Von null bis 5 000 Besucher hat Arwed Fischer alles erlebt, 1 500 zahlende Gäste waren so der Standard. „Das war die erfolgreichste Veranstaltungsreihe Deutschlands“, ist sich der frühere Musiker sicher. Nicht mal der Südwestdeutsche Rundfunk war mit seinen Formaten erfolgreicher.

"Das war gigantisch"

Vater dieser Kultparties war Radio-Guru und TV-Entertainer Thomas Koschwitz. Der Marburger war ein hr-Urgestein mit vielen guten Ideen. Er gründete 1992 den hr-Club, der diese Veranstaltungen an den Mann brachte und damit Geschichte schrieb.

Als Anfang der 1990er die Techno-Musik von Frankfurt aus die Welt eroberte, rief der hr-Club sofort die Clubnight ins Leben. Immer von 22 bis 4 Uhr morgens legten die sogenannten Residents auf. Sven Väth, Marc Spoon, Talla 2XLC oder Ulli Brenner. Letzterer war der Kopf im Hintergrund des erfolg­reichen Duos La Bouche. „Das war gigantisch“, erinnert sich Arwed Fischer und fügt hinzu: „Das waren Weltstars. Talla kam regelmäßig mit eigenem Flugzeug angereist.“

Und er stand am DJ-Pult, das von Walter Schmitt entwickelt wurde. Der zweite Flashlight-Kopf hatte nach den ersten Disco-Partys gemerkt, dass die DJs ein Pult brauchen, welches nicht auf jede Erschütterung reagiert. Und so konzipierte er einen „DJ-Arbeitsplatz“, welcher heute noch von den Stars angefordert wird. „Ein guter DJ legt noch immer mit Platten oder CDs auf“, weiß Schmitt.

40 000 Menschen tanzten 2012 bei der Clubnight in Baunatal. In Fulda stand das Festzelt irgendwo auf der Wiese im Nichts. „Aber ich habe nur Menschen gesehen, nichts anderes. Kein Baum, kein Strauch, keinen Rasen. Nur Menschen“, erinnert sich Arwed Fischer.

"Die Disco wird mir fehlen"

Für ihn passten diese Partynächte perfekt ins Festzelt, das auch gerne dreckig sein durfte, und das Schwitzwasser musste von der Decke tropfen. Nach gut 20 Jahren Live-Hype kam innerhalb von einem Jahr 2014 das Ende der Clubnights.

Flashlight war und ist auch heute noch bei Großevents mit nur drei Leuten vor Ort und wuppt damit die komplette Veranstaltungstechnik in Sachen Ton, Licht und Video. Insgesamt zählt die Fischer-Crew 28 feste und 15 freie Mitarbeiter, die angefordert werden, wenn richtig viel los ist. „Wir erleben unglaublich viel, aber es ist auch unglaublich anstrengend“, weiß Arwed Fischer.

Zwei freie Wochenenden hätte er im Jahr. Aber er möchte keinen Tag missen. „Heute Rock ’n’ Roll, morgen Claus Kleber, übermorgen Basketball-Bundesliga. Das ist großartig!“ Heute wird er nun die Disco Party zum letzten Mal begleiten. „Die Disco wird mir fehlen, auch wenn ich sie oft verflucht habe!“

von Katja Peters

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