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Verbraucher vertrauen heimischen Eiern

Fipronil-Skandal Verbraucher vertrauen heimischen Eiern

Der Eierskandal hat auch in Marburg Auswirkungen auf das Verhalten der Konsumenten.

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Ein Stand mit Eiern auf dem Wochenmarkt in der Frankfurter Straße: Nach dem Fipronil-Skandal vertrauen die Verbraucher heimischen Händlern.

Quelle: Melchior Bonacker

Marburg. Während Mitteleuropa durch den Eierskandal gebeutelt ist, öffnet samstags in Marburg ganz wie gewöhnlich der Wochenmarkt. In der Frankfurter Straße erledigen nicht wenige Marburger ihren Einkauf. Jung und Alt kaufen hier Obst und Gemüse, Fleisch, Käse – und Eier.
Doch ganz so weit weg, wie man meinen könnte, ist das giftige Fipronil nicht. In den Gesprächen findet es sich zuhauf. Das Insektizid, das Europas Verbraucher in Atem hält, ist immer wieder Thema von Nachfragen, die sich an die Eierverkäufer richten.
Eva Knöppel, Eierverkäuferin auf dem Markt, kann ihre Kunden jedoch beruhigen. Auf ihren Eiern befinde sich der Giftstoff nicht, erklärt sie immer wieder: „Ich würde nicht hier stehen, wenn ich wüsste, dass da Chemie drin wäre.“

Das befürchten ihre Kunden aber auch nicht. „Bei familiären Betrieben habe ich keine Bedenken“, stellt Karl Meyer klar. Der 80-Jährige kauft seine Eier seit Jahren auf dem Markt.
Dennoch ist Eva Knöppel unzufrieden mit der Aufklärung rund um den Eierskandal. Familienbetrieben käme eine Zuhilfenahme des Mittels gar nicht in den Sinn. Auch wenn das Fipronil, wie Knöppel anmerkt, wesentlich günstiger ist, als das erlaubte Produkt. Ihre Kunden fragten aber auch schon länger nach, wo die Eier herkommen. Das Vertrauen in regionale Händler sei nicht erschüttert. Ganz im Gegenteil, stellt Achim Petermann, der für den Geflügelhof Wagner aus Homberg (Ohm) auf dem Wochenmarkt steht, fest. Im Moment gebe es eine große Aufregung. Die Menschen würden mehr darauf achten, was sie für Eier essen. Aber: „Wenn vielleicht in einem Vierteljahr der Skandal vorbei ist und was Neues passiert, kaufen die Leute wieder zehn Eier für einen Euro beim Discounter.“

Die Stimmen der Eier-Kunden stimmen da allerdings optimistischer: Gudrun Marquardt (61), Lehrerin aus Kirchhain, beispielsweise erklärt: „Ich kaufe Eier ohnehin nur an einem bestimmten Stand auf dem Markt, wenn ich weiß, wo sie herkommen. Der Fipronilskandal tangiert mich da überhaupt nicht.“

Lokale Anbieter verzeichnen Zuwachs

Ihre Kollegin aus dem Südkreis (52) allerdings macht sich durchaus Gedanken über den Eierkonsum: „Ich bin selten hier auf dem Markt, weil ich nicht aus Marburg komme. Aber dass ich jetzt hier bin, hat schon etwas mit dem Fipronil zu tun. Sonst kaufe ich immer Bio-Eier.“
Gabriela Deucker (59) aus Bauerbach sagt: „ Ich achte darauf, dass ich keine Eier aus den Niederlanden kaufe, sondern Eier, auf denen ein DE-Zeichen steht.“ Sie versuche aber auch in Geschäften einzukaufen, wo sie sicher sei, dass die Eier aus dem Nachbarort kommen.
„Ich kriege meine Eier alle 14 Tage von einem Bauern gebracht und da geht man davon aus, dass da nichts drin ist“, sagt Hans-Georg Willershausen aus Cappel.  „Wir verlassen uns ziemlich auf die Qualität.“

Hans Salowski (73) aus Weimar ist sich bezüglich seiner Eier noch sicherer: „ Ich habe selbst Hühner und wir verwenden nur unsere selbst erzeugten Eier.“  Mit den Produkten, die Eier erhalten, sei es natürlich ein Problem: Man müsse dann die Zutaten durchlesen und darauf achten. „Wenn ich das wüsste, dass in diesen Produkten belastete Eier verwendet worden sind, dann würde ich sie natürlich meiden.“

Torben Rieke (20) aus Cappel ist da ein wenig verunsichert. „ Die Eier, die ich letzte Woche gekauft habe, werde ich am besten entsorgen“, sagt er. „Aber Hühnerfleisch werde ich weiter normal kaufen, und ich werde auch weiter die Produkte essen, die Eier enthalten.“
Offensichtlich boomt aufgrund des Eierskandals die Nachfrage bei heimischen Erzeugern. Auf Nachfrage beim Landwirtschaftsbetrieb Heinrich Klingelhöfer in Kirchhain heißt es, dass es schon einen Zuwachs an Kunden gegeben habe. Der Eier-Skandal sei unnötig, die Tatsache, dass es ihn gibt, aber eben nicht mehr zu ändern.

„Ja, wir haben mehr Kunden als vorher“, heißt es vom Geflügelhof Engelbach. Dort ist man der Meinung, dass die Situation rund um den Skandal in etwa drei Wochen geklärt sei. Momentan sei die Lage schwierig einzuschätzen.
Eine inhaltlich etwas andere Stimme kommt aus Cölbe. Der Betrieb „Heikes wohlschmeckende Wachteleier “ verzeichnet keine neue Kundschaft. Der Skandal aber sei „unter aller Sau“.

Mehr Kundschaft gibt es am Hof Wiesengrund in Amönau. Dafür gebe es aber verschiedene Gründe. Zum einen sei ja nun die Urlaubszeit vorbei und zum anderen trage der Skandal rund um die Fipronil-Eier sein Übriges dazu bei. „Auffällig ist, dass es ja fast in jedem Jahr irgendeinen Lebensmittel-Skandal gibt,“ sagt Richard Fitt.

von Melchior Bonacker und Vasilisa Ichtchenko

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