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Feuerwehr will nicht "Danke" sagen

Feuerwehr Marburg Mitte Feuerwehr will nicht "Danke" sagen

Nach zehn Jahren Dienstzeit als Wehrführer tritt Dirk Bamberger sein Amt an den bisherigen Stellvertreter Jens Seipp ab. Zum Abschied gab es noch einmal klare Forderungen an die Kommunalpolitik.

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Gemeinsam mit Neuaufgenommenen, Geehrten und Beförderten präsentieren sich der neue Wehrführer Jens Seipp (2. von rechts), die Leiterin der Feuerwehr Carmen Werner (3. von rechts), der scheidende Wehrführer Dirk Bamberger (4. von rechts) und Alt-Oberbürgermeister Egon Vaupel (5. von rechts).

Quelle: Till Conrad

Marburg. „Wenn Sie uns weitere Mittel streichen, dann müssen bei uns keine Töpfer- oder Zeichenkurse ausfallen, dann fällt keine Kunstausstellung eines renommierten Künstlers aus und auch keine wilde Salsanacht – nein, es fällt schlicht und ergreifend die Feuerwehr aus“, sagte Bamberger in seinem letzten Rechenschaftsbericht als Wehrführer, an die Vertreter der Kommunalpolitik gerichtet.

Bamberger sprach von einem Investitionsstau von 1,4 Millionen Euro allein nur in der Fahrzeugausstattung. Hinzu kommen ein erheblicher Investitionsstau in der baulichen Unterhaltung und vor allem die Tatsache, dass den Feuerwehrleuten noch immer zugemutet werde, Feuerschutzkleidung aufzutragen, die 15 bis 20 Jahre alt sei. Die Feuerwehr Marburg-Mitte habe bei dem Brand im Squash-Center in der Willy-Mock-Straße im Jahr 1995, bei dem zwei Feuerwehrleute lebensgefährlich verletzt wurden, die Erfahrung gemacht, dass niemals an dem persönlichen Schutz der Einsatzkräfte gespart werden dürfe. Im Haushaltsentwurf für 2017 sind 20 000 Euro vorgesehen für die Ersatz- und Neubeschaffung von Dienst- und Schutzkleidung. „Viel zu wenig“, kritisiert der neue Wehrführer Jens Seipp schon seit Jahren. Einsatzkräfte müssten Brandabwehr teilweise in Schutzkleidung betreiben, die älter ist als sie selbst.

Brandschutz: Eine Pflichtaufgabe der Stadt

Im Prinzip kennt auch Brandschutzdezernent und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) das Problem. In seinem Grußwort sagte das Stadtoberhaupt, von den notwendigen Einsparungen sei vor allem die innere Verwaltung, aber auch die Feuerwehr betroffen. „Was aber nicht geht, ist, dass wir am persönlichen Schutz der Einsatzkräfte sparen.“ Wenn es hier ein Problem gebe, müsse darüber geredet werden. Und was die notwendigen Investitionen für die Instandhaltung und Modernisierung der Einsatzflotte angehe, werde die Stadt die Fahrzeuge „Schritt für Schritt“ auf den neuesten Stand bringen. Ein neuer Rüstwagen der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte ist fertig und soll in den kommenden Wochen oder Monaten offiziell in Dienst gestellt werden.

Ein „Dankeschön“ wird Spies bei der offiziellen Indienstnahme von der Feuerwehr Marburg-Mitte nicht hören, jedenfalls wenn es nach Bamberger geht. Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute böten ihre Dienste zum Schutz und Wohle der Stadt Marburg und ihrer Bürgerinnen und Bürger an. Sie erwarteten zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben lediglich eine „funktionsfähige und zeitgemäße Versorgung mit Schutzkleidung, Ausstattung und Geräten“. Es gehe nicht darum, der Feuerwehr etwas Gutes zu tun, die ihr Hobby aus Selbstzweck betreibe, sondern um eine Pflichtaufgabe der Stadt: den Brandschutz.

Nachfolger Bambergers, der nach zehn Jahren nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stand, im Amt des Wehrführers ist Jens Seipp, bisher stellvertretender Wehrführer. Er erhielt 61 von 70 Stimmen bei 7 Neinstimmen und 2 Enthaltungen.

Dirk Bamberger wird der Feuerwehr als einfacher Dienstgrad im zweiten Zug und als Vorsitzender des Feuerwehrvereins erhalten bleiben. Zu seinem Abschied als Wehrführer erhielt er aus den Händen der Leiterin der Marburger Feuerwehr, Carmen Werner, die höchste Auszeichnung, die die Stadt an Feuerwehrleute verleihen kann: den goldenen Helmschild.

Die Freiwillige Feuerwehr Marburg-Mitte zählt mit ihren 113 aktiven Mitgliedern in der Einsatzabteilung, die in zwei Löschzügen und einem Gefahrstoffzug organisiert sind, zu den größten Freiwilligen Feuerwehren hessenweit.

Jeden Tag ein Einsatz

Der Einsatzabteilung stehen 14 Neuaufnahmen vier Abgängen gegenüber. Damit setzt sich ein sehr erfreulicher Trend fort, der zur landesweiten Entwicklung gegenläufig ist. Die Einsatzabteilung umfasst derzeit 16 Frauen und 97 Männer, die in ihrer Freizeit den Feuerwehrdienst ehrenamtlich ausüben. Der Jugendfeuerwehr gehören derzeit zwei Mädchen und 20 Jungs an. Das stellt einen Zuwachs um 9 Kinder oder rund 82 Prozent dar.

20 Menschen, davon 3 mit Verletzungen, konnten bei den 85 Brandeinsätzen von der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte gerettet werden. Bei 102 Hilfeleistungseinsätzen konnten 10 Menschen unverletzt gerettet werden. Über 50 Mal rückte die Kernstadtwehr als Unterstützungseinheit für andere Stadtteilfeuerwehren oder im „Über-Land-Einsatz“ aus. Weiterhin wurden die Einsatzkräfte aus Mitte über 120 Mal alarmiert, ohne dass deren Eingreifen erforderlich gewesen ist. Der überwiegende Teil dieser Einsätze geht auf die Alarmierung durch automatische Brandmeldeanlagen zurück. Damit war die „FFMR-Mitte“ nahezu jeden Tag im Einsatz. Hinzuzurechnen sind noch 87 Brandsicherheitsdienste, die in der Stadthalle oder auf der Feuerwehrwache in Form einer Einsatzbereitschaft zu leisten waren.

von Till Conrad

Sicherheitsprobleme an der Hauptfeuerwache
Auf der Hauptfeuerwache am Erlenring herrscht qualvolle Enge. Die Freiwillige Feuerwehr Marburg-Mitte beklagt, dass auf dem Hof regelmäßig zwei Stellflächen von Fahrzeugen der Ordnungspolizei belegt werden und der „Blitzer“ des Ordnungsamts in einem Carport untergestellt ist, das eigens für Fahrzeuge der Feuerwehr aufgestellt worden sei. Aktive Feuerwehrleute berichten von schwierigen Rangiermanövern und Sicherheitsproblemen. Auf ihrer Jahreshauptversammlung am Freitag forderte die Freiwillige Feuerwehr einstimmig eine andere Lösung für die Ordnungsamts-Fahrzeuge. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sagte zu, dass die Fahrzeuge bis zum Herbst verschwinden.
Wahlen, Beförderungen und Ehrung

Wahlen

Wehrführer: Jens Seipp
Schriftführer: Christopf Saffrich
Beisitzer: Klaus Faulhaber

Neuaufnahmen
Philipp Hesse, Younes Ameer Alherz, Dominik Becker, Tobias Chemnitz, Joachim Fokuhl, Silvana Griesel, Christine Heuzeroth, Edmond Kariuki, Wolfgang Nacke, Emil Pruchnewski, Caroline Sommer

Beförderungen

zur/m Feuerwehrfrau/mann:
Elisabeth Böcher, Nils Faulhaber, Volker Klass, Christian Linnemann, David Schnabel, Andrey Senko
zur/m Oberfeuerwehrfrau/mann: Regina Staab, Antonia Unland, Mirko Koch, Enno Kummerfeldt, Jan Wächter
zum Hauptfeuerwehrmann: Tobias Chemnitz, Tim Elger, Julius Hahn, Chris Nacke, Martin Sassen
zur/m Löschmeister/in: Florian Gilbert, Andrea Raschke
zum Oberlöschmeister: Rüdiger Ellinghaus
zum Oberbrandmeister: Stephan Kilian

Ehrung

Goldener Helmschild der Stadt Marburg: Dirk Bamberger

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