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Essen "fairteilen" statt verschwenden

Thema "Foodsharing" Essen "fairteilen" statt verschwenden

Am Anfang bestand die Initiative Foodsharing in Marburg aus zehn Leuten. Doch innerhalb von vier Jahren ist die Anzahl der Aktivisten, die Lebens­mittelverschwendung bekämpfen, auf dasZehnfache angestiegen.

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Anna Serr (links) und Edeltraud Niehoff bringen nach einer Lebensmittelspende frische Backwaren zu den „Fair–Teiler“ in der Uni-Kirche.

Quelle: Viet Duc Le

Marburg. Einer WWF-Studie zufolge werden jährlich weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht etwa 41 Tonnen Nahrung pro Sekunde. Aktiv dagegen eintreten will Edeltraud ­Niehoff, die älteste „Food­sharerin“ in ­Marburg. „Anderswo müssen Menschen verhungern“, begründet sie ihr Engagement. Doch mit dieser Einsatzbereitschaft ist sie in der Universitätsstadt nicht ­alleine. 100 Marburger ­gehören zu der Organi­sation. Vor rund einem Jahr waren es noch 20 (die OP berichtete).

Eine der drei Botschafter der Gruppe ist Anna Serr. Die 20-Jährige koordiniert die verschiedenen Lebensmittelabholungen, die sogenannten „Lebensmittelrettungen“. Außerdem leitet sie das regelmäßige Plenum der Mitglieder. „Gerne können zu dem Treffen auch Interessierte dazustoßen“, merkt Edeltraud Niehoff an.

„Lebensmittelrettungen“

Die 61-Jährige ist durch Zufall auf Foodsharing im Internet gestoßen. Sie wollte etwas gegen die Lebensmittelverschwendung unternehmen. Besonders positiv bemerkt sie, dass sich die jungen Leute durch das Projekt wieder mit Lebensmitteln auseinandersetzen.

Das bestätigt auch Anna Serr. Am Anfang habe sie sich bei Foodsharing nur angemeldet, weil ihre Freunde mitgemacht haben. Jetzt gehe sie bewusster mit Lebensmitteln um. Ein ähnliches Erlebnis hatte auch Philipp Borgetto. Er meldete sich auf der Internetplattform an, um Geld zu sparen. Jetzt sagt er: „Durch Foodsharing ist Essen mein Hobby geworden“.

Oft kommen die Foodsaver, so nennen sich die Mitglieder der Organisation, mit zuvor unbekannten Lebensmitteln in Kontakt. Als Resultat lernen sie ständig neue Rezepte kennen. Philipp Borgetto sagt auch, er koche gesünder, seitdem er Food­sharing macht, da die kooperierenden Betriebe eben häufig Obst und Gemüse spendeten.

Für die Foodsaver steht neben dem gesunden und abwechslungsreichen Kochen noch ein weiterer Aspekt im Vordergrund: „Es fühlt sich gut an, Lebensmittel vor dem Wegschmeißen und Vergammeln zu retten“, sagt Philipp Borgetto. Auch Anna Serr hat das Gefühl, „etwas Sinnvolles zu tun“. Durch Food­sharing können Hilfsbedürftige kostenlos Lebensmittel erhalten. In erster Linie gehe es allerdings darum, die Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen.

Um dieses zu verwirklichen, gibt es in Marburg drei „Fair-Teiler“, Anlaufstellen, an denen gespendete Lebensmittel umsonst mitgenommen werden können. Dort ist es aber auch möglich, Lebensmittel zu spenden.

Bereits im Sommer 2011 rettete der Mitbegründer der Food­sharing-Bewegung, Raphael­ Fellmer, Lebensmittel aus den Tonnen von verschiedenen Bio-Supermärkten in Berlin. Es dauerte nicht lange und Fellmer gelang die erste Kooperation mit einem Lebensmittelbetrieb, der Bio-Company.

Am Anfang steht ein Quiz

Der Durchbruch für die Bewegung gelang mit dem Dokumentarfilm „Taste the Waste“ (2011). Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Films gründete der Regisseur Valentin Thurn zusammen mit Raphael­ Fellmer und weiteren Gleichgesinnten den Food­sharing-Verein. Im Dezember 2012 ging die Internetplattform foodsharing.de online und zählt mittlerweile über 60000 Nutzer - allein in Deutschland.Um als Community-Mitglied aktiv an dem Projekt teilzunehmen, müssen sie ein Quiz bearbeiten. Dabei wird auf wichtige Verhaltensregeln hingewiesen, zum Beispiel auf die Hygieneregeln.

„Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen und kann gerne zum nächsten Plenum kommen“, sagt Edeltraud Niehoff. Offenstehende Fragen werden dort gerne beantwortet.

  • Das nächste Plenum findet am kommenden Montag um 18 Uhr im Foyer der philosophischen Fakultät statt.

von Sophia Stahl und Viet Duc Le

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