Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
„Es geht um Mehrwert für den Bürger“

Kooperative Sozialplanung „Es geht um Mehrwert für den Bürger“

Mit einem Fachvortrag und einer Ideenwerkstatt sind Stadt und Sozialträger in die „kooperative Sozialplanung“ eingestiegen. Das soll laut OB Dr. Thomas Spies keinesfalls Auftakt zu neuen Sparmaßnahmen sein.

Voriger Artikel
Motiv unklar, Täter auf der Flucht
Nächster Artikel
Menschsein bedeutet, anderen zu helfen

Bei Demos gegen die Sozialkürzungen hagelte es für OB Dr. Thomas Spies Kritik. Nun wollen Sozialträger und Stadt sich in einer „kooperativen Sozialplanung“ wieder annähern.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Was steckt hinter dem Wort „kooperative Sozialplanung“? Wie kann das in Marburg umgesetzt werden? Damit haben sich mehr als 100 Vertreter der Stadt und der Vereine und Einrichtungen aus der Gemeinwesenarbeit in Marburg in intensiven Gesprächen befasst. Dazu hatte die Stadt zu einer Auftaktveranstaltung in das Erwin-Piscator-Haus eingeladen.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies sagte bei der Begrüßung der vielen Vertreter sozialer Institutionen, wie eindrucksvoll das vorhandene Angebot in Marburg sei – und dass es durch die geplante „kooperative Sozialplanung“ gemeinsam weiterentwickelt werden solle. „Diese Operation ist nicht ganz ungefährlich. Schließlich ist es nicht lange her, da hatten wir in Marburg eine lebhafte Debatte über den Haushalt 2017, der an vielen Stellen Abstriche beinhaltete“, erinnerte der Rathauschef an die Diskussionen und Demonstrationen wegen der Kürzungen im Sozialbereich. „Das nährt den Verdacht, dass die kooperative Sozialplanung der Einstieg ins richtige Sparen werden soll. Aber das ist nicht der Fall“, betonte Spies. Das Konsolidierungspotenzial der Stadt liege an ganz anderer Stelle. Die soziale Infrastruktur hingegen solle erhalten und gemeinsam ausgebaut werden.

Um eine Idee vom Begriff „kooperative Sozialplanung“ zu bekommen, gab Professor Dr. Herbert Schubert aus Köln einen Überblick über das Thema. Bislang seien Verwaltungen in der Position der Auftraggeber, verteilen Geld, bringen die Sozialträger in einen Wettbewerb und kontrollieren die Arbeit. Bei der neuen Art der Sozialplanung trage nicht mehr die Politik die alleinige Verantwortung. Stattdessen treten Fachkräfte der Verwaltung und Akteure der Sozialträger in engen Dialog. „Man muss sich kontinuierlich über die Ziele verständigen und eine­ gemeinsame Planungskultur entwickeln“, erklärte Schubert. Dabei gehe es um „den Mehrwert für die Bürger und nicht um die Interessen von Organisationen und das Sichern von Ressourcen“. Wichtig sei, dass die Akteure sich nicht belauern und in Konkurrenz stehen, sondern eine Kultur des Miteinanders finden. „Versuchen Sie dem zu entkommen, dass Sie arbeiten, wie ein weiterer Arbeitskreis“, gab er mit auf den Weg.

Seit 13 Jahren Steuerungsgruppen im Lahn-Dill-Kreis und in Wetzlar

Der Lahn-Dill-Kreis und die Stadt Wetzlar haben bereits seit 13 Jahren eine Steuerungsgruppe, die sich mit der Sozialplanung befasst. Das stellte Bruno Lehberger, Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Lahn-Dill-Kreis, vor. Die Steuerungsgruppe bestehe aus Vertretern von Stadt und Kreis, Arbeitsamt und Sozialträgern und steuere die Arbeit verschiedener Arbeitsgruppen. Ebenso berate­ die Gruppe die Verteilung der kommunalen Mittel und bringe Vorschläge in die kommunalen Gremien ein. Da auch die Politik in der Gruppe vertreten sei, hätten auch die Entscheidungen Gewicht. Laut Lehberger ist es wichtig, dass „ausreichend hochrangiges Personal“ an der „kooperativen Sozialplanung“ beteiligt ist – Bürgermeister, Vorsitzende und Fachdienstleiter müssten persönlich mitarbeiten, Entscheidungen sollten im Konsens gefällt werden. „Dadurch haben wir ein hohes Maß an Vorbereitungsmacht, obwohl wir nur ­eine ­Beratungsfunktion haben“, erklärte Lehberger.

Nach diesem Input berieten sich die Marburger in Kleingruppen, überlegten, was für eine „kooperative Sozialplanung“ erforderlich ist. Transparenz wurde von vielen Gruppen genannt, eine Arbeit auf Augenhöhe und eine ausreichende ­finanzielle und personelle Ausstattung. Um das zu erreichen müsse das Vertrauen zur Politik erst wiederhergestellt werden und Sachfragen müssten immer Vorrang haben vor parteipolitischen Fragen.

Die Stadt wird die Ergebnisse und Wünsche der Teilnehmer laut OB nun aufarbeiten und als ersten Impuls nutzen, um nach den Sommerferien mit den sozialen Trägern zusammen eine­ Struktur für die gemeinsame ­Sozialplanung zu entwickeln.

von Patricia Grähling

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr