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Erste-Hilfe-Set gegen absurde Theorien

Philosoph hält Vortrag Erste-Hilfe-Set gegen absurde Theorien

Professor Karl Hepfer von der Universität Erfurt hielt als praktischer Philosoph in der Philosophischen Fakultät einen kurzen Vortrag mit dem Titel: „Verschwörungstheorien: Ein philosophisches Erste-Hilfe-Set“.

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Der Philosoph Professor Karl Hepfer.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Großkonzerne, die ultraeffiziente Motoren zurückhalten? Großkonzerne, die uns mit Impfstoffen und Pestiziden gefügig machen? Gestellte Mondlandungen? Die Erde in Wahrheit doch eine Scheibe? In Zeiten von Fake-News sowie grassierender Allergie gegenüber Intellektuellen und Wissenschaftlern blühen selbst die ältesten und absurdesten Verschwörungstheorien wieder auf. Stets sind es entweder internationale Unternehmen, eine (bevorzugt amerikanische) Regierung, manchmal (bevorzugt jüdische) Bankiers, auf jeden Fall eine Gruppe einflussreicher Unbekannter im Hintergrund. Wer sich mit so viel Irrsinn konfrontiert sieht, mag sich mitunter fragen: Wie begegnet man Verschwörungstheoretikern am besten?

Professor Karl Hepfer von der Universität Erfurt hielt als praktischer Philosoph in der Philosophischen Fakultät einen kurzen Vortrag zu dieser Thematik mit dem Titel: „Verschwörungstheorien: Ein philosophisches Erste-Hilfe-Set“.

„Üblicherweise nutzen wir in der Philosophie gerne den Grundsatz, dass jenem Modell der Vorrang einzuräumen ist, dass mit den wenigsten Annahmen das Meiste erklärt. Hat man es aber mit Verschwörungstheorien zu tun, wäre dieser Ansatz fatal, denn letztlich können diese allein mit der Annahme, dass es da eine enorm einflussreiche Gruppe im Hintergrund gibt, so ziemlich alles erklären“, bemerkte Hepfer.

„Verschwörungstheoretiker neigen zu Vereinfachungen“

Gleichzeitig riet er davon ab, solchen Personen mit intellektuellem Snobismus zu begegnen oder das Problem einfach zu ignorieren. „Verschwörungstheoretiker neigen zu gefährlichen Vereinfachungen und es wäre feige von der Wissenschaft, vor diesem Problem einfach davonzulaufen. Außerdem gibt es natürlich Fälle, die einmal wie wilde Verschwörungstheorien ausgesehen haben und sich dann doch als wahr herausstellten, etwa die Watergate-Affäre.“

Als besonders problematisch beschrieb Hepfer ferner die Eigenheit solcher Theoretiker, dass sie die Abwesenheit von Beweisen oft als Beweis für die Vertuschung missbrauchten und empirisch Daten derart selektiv wahrnähmen, dass schlussendlich auch große Datensammlungen sich bei näherem Hinsehen als völliger Unsinn entpuppten. Abschließend stellte der Professor fest: „Wir müssen uns dabei unserer Grenzen bewusst sein. Sie können so ohne weiteres nicht beweisen, dass die Sterne verglühte Gasriesen und keine LEDs am künstlichen Nachthimmel sind. Es bleibt nur der mühsame Weg, mit viel Geduld den von Verschwörungstheoretikern aufge­bauten Datenwust zu entwirren und die Fehler nüchtern offenzulegen.“

von Marcus Hergenhan

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