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Erinnerung an ein Massaker

Gedenkveranstaltung Erinnerung an ein Massaker

Die Stadt Marburg soll im Januar 2019 eine Gedenkveranstaltung aus Anlass des 100. Jahrestages des Massakers von Königshütte (heute Chorzów) organisieren.

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Im Hintergrund ist der Gedenkstein der Marburger Jäger in Bortshausen zu sehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Über diese Forderung waren sich die Fraktionen im Schul- und Kulturausschuss am Donnerstag einig. Offiziell abgestimmt werden soll aber erst im November, wenn der genaue Wortlaut des Antrags noch einmal abgestimmt ist.

Die Marburger Linke hatte den Antrag eingebracht. Ursprünglich sollte der Magistrat aufgefordert werden, die Zahl und die Namen der Opfer des Massakers der Militäreinheit Marburger Jäger an Arbeitern in Königshütte (heute Chorzów) vom Januar 1919 genau zu ermitteln.Diese Ermittlung sei nicht leistbar, teilte der Leiter des Fachdienstes Kultur, Richard Laufner, während der Sitzung mit.

Er habe Kontakt mit dem ­Herder-Institut aufgenommen, die diese Auskunft erteilt habe. Laufner führte dies unter anderem darauf zurück, dass es in Polen eine andere „Erinnerungskultur“ gebe. Insofern sei auch eine offizielle Einladung an Vertreter der Stadt Chorzów zu überdenken.

Die vom Magistrat in Auftrag gegebene Studie der ­Geschichtswerkstatt „Zur Geschichte der Marburger Jäger“ hat unter anderem zu Tage gebracht, dass die Marburger Militäreinheit auch in Chorzów ­Gewalttaten begangen habe,­ ­argumentiert die Marburger Linke. Nach Erkenntnissen der Geschichtswerkstatt gingen die in Chorzów stationierten Marburger Jäger gewalttätig gegen die lokale Arbeiterschaft vor und erschossen mindestens 16 Menschen. 21 weitere wurden verletzt. 13 Namen der getöteten Arbeiter hat die Geschichtswerkstatt recherchiert.

Der Marburger Linken schwebt vor, dass die Geschichtswerkstatt ihre Forschungen ergänzen könnte und die Rolle der studentischen Freikorps in diesem Zusammenhang näher ­erforscht.

Die Rolle der Marburger Jäger nicht nur bei dem Massaker in Königshütte, sondern auch bei Kriegsverbrechen im belgischen Dinant 1914, bei der Beteiligung am Völkermord an den Herero und den Nama in der Kolonie Deutsch-Südwest, dem früheren Namibia, wurde durch die Geschichtswerkstatt aufbereitet.

Das Kurhessische Jäger-Bataillon Nr. 11 („Marburger Jäger“) war von 1866 bis 1919 ein Verband der Preußischen Armee.

Die 1974 gegründete „Kameradschaft Marburger Jäger“ pflegt die Tradition dieses Traditionsverbands und hat seit 2011 ein Kriegsdenkmal im Ortsteil Bortshausen aufgestellt.

von Till Conrad

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