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Straßenbahn in Marburg vor dem Aus

Gutachter verwerfen Idee Straßenbahn in Marburg vor dem Aus

Die Pläne, die Kernstadt ab dem Südbahnhof per Straßenbahn mit den Lahnbergen zu verbinden, stehen offenbar vor dem Aus. Vor allem, aber nicht nur finanzielle Gründe spielen eine Rolle.

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Eine Straßenbahn im Depot der Stadtwerke Bonn. Nach OP-Informationen halten Gutachter den Einsatz einer Straßenbahn zu den Marburger Lahnbergern für nicht umsetzbar.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Noch ist die von den Stadtwerken in Auftrag gegebene und seit längerem erwartete Machbarkeitsstudie für die Tram-Verbindung nicht da, erste Ergebnisse sickern aber durch. Wie Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren der OP auf Anfrage mitteilte, beurteilen die Gutachter offenbar die Förderfähigkeit des Projektes skeptisch.

Ohne einen Zuschuss von Bund oder Land, der einen Großteil der Projektkosten – frühere Schätzungen der Stadtwerke gingen von 30 bis 40 Millionen Euro aus – trage, sei die Tramverbindung für die Universitätsstadt aber nicht zu stemmen.

Technisch ist eine Straßenbahn, die ab Südbahnhof über die Großseelheimer Straße bis zur Südseite des Lahnberge-Klinikums fahren soll, für die Gutachter nach ersten Informationen kein Problem, berichtete Schüren. Das Verkehrsplanungs- und Beratungsbüro ist aber skeptisch, was die hohen Kosten des Projektes angeht.

Generell gilt bei Projekten des schienengebundenen Verkehrs zwar, dass Bund oder Land bis zu 90 Prozent der Kosten übernehmen – aber eben nur generell.

Oberleitungsbusse bleiben
 als Variante möglich

Auch den verkehrlichen Nutzen einer Straßenbahn auf die Lahnberge beurteilen die Gutachter diesen ersten Informationen zufolge eher skeptisch.
Knackpunkt ist dabei offensichtlich die Frage, ob die Großseelheimer Straße zu eng für ­eine Straßenbahn ist. Schüren­ hatte den Mittelstreifen der Straße für eine mögliche Trasse ins Gespräch gebracht.

Noch liegen die Ergebnisse der Studie nicht vor, betont Schüren. Er habe aber nur noch wenig Hoffnung, dass die Gutachter das Projekt befürworten.
Damit ginge die jahrelange Diskussion von vorne los, wie täglich bis zu 10 000 Pendler umweltfreundlich vom Stadtzentrum zu den Lahnbergen befördert werden sollen.

Vorhaben ist chancenlos

Die Idee der Grünen, besonders von Ex-Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) vertreten, eine Seilbahn vom Lahntal bis zu den Lahnbergen zu bauen, ist politisch derzeit nicht durchsetzbar und mindestens für den Moment keine Alternative.

Die Idee des emeritierten Medizin-Professors Harald Lange, eine U-Bahn durch Stadtzentrum bis auf die Lahnberge zu bauen, ist chancenlos – das bestätigte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bei seiner Neujahrsrede.

Damit bleiben als gegenwärtig letzte zu prüfende Option der Einsatz von Oberleitungs- oder Induktionsbussen. Die Idee ist, den Bussen auf obergeleitete Strecken von und zu den Lahnbergen hoch so viel Energie zuzuführen, dass ein Akku aufgeladen wird, der den Bus auf der Fahrt durch die ­Innenstadt antreiben kann. Nur mit dieser modernen Form des Hybridantriebs ist die Uralt-Technik der Oberleitung für ­Planer aber attraktiv.

Hohe Investitionen sind notwendig

Ob Oberleitungs- oder Induktionslösung oder doch die herkömmliche Antriebsart durch Diesel oder Elektro: Funktioniert die Tram-Lösung nicht, müssen die Stadtwerke den Fahrplan-Takt deutlich verdichten, wenn sie viel mehr Menschen als bisher zu den Lahnbergen bringen wollen. Gedankenspiele gehen von Schnellbussen mit einem Fünfminutentakt zumindest während der Stoßzeiten und minimalen Zahl von Haltestellen aus.

Dazu müssten die Stadtwerke allerdings mehrere Busse­ kaufen – und Busfahrer, die deutschlandweit händeringend gesucht werden, einstellen.

Auch die Neuanschaffung von Bussen verursacht – jenseits der notwendigen Infrastruktur für Oberleitung oder Induktion – hohe Kosten: Die Stadtwerke, die ihre Flotte erst weitgehend auf Erdgas umgestellt haben, müssen für einen Elektrobus mit 500.000 Euro, einen­ herkömmlichen Hybridbus (Fossil/Elektro) mit mindestens 400.000 Euro kalkulieren. Entsprechend höher sind die Kosten für die Fahrzeuge mit dem Hybrid Batterie/Oberleitung oder Induktion.

von Till Conrad 
und Björn Wisker

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