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„Einen Sachverhalt in Mathesprache übersetzen“

Tag der Mathematik „Einen Sachverhalt in Mathesprache übersetzen“

Am „Tag der Mathematik“ gehen Schüler auch mal freiwillig samstags in die Schule - zumindest Matheprofis, die Spaß an Formeln und kniffligen Fragen haben.

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Rund 110 Schüler kamen am Samstag in die Martin-Luther-Schule, um am bundesweiten Mathe-Wettbewerb teilzunehmen.Foto: Freya Altmüller

Marburg. „Die eine Kugel hat eine konstante Geschwindigkeit“, denkt die Schülerin Clara Hofmann laut. „Und die andere eine beschleunigte“, ergänzt ihre Sitznachbarin Theresa Köster. Sie hilft ihrer Mitschülerin, denn Hofmann hat sich die schwierigste Matheaufgabe im Gruppenwettbewerb ausgesucht. Insgesamt zu viert treten die Zwölftklässlerinnen von der Christophorusschule Oberurff auf dem Tag der Mathematik an. Sie sind eines von 26 Teams, die an diesem Samstagnachmittag an dem Wettbewerb an der Martin-Luther-Schule teilnehmen.

Studenten übernehmen die Aufsicht

Die Aufgabe, an der die beiden Schülerinnen arbeiten, verlangt, die Geschwindigkeit einer Kugel herauszufinden, die ein Gefälle hinunter auf eine Gerade rollt. „Ich brauche ein Gleichungssystem, aber ich weiß nicht, wie ich es aufstellen soll“, sagt Hofmann. Ein Gleichungssystem besteht aus mehreren Gleichungen, wobei man versucht, mithilfe von bekannten Größen und deren Verhältnissen zueinander die Unbekannte zu beschreiben und ihren Wert herauszufinden. „Einen Sachverhalt in Mathesprache übersetzen“ nennt das Alexander Issing, Lehrer der Martin-Luther-Schule und Projektleiter für das Zentrum der Mathematik in Bensheim, das den Tag ausrichtet. „Das könnte man als leichte Modellierung bezeichnen“, so Issing. Es gehe darum, ein Modell aufzustellen, das aus mathematischen Formeln bestehe.

„Wir versuchen, über den Tellerrand zu schauen“

Im Schulunterricht seien solche Aufgaben selten. Mathe­matiker hätten dafür umso häufiger damit zu tun. „Die Steuerung von Netzwerken, Stromversorgungsnetzen und Ampelschaltungen sind Beispiele für schwierige Modellierungsaufgaben.“

Auch den Verkehrsfluss über Induktionsschleifen zu organisieren, die die Grünphase einer Ampel je nach Verkehrsaufkommen gestalteten, gehöre zu den Problemstellungen. „Ich brauche nicht die Beschleunigung zu berücksichtigen, um die Endgeschwindigkeit auszurechnen?“, fragt ein Schüler ungläubig.

Mathematikstudentin Paula Kastner, die die Aufsicht in einem der Unterrichtsräume hat, verneint. „Versuch, über die Zeit das Ganze auszurechnen“, rät sie. „Noch drei Minuten“, kündigt Kastners Kollege den Schülern an. Dann folgt der Einzelwettbewerb, der noch einmal eine Dreiviertelstunde dauert. Die vier besten Schüler in dieser Kategorie dürfen in den Herbstferien an einer mathematischen Modellierungswoche teilnehmen.

Mit Unterstützung von Professoren und Studenten werden sie dann an simulierten Problemstellungen wie der Wasserversorgung einer Kleinstadt arbeiten.

„Wir versuchen, über den Tellerrand zu schauen“, erklärt Issing. Die meisten der Teil­nehmer sind Leistungsschüler. Von Kassel bis Butzbach sind die rund 110 Schüler angereist. Nach der Mittagspause wollen sie ebenfalls in den Gruppen ihre Schnelligkeit testen. Nach der Präsentation der Lösungen bekommen sie in einem Vortrag des Marburger Professors für Mathematik und Informatik Thorsten Thormählen Einblick in „Visuelle Effekte für Film und Werbung“.

An zehn weiteren Standorten in Deutschland fand der Wettbewerb zeitgleich statt, in Marburg in Kooperation mit der Stadt. „Ich bin froh, dass der Tag die Motivation für das Fach weiterträgt“, sagte Marburgs Schuldezernentin Dr. Kerstin Weinbach (SPD).

Den ersten Platz im Einzelwettbewerb belegte Finn Schlichtherle vom Wilhelmsgymnasium Kassel. In den Gruppenwettbewerben waren Jonathan Beyer, Alec Metsch, Nils Vosteen und Martin Fischer von der Herderschule Gießen das beste Team. Aus dem Kreis belegten folgende Schüler die besten Plätze: Marlene Ungar (Philippinum, 5. Platz Einzelwettbewerb), Jonas Franz und Niklas Gronau (Martin-Luther-Schule, je 7. Platz Einzelwettbewerb), Johannes Kreutz, Erik Buthmann, Olrik Anderson, Justus Hardin, Walter Debel (Philippinum, Gruppenwertung 3. Platz), Jan Daum, Tobias Erkel, Jonas Franz, Niklas Gronau und Till Stehling (Martin-Luther-Schule, Gruppenwertung 4. Platz).

von Freya Altmüller

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