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Einblicke in den Alltag blinder Menschen

Woche des Sehens Einblicke in den Alltag blinder Menschen

Kochen, Surfen, Kleiderwahl – was der sehende Mensch dank seiner ­Augen so alles kann, das kann auch der Blinde, nur eben mit entsprechenden Hilfsmitteln. Darum dreht sich ein Aktionstag zweier Blindenverbände.

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Beim Kochen helfen Anette Bach vom DVBS so einige sprechende Hilfsmittel und viel Fingerspitzengefühl.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Womit erkennt ein blinder Mensch die Farben seiner Kleidungsstücke? Wie wird gekocht, ohne die Zutaten sehen zu können und wie klickt sich ein sehbehinderter User durch das Internet? Um diese­ Fragen geht es am Samstag bei einem lockeren Treff für sehende und sehbehinderte Menschen während der Woche des Sehens.

Dazu haben sich zwei Verbände zusammengetan, der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) und der Blinden- und Sehbehindertenbund (BSBH). Der Informationstag sei „ein Versuch, den Alltag von Sehbehinderten darzustellen – und der ist nichts Besonderes, man braucht nur ein paar Hilfsmittel“, sagt Anette Bach, Leiterin des Bezirks Hessen im DVBS. Sie ist blind, ganz alltägliche Aufgaben muss sie dennoch meistern wie jedermann, sagt sie, ob Essen kochen, Fenster putzen, einkaufen, Zeitung lesen beziehungsweise hören oder E-Mails beantworten. All das kann der sehende wie der blinde Mensch, „unser Alltag sieht auch nicht anders aus als der von Sehenden“, nur eben die Technik sei anders.

Auch in ihrer Küche steht ein Thermomix, mit dem wird häufig gekocht. Einzig die Waage­ kann Bach nicht nutzen, da sie das Display nicht sieht. Dafür gibt es die sprechende Küchenwaage, die das richtige Gewicht der Zutaten vorspricht.

Sprechendes Maßband

Das kann auch das sprechende Maßband, wenn mal etwas zu vermessen ist. Ein Farberkennungsgerät hilft wiederum dabei, zueinander passende Kleidungsstücke zusammenzustellen. Auch im Internet surft Bach regelmäßig, als Sprachrohr dient ihr dabei eine an den PC angeschlossene Sprachausgabe, welche die digitalen Texte vorliest.

Diese und viele weitere Alltagshelfer für sehbehinderte Menschen stellt sie gemeinsam mit Vereinskollegen am Samstag vor. Dabei geht es um den gegenseitigen Austausch, darum, einen Eindruck vom blinden Alltag zu vermitteln, aber auch um den Abbau von Barrieren in den Köpfen.

Die gebe es auch in einer blindenfreundlichen Stadt wie Marburg. „Die Leute hier sind total an Blinde gewöhnt, aber viele haben dennoch keine Ahnung, wie wir leben und unser Alltag so aussieht“, sagt Bach. Ihr begegnen immer wieder Vorurteile, eine falsche Rücksichtnahme oder Menschen mit der Vorstellung des völlig hilflosen Blinden im Kopf. „Es gibt diese ­Urangst vor dem Blindsein und viele kleine Inklusionshürden – die wollen wir abbauen und miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Bach.

Neben diversen Alltagshelfern und Spielen für Blinde wie Sehende, werden ebenfalls spezielle Hilfsmittel für gleichzeitig hör- und sehbehinderte Menschen ausgestellt.

  • Der offene Informationstag mit lockerer Kaffeetafel findet am Samstag von 11 bis 17 Uhr im Haus der Begegnung in der Bahnhofstraße 21 statt.

von Ina Tannert

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