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Ein Verein sucht neue Freunde

Eintracht Frankfurt wirbt um Unterstützer Ein Verein sucht neue Freunde

Der Adler auf der Autoheckscheibe – das Alex-Meier-Trikot am Körper. Auch in Mittelhessen kein ungewöhnliches Bild. Der Verein Eintracht Frankfurt will sich jedoch noch mehr in der Region verankern.

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Axel Hellmann,  Vorstandsmitglied bei Eintracht Frankfurt, sprach beim Business-Talk „Eintracht in der Region“ im Congresszentrum der DVAG in Marburg.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg.  Fußball ist schon längst nicht mehr nur ein Spiel. Nicht, wenn es um die Bundesliga geht. Die höchste deutsche Spielklasse ist ein Millionengeschäft. Dort herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf um Werbeeinnahmen und TV-Gelder. Die Vereine sind wirtschaftlich geführte Unternehmen. Und RB Leipzig das Paradebeispiel, wie eine Marketing­idee durch Finanzkraft und ­geschicktes Management zum sportlichen Leben erweckt werden kann.

Der Beweis, dass Geld eben doch Tore schießt. Die Bundesliga ist ein „harter Wettbewerb“, sagt auch Axel Hellmann, der in Marburg beim „Business-Talk“ auf der Suche nach Sponsoren und künftigen Kooperationspartnern für Eintracht Frankfurt ist. „Welches Konzept setzt sich durch?“, fragt Hellmann, der seit 2012 Vorstandsmitglied bei den Riederwäldern ist: „Wie können wir ­erfolgreich sein?“

Einen Großinvestor, der „Hunderte von Millionen Euro“ in den Verein pumpt, werde es auf absehbare Zeit nicht geben. Dies sei auch gar nicht erwünscht. Die Lösung liegt für Hellmann im Kleinen. Quasi um die Ecke. „Wir wollen die Region mobilisieren. Die Fans, die Menschen, aber auch eben die Unternehmer“, sagt er. Wie der Verein das machen will?

Nach ähnlichen Gesprächsrunden in Fulda und Aschaffenburg hätten dort ansässige Geschäftsleute eine Stadion-Loge angemietet. „Wir merken, dass dieses Konzept guten Zuspruch erfährt. Da muss man dann auch nicht 50 000 oder 80 000 Euro in die Hand nehmen“, sagt Hellmann. Wie teuer oder günstig eine Loge genau ist, lässt der 45-Jährige an dieser Stelle­ ­jedoch offen. Genauso offen ist die Frage, ob sich nach dem „Business-Talk“ auch eine­ ­„Loge Marburger Unternehmen“, gründen wird. Zumindest konnte Hellmann sein Anliegen etwa 100 heimischen Geschäftleuten erklären, die sich am Mittwoch im Congresszentrum der DVAG eingefunden hatten.

„Fußball für alle“

Sportlich sieht es für Eintracht Frankfurt derzeit gut aus. Vor der Partie am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach (17.30 Uhr) liegen die Hessen auf dem 7. Tabellenplatz. Für den Fast-Absteiger der vergangenen Saison ein nicht vorhersehbarer Höhenflug. Mit dem steigenden sportlichen Erfolg kommen natürlich auch mehr Menschen zu den Spielen, was Hellmann zu seinem „derzeitigen Lieblingsthema“ führt. Den Stadionumbau der Commerzbankarena. Eine wichtige Angelegenheit im Hinblick auf eine mögliche Heim-Europameister­schaft im Jahr 2024. Hellmann: „Ich bin sehr sicher, dass Deutschland die EM bekommen wird“. Auch für diesen Fall soll die Stadt Frankfurt als Spielstätte gerüstet sein.

Für Hellmann ist eines beim Thema Umbau aber noch wichtiger: Die Bindung der Menschen­ zum Verein soll weiter gefördert werden. „Wir müssen vor allem die jungen Leute ins Stadion bekommen. In großer Zahl“, sagt Hellmann. Auch deshalb soll der Stehplatz-­Bereich massiv erweitert werden. Von derzeit 9 000 auf dann 18 000, vielleicht sogar 19 000 Plätze, wie Hellmann ausführt. Die Gesamtkapazität läge dann bei über 60 000.

Mehr Stehplätze sorgen für mehr Stimmung und auch die Eintrittspreise blieben bezahlbar, ist sich Hellmann sicher. Die Stimmung im Stadion sei ohnehin jetzt schon hervorragend: „Bei uns besticht die Attraktivität des Umfelds durch die Fans und eben nicht immer durch die Qualität des Fußballs“, sagt Hellmann und erntet einige ­Lacher aus dem Publikum.

Auch wenn es auf dem Platz derzeit etwas unrund läuft (in der Rückrunde erst zwei Siege bei fünf Niederlagen), verzeichnet der Hauptverein derzeit einen großen Mitgliederzuwachs. In den vergangenen acht Wochen gab es 2 500 Neueintritte. Laut Hellmann eine nahezu einmalige Entwicklung. Und auch die Ticket-Nachfrage der Anhängerschaft sei riesig. Die 1 000 Dauerkarten, die jedes Jahr als zusätzliches Kontingent an die Fans vergeben würden, sind meist nach wenigen Minuten vergriffen.  

Andere Klubs, wie zum Beispiel die bereits erwähnten RB Leipzig, hätten zwar eine höhere Kapitalkraft, erklärt Hellmann. Was jedoch nicht vorhanden sei, „sind die sportliche Historie“ und „die Identifikationsfiguren“. Letztgenannte sitzt in diesem Fall sogar neben Hellmann. Uwe Bein, lebende Legende und Weltmeister. Allein der Name verzückt auch heute noch die Fans der Eintracht, denn mit Bein sind große Momente der Vereinsgeschichte verbunden. Die beinahe-Meisterschaft von 1992 zum Beispiel.

In der Fragerunde spricht sich Bein gegen die Einführung des Video-Schiedsrichters aus, lobt das Zusammenwirken von ­Jugend- und Seniorenabteilung der Eintracht und ist zuversichtlich, dass das Team gegen Mönchengladbach auch wieder punkten wird. Axel Hellmann geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich fühle ein Pokalfinale – tief in mir drinnen“, sagt er und bezieht sich damit auf das anstehende DFB-Pokalhalbfinale – ebenfalls gegen Borussia Mönchengladbach.

Für alle Eintracht-Sympathisanten im Raum Marburg gab es dann auch noch eine erfreuliche Nachricht. Axel Hellmann verkündete die Zusage für ein Gastspiel der SGE-Profis in der Universitätsstadt, das noch in diesem Jahr stattfinden soll.

von Dennis Siepmann

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