Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Ehrung für Alexander Pevzner

Erbauer der Marburger Synagoge Ehrung für Alexander Pevzner

„2006 übernahm Alexander Pevzner die Leitung der Sanierungs- und Umbauarbeiten der neuen Synagoge“, erklärte dort Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bei ­einer Feierstunde.

Voriger Artikel
Stadt rät: Buspendelverkehr nutzen
Nächster Artikel
Messerattacke: Täter erhält Bewährung

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (links) überreichte den Landesehrenbrief an Alexander Pevzner.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „In der Rolle wird er wohl für immer unvergesslich bleiben“, sagte Spies.

Für seine­ „Verdienste um die Gemeinschaft“ überreichte das Stadtoberhaupt Pevzner den Landes­ehrenbrief. Der gebürtige Ukrainer sei 1992 nach Marburg gekommen, im Alter von 60 Jahren, sagte Baudirektor Jürgen Rausch, der den Zweiten Stellvertretenden Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde ebenfalls würdigte. Als leitender Ingenieur habe Pevzner in der Stahlindustrie gearbeitet. „Die meisten denken in dem Alter an den verdienten Ruhestand“, sagte Rausch.

Nicht aber Pevzner. Als er mit seiner 13-köpfigen Familie in Marburg ankam, verdoppelte sich die jüdische Gemeinde fast. Zehn Jahre später war die Mitgliederzahl so angewachsen, dass die Räume am Pilgrimstein nicht mehr ausreichten und das Gebäude in der Liebigstraße ­gekauft wurde.

„Innerhalb weniger Monate war der Keller in ansprechende Aufenthaltsräume verwandelt“, erinnerte sich Rausch. Schon als das Haus noch eine Baustelle war, sei die Gemeinde eingezogen. „Pevzner ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ohne ihn wäre die Synagoge nicht das strahlende Gebäude geworden, das sie heute ist.“

Amnon Orbach, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, erklärte, jede Schulklasse, die das Judentum behandle, komme einmal zu Besuch. Und auch für Touristen sei die Synagoge eine wichtige Attraktion geworden.

„Das Haus ist ein Sinnbild für das Gemeinschafts- und Familiengefühl, das es für uns hier immer gegeben hat“, erklärte Enkelin Alexandra Pevzner. Die jüdische Gemeinde habe in Marburg das Zuhause der Familie begründet.

Als Alexander Pevzner in die Stadt kam, sprach er kein Deutsch. „Immigration ist eine riesige Herausforderung für jeden, der das auf sich nimmt“, erklärte er. Sie seien die erste Familie gewesen, die als Kontingentflüchtlinge in den Landkreis gekommen seien. „Nach uns kamen viele mit ähnlichen Problemen hierher.“ Auf dem Sozialamt habe es einen Dolmetschermangel gegeben, und er habe sich als Übersetzer zur Verfügung gestellt. Pevzner sei für Zuwanderer in der jüdischen Gemeinde erster Ansprechpartner gewesen, sagte Spies. Auch sein Engagement in der Sozial- und Integrationsarbeit würdige die Auszeichnung. „Menschen an die Hand zu nehmen trägt viel dazu bei, dass ihr Ankommen erleichtert wird“, erklärte der Oberbürgermeister. „Das würden wir uns öfter wünschen.“

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr