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Drogenhändler: „Endlich ist es vorbei“

Aus dem Landgericht Drogenhändler: „Endlich ist es vorbei“

Von Anfang 2014 bis August 2015 sollen ein heute 29-jähriger Student, der in Dortmund lebt, und ein 28-Jähriger aus Dautphetal in Marburg und Kassel Marihuana und Ecstasy verkauft haben.

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Zwei Drogenhändler müssen sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: dpa

Marburg. Die beiden Angeklagten waren sich aus gemeinsamen Schultagen bekannt.

Alles begann bei einer Schutzhüttenparty Anfang 2014. Dort hatte der 28-Jährige zu vorgerückter Stunde einen Joint rauchen wollen und war auf der Suche nach Marihuana unter den Anwesenden. Als er auf den 29-jährigen Mitangeklagten traf, redeten die beiden darüber, wie nervig es sei, ständig nach Quellen suchen zu müssen und dass diese meistens höchst unzuverlässig seien. Daraus entwickelten sie den Plan, selbst in das Geschäft einzusteigen. Der 29-jährige gebürtige Marburger hatte einen Kontakt, der Marihuana aus Holland nach Deutschland brachte. Doch fehlte ihm das zum Handel nötige Kapital. Der 28-Jährige konnte ihm damit behilflich sein.

Die Bestellungen liefen laut Anklage stets nach einem Muster ab. Die Angeklagten bestellten beim heute 46-jährigen gelernten Koch, der für seine Beteiligungen an vielen Drogengeschäften in der Justizvollzugsanstalt Geldern in Haft sitzt und als Zeuge gehört wurde. Der Kontakt lief dabei über ein Handy mit Prepaid-Karte ab, das ausschließlich für die Verabredung des Geschäfts benutzt wurde. Der ständige Wechsel der Karte und die seltene Nutzung sollten es erschweren, das Handy zu orten oder die Gespräche abzuhören. Dabei wurden auch Synonyme verwendet: Grüne Leisten standen für Marihuana, Quadratmeter für die Menge in Gramm, Laminat für niedrige und Parkett für hohe Qualität.

Ihr Kontaktmann lieferte im Frühjahr 2014 ein Kilogramm Marihuana im Wert von 4 700 Euro nach Winterberg oder Marburg, wo die Übergaben am Bahnhof oder in einem Hotel stattfanden. Dort angekommen, bezahlten die beiden Angeklagten den Boten und teilten die Ware untereinander auf. Der 28-Jährige nahm etwa 200 Gramm für seinen Eigenbedarf und auch, um etwas davon an befreundete Konsumenten zu zehn Euro pro Gramm weiterzuverkaufen. Den Rest übernahm der andere Angeklagte und fuhr damit in seine Wohnung nach Kassel. Dort angekommen, verkaufte er das Marihuana weiter an Großabnehmer, von denen er 6,50 Euro pro Gramm verlangte. Den Gewinn teilten die beiden untereinander auf. Alle zwei Monate wurde eine Bestellung geliefert und da das Geschäft gut lief, bestellten die Angeklagten ab der vierten Lieferung zwei Kilogramm ­Marihuana.

Kurier wird bei Autopanne von Polizei verhaftet

Doch im Sommer 2015 ­geschieht das Unerwartete. Ein Kurier aus Holland erleidet auf dem Weg zum Komplizen der Angeklagten eine Panne und wird am Straßenrand stehend von der Polizei bemerkt. Die ­Beamten finden das Marihuana und beginnen ihre Ermittlungen. Sehr schnell wird der Kontaktmann der Marburger ausfindig gemacht und in Untersuchungshaft dazu überredet, die beiden Angeklagten anzurufen und eine Falle zu stellen. Er verabredet sich mit dem 28-Jährigen zu einer Übergabe am Marburger Bahnhof. Er will mit dem Zug kommen.

Der Angeklagte wartet in der Nähe des Ortenbergstegs, während die Polizei ihn und die Umgebung fest im Blick hat. Als der Zug hält, macht sich der Angeklagte auf den Weg nach unten. Doch der erwartete Bote steigt nicht aus und der Zug fährt wieder aus dem Bahnhof. Als er sich wieder auf den Weg zu seinem Auto macht, benutzt der Angeklagte das mittlerweile von der Polizei abgehörte Handy, doch er erreicht niemand. Als er dann wieder am Ortenbergsteg ist, kommen zwei Zivilpolizisten auf ihn zu und nehmen ihn ­widerstandslos fest.

Der Angeklagte sei gerade zu erleichtert gewesen, sagte einer der Beamten aus. „Endlich ist es vorbei“, soll er gesagt haben. In der anschließenden Vernehmung gesteht der Angeklagte aus Dautphetal umfassend. Er nennt Namen, Preise, Orte und die Vorgehensweise. Durch diese Informationen kommt es zu einer Wohnungsdurchsuchung bei dem Mitangeklagten in Kassel und später zu dessen Verhaftung.

Auch die Wohnung des 28-Jährigen wird durchsucht, ebenso­ die seiner Mutter. Er hatte der Polizei erzählt, dass er im Dachboden einen Koffer aufbewahrt, in dem sich 7 000 Euro Bargeld befindet, das aus dem Drogenverkauf stammt. Er gibt aber auch an, den Handel lediglich zur Ermöglichung seines Eigen­konsums bestritten und nur gelegentlich geringe Mengen an befreundete Konsumenten weiterverkauft zu haben. Den Großteil des Marihuana habe der Mitangeklagte verkauft.

Der Prozess wird fortgesetzt. Es sind sechs ­Verhandlungstage vorgesehen.

von Michael Noll

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