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Die Uhr tickt ...

Escape-Room in Marburg Die Uhr tickt ...

Die Tür ist zu, die Zeit läuft - jetzt heißt es einen kühlen Kopf bewahren und logisch denken. Der Scarabaeus, die Zeichen an den Wänden - wie passt das alles zusammen? Tick, tack, tick, tack ...

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„The Key Marburg“: Das sind Maria Link (von links), ihr Bruder Matthias Link und Stephanie Kaib. Das Trio hat in Eigenregie den ersten „Escape-Room“ in Marburg eröffnet.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Flackernd dumpfes Licht, als würden tatsächlich echte Fackeln in dem kleinen Raum lodern. Dazu eine unheilvolle Melodie im Hintergrund. Wir schauen uns um. Betrachten die verschiedenen ägyptischen Figuren. Die Zeichnungen an den Wänden. Wir suchen nach Anhaltspunkten, um die Rätselfolge in Gang zu bringen. Denn soviel ist klar: Wir haben nur eine Stunde Zeit, um aus der Grabkammer des Pharaos zu gelangen. Alle fühlen die Schläge des Sekundenzeigers. Tick, tack, tick, tack ...

Nach anfänglicher Zurückhaltung kommt zusehends Unruhe in unsere Gruppe. Vielleicht gibt es ja versteckte Hinweise an den Skulpturen? Mist - da ist nichts.

Matthias Link, seine Schwester Maria und Stephanie Kaib beobachten die Szenerie. Das Bild der Überwachungskameras zeigt, wie wir planlos durch den Raum wimmeln: Fünf Zeitungsmenschen, die schon beim allerersten Rätsel die Hilfe der Spielleiter benötigen. Matthias Link hat schließlich ein Einsehen und schaltet sein Mikro an. Über die Lautsprecher gibt er uns einen Tipp.

Und soviel sei gesagt: Schon die erste kleine Lösung von vielen folgenden Rätseln zeigt die technischen Finessen, die das Trio in dem unscheinbar anmutenden Raum verbaut hat. Schließlich springt eine Klappe auf und wir finden eine beschriebene Holztafel mit dem nächsten Rätsel um den „Fluch des Ra“. Tick, tack, tick, tack ...

Eine Welt, die aus der Zeit gefallen ist

Nach sieben Monaten Umbauphase, von denen das Trio fast vier Monate für die eigentliche Spielstätte benötigte, haben sie ihr Wunschprojekt nun unter dem Namen „The Key“ in einem Nebengebäude am Hauptbahnhof zum Leben erweckt. „Wir wollten etwas schaffen, das wie aus der Zeit gefallen wirkt. Eine andere Welt, in der man den Alltag mal vergessen kann“, sagt Stefanie Kaib über den ersten Raum innerhalb von „The Key“.

Sogenannte Escape-Spiele (deutsch: entkommen, fliehen) schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Als Beispiel lässt sich Hamburg anführen, wo es mittlerweile elf Anbieter für die neuartige Freizeitgestaltung gibt. Fast allen ist gleich - so auch der Marburger Version - dass zwei bis sechs Mitspieler versuchen, innerhalb einer vorgegebenen Zeit aus den individuell gestalteten Räumen zu entkommen.

Natürlich ist die Tür nicht wirklich verschlossen - das ist vonseiten des Gesetzgebers auch gar nicht gestattet, erklärt Matthias Link. Aber irgendwie gehört das Gefühl des Eingeschlossenseins einfach zum Spieleerlebnis: Bevor das große rote Licht über der Ausgangstür, das den Körper eines Scarabaeus-Käfer bildet, nicht auf grün springt, bleibt die Grabkammer verschlossen.

Unser Team merkt schnell, dass die kniffligen Rätsel nur zu lösen sind, wenn sich alle an der Diskussion über eventuelle Lösungswege beteiligen. „Am besten funktionieren möglichst gemischte Gruppen“, sagt Maria Link. Gemischt bedeutet in diesem Fall, dass logisch-kombinatorisch denkende Menschen mit solchen Spielern zusammenkommen, die eher intuitiv handeln und Dinge einfach ausprobieren.

Zeitungsteam benötigt Tipps

Deswegen sei das Escape-Spiel auch hervorragend geeignet, um das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Arbeitsgemeischaft zu fördern, weil jeder seine persönlichen Stärken einsetzen kann, erklärt Matthias Link. Der studierte Archäologe kümmert sich innerhalb des „The Key“-Teams um die technischen Spielereien. Denn in der Grabkammer funktioniert fast alles elektronisch. Die Kameras und Mikros, mit denen die Spielleiter das Treiben im Raum überwachen, sind nur eine Komponente. Daneben kommen weitere Sensoren und Mechanismen zum Einsatz, die an dieser Stelle aber nicht verraten werden.

Unser „Zeitungsteam“ kommt zwischenzeitlich gut voran, benötigt dann aber doch wieder einige Tipps der „Überwachenden“.

Mit diesen Hinweisen, vielen mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen und einer guten Portion Glück, schaffen wir es dann tatsächlich nach 55 Minuten noch ganz knapp innerhalb der Stundengrenze aus dem Raum. Der Rekord einer Gruppe liegt übrigens bei 39 Minuten - ganz ohne Tipps der Spielleiter.

Die Idee für einen eigenen „Escape-Room“ kam den drei Freunden, nachdem sie selbst einige Anbieter ausprobiert hatten. „Wichtig war uns aber von Anfang an, das alles von uns stammt“, sagt Maria Link und meint damit nicht nur die Technik, Dekoration und Aufbau des Raumes, sondern auch die Spiele-­Idee an sich: die Rätsel. Deshalb gab es einige Probeläufe mit Freunden, um zu testen, was für das „Computerspiel in echt“ funktioniert und was eben nicht.

Das Trio plant in naher Zukunft, weitere „Flucht-Räume“ in ihrem jetzigen Domizil zu eröffnen. Wenn es um die Themenwelt geht, lassen sich „The Key“ jedoch noch nicht in die Karten schauen: „Das bleibt noch ein Geheimnis“, sagt Matthias Link.

von Dennis Siepmann

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