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Die Narren ziehen ins Rathaus ein

Karneval in Marburg Die Narren ziehen ins Rathaus ein

Das Marburger Prinzenpaar hat am Samstag das Rathaus erstürmt und die Regierung der Stadt übernommen. Dabei forderten sie den Umbau des Flüchtlingscamps in Cappel und des Erwin-Piscator-Hauses.

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Sie haben sich den Karnevalisten ergeben: Die Mädchen der Tanzgarde geleiten OB Dr. Thomas Spies, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach aus dem Rathaus.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Die Weidenhäuser Bürgergarde marschierte zur Verteidigung des Rathauses auf. Und auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach verteidigten ihre politische Arbeit wacker mit Worten. Gegen die Übermacht von Prinz Thorsten I. und Prinzessin Manuela II. samt deren karnevalistischem Gefolge konnten sie jedoch nichts ausrichten.

Während die Marburger Narren das Rathaus mit Konfetti-Kanonaden unter Beschuss nahmen, forderten das Prinzenpaar und Markus Braun, Präsident des Festausschusses Marburger Karneval (FMK), dass die Karnevalisten in der nächsten Kampagne das Erwin-Piscator-Haus kostenlos nutzen dürfen – für die Weiberfastnacht und den Kinderfasching. Die Weiberfastnacht fand auch dieses Jahr wieder in der Marbach statt, da die Nutzungsgebühren im Erwin-Piscator-Haus den Karnevalisten zu hoch waren. „Die Bedingungen sind für alle gleich, das ändert sich auch nicht in der Narrenzeit“, wies der OB die Forderung zurück.

Stadthalle soll wieder Flair der 70er-Jahre bekommen

Außerdem solle das Gebäude wieder umgebaut werden und „die gemütliche Flokati-Atmosphäre der 70er-Jahre“ zurückbekommen. „Das ist immer noch besser als die kahlen Betonwände“, rief Braun. Um das zu finanzieren, sollten „der schwarze Bambi und der schwarze Wieland ihren schwarzen Seelen und der CDU einen Ruck geben, um den roten Tommy endlich aus seiner misslichen Finanzlage zu befreien“. Und trotz aller Kürzungen im städtischen Haushalt wollen die Narren eine halbe Geschäftsführerstelle bezahlt bekommen. Denn: „Karneval ist Kultur!“ Und der Marburger Karneval vereine Menschen aller Kulturen und gesellschaftlichen Schichten.

Umgebaut werden solle auf Wunsch des Prinzen auch das Flüchtlingscamp in Cappel – zu einem Fastnachtscampus, wo die Narren leben und Tänze einstudieren können. Das wollte Kahle gerne der Landesregierung vorschlagen. Er lobte auch die gesundheitsfördernde Qualität des Wassers in der Lahn, nachdem die Narren den Magistrat zum Baden aufforderten – natürlich dort, wo das Toilettenhäuschen falsch angeschlossen und das Abwasser in die Lahn geleitet wurde.

Karnevalisten plädieren für große närrische Koalition

Neben den Finanzen machten die Karnevalisten natürlich auch die politische Situation zum Thema: „Was die Rathaus-Narren in einem Jahr noch nicht hinbekommen haben, werden wir schaffen: eine große Koalition aus FMK, Marburger Funkenkorps, Afföllergemeinde und Weidenhäuser Bürgergarde“, proklamierte das Prinzenpaar. „Koalieren macht nicht immer Sinn“, erwiderte Spies, erklärte aber dennoch die Kapitulation.

Der Magistrat ließ sich von den Mädchen der Tanzgarde hinausführen, wo der OB, die weiße Fahne schwenkend, schließlich den goldenen Schlüssel für das Rathaus an das Prinzenpaar übergab. Das hat direkt am Schreibtisch des OB Platz genommen – um bis Aschermittwoch die Stadt fest im Griff zu haben.

von Patricia Grähling

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