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Verständnis aufbringen, Hilfe leisten

Demenz Verständnis aufbringen, Hilfe leisten

Eine bessere Integration demenzkranker Menschen in der Gesellschaft – das war im Historischen Rathaussaal Thema einer Podiumsdiskussion des Netzwerks Marburger ­Allianz für Menschen mit Demenz.

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Auf dem Podium diskutierten Sybille Schwabe (von links), Patrick Schönweitz, Nadine Sisamci, Christoph Rau, Stefan Roales-Welsch und Annett Adler.

Quelle: Lothar Wolf

Marburg. Während der Veranstaltung unterschrieben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Netzwerkkoordinatorin Annett Adler den Esslinger Aufruf. Die Erklärung setzt sich für die Rechte von Menschen mit Demenz ein.

Spies betonte in seinem Grußwort die Verantwortung eines jeden in der Gesellschaft, damit Menschen mit Demenz so lange wie möglich am Gemeinwesen teilhaben können – denn das sei deren gutes Recht. Viele Menschen fühlten sich im Umgang mit Dementen überfordert oder bekämen Angst. Da könne es helfen, sich einfach mal in ­einen Menschen hineinzudenken, der gerade nicht versteht, was um ihn herum geschieht.

Wie das in der Praxis aussehen kann, darum ging es in der anschließenden Podiumsdiskussion. Sybille Schwabe und Patrick Schönweitz von der Rewe-Gruppe, Friseurmeisterin Nadine Sisamci vom Friseursalon Haaribo, Christoph Rau, zuständig für den öffentlichen Personennahverkehr  bei den Stadtwerken und Stefan Roales-Welsch als Organisationsentwickler am Uniklinikum Gießen und Marburg erörterten, welche Erfahrungen mit Demenz sie in ihrem Arbeitsalltag machen und wie man Betroffenen angemessen begegnen kann.

Zwischen den Gesprächsrunden auf dem Podium war immer wieder das Publikum gefordert, sich mit Fragen, Vorschlägen oder Meinungsäußerungen in die Diskussion einzubringen. Als Anregung für die Debatte diente ein Schulungsfilm der Rewe-Gruppe über den konstruktiven Umgang mit dementen Kunden.

Am Ende der Veranstaltung herrschte Einigkeit: Schulungen des Personals, etwa in Supermärkten, Krankenhäusern oder in den Bussen der Stadtwerke, wo ein entsprechendes Pilotprojekt stattfand, sind wichtig, reichen allein aber nicht aus.

Um Demenzkranke und ihren Angehörigen einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu sichern, kommt es auf alle an. Man dürfe die Zuständigkeit für Menschen mit Demenz nicht auf Angestellte oder Angehörige abschieben. In einer funktionierenden Gemeinschaft müsse vielmehr jeder bereit sein, Verständnis aufzubringen und Hilfe zu leisten, wo sie benötigt wird.

von Lothar Wolf

Hintergrund: Esslinger Aufruf

Der Esslinger Aufruf für ein besseres Leben mit Demenz wurde in der baden-württembergischen Stadt am Necker 2008 beschlossen und gilt seitdem als Vorreiter in der kommunalen Unterstützung von Menschen mit Demenz. Er wird von Kommunen in allen 16 Bundesländern unterstützt.

„Unser Ziel ist die demenzfreundliche Kommune, in der wir uns als Gesellschaft Mühe geben, die Sicht von an Demenz erkrankten Menschen zu verstehen und in der wir sie dabei unterstützen, am gesellschaftlichen Leben, so weit es geht, teilzuhaben“, erklärte Oberbürgermeister Spies das Ziel der Stadt Marburg. „Wir wollen, dass an Demenz erkrankte Menschen möglichst lange zu Hause bleiben können und in der Mitte der Gesellschaft leben“, betonte Marburgs Stadtoberhaupt. Es sei das gute Recht jedes und jeder Einzelnen, „dass sich unsere Gemeinschaft auf ihn oder sie einlässt – das ist Inklusion“, betonte Spies.

Annett Adler von der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz erklärte: „Wir verfügen in Marburg bereits jetzt über ein starkes Netzwerk an kommunalen Akteuren, sozialen Initiativen und verantwortungsbewussten Unternehmen, die gemeinsam die Situation von Menschen mit Demenz verbessern wollen.“

Diese Netzwerkarbeit solle mit der Unterzeichnung des Esslinger Aufrufs noch weiter gestärkt werden betonte Annett Adler.

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