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Das Tor zu einer anderen Welt

Influencer Das Tor zu einer anderen Welt

Wenn sie nicht gerade an ihrem Schreibtisch sitzt und lernt, dann steht sie vor der Kamera. Die Gruppe derer, die ihre Fotos bewundern, ist groß. Fast 4 000 „Freunde“ nehmen an ihrem Leben teil. 

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Knapp 4 000 Menschen schauen sich die Bilder von Kristina Zip auf Instagram an.

Quelle: Privatfotos

Marburg. Sie streicht mit einem Finger über das Display ihres Smartphones. Die Bewegung öffnet das Tor zu einer anderen Welt. Diese Welt ist fast perfekt. Hier gibt es keine Kritik, keinen Hass. Hier sprechen die Filter und Farben der Fotos eine wunderschöne Sprache. Anerkennung wird in Form von virtuellen Herzchen gezeigt. In dieser Welt, der Welt der inszenierten Momentaufnahmen, heißt sie Kristina Zip.

Auf den Bildern schaut sie mal verträumt durch eine Designerbrille, mal ernsthaft in Schwarz-Weiß vor einem dunklen Hintergrund. Im „Real-Life“, wie sie das Leben außerhalb der Netz-Profile nennt, ist Kristina Informatik-Studentin. „Ich mag diese Gegensätze“, sagt sie: „Eben Dinge, die die Leute nicht unbedingt von mir erwarten“. Und ja: Ihr Auftritt auf der Online-Plattform Instagram lässt eher auf professionelle Model-Agentur schließen als auf Marburger Studenten-WG.

Angefangen hat alles vor etwa drei Jahren. Mit einer alten Kamera macht sie Fotos von sich und stellt sie ins Netz. Nach und nach folgen ihr mehr Instagram-Nutzer. Das Profil Kristina Zip wird immer häufiger aufgerufen. Heute hat sie fast 4.000 „Follower“ – die junge Frau gilt damit als Influencer (Begriffserklärung unten im Kasten). Sie selbst sagt dazu: „Ich finde es supercool, mit fremden Leuten zu kommunizieren und immer wieder neue Freunde zu finden.“

Ein doppelter Gewinn

Von den meisten dieser Netz-Bekanntschaften kennt die 19-Jährige zunächst natürlich nur die eingestellten Profile. Unter diesen tummeln sich aber nicht nur Privatleute, die Kontakte suchen und sich an den Bildern erfreuen, sondern auch Unternehmen und Fotografen. Die Welt der schönen Bilder ist zum Beispiel ein perfekter Platz für Modefirmen, denn hier können sie ihre Produkte unterbringen, ohne für teures Geld eine Modelagentur zu beauftragen.

Die Werbung für die Unternehmen ist subtil – manchmal ist es der Schriftzug auf der Kleidung der Influencer. Manchmal nur ein Hashtag – also ein Schlagwort, das mittels des Rautenzeichens als potentieller Suchbegriff dient –, das einen Hinweis darüber gibt, woher die Pullis, Hosen, Schuhe oder Brillen auf den Bildern stammen.

Für Kristina Zip ist das Influencer-Dasein eine „Win-win“-Situation. Sie bekommt Kleidung kostenlos von den Modelabels zugesendet und kann sich mit dieser von einem professionellen Fotografen ablichten lassen. Ihre „Fan-Gemeinschaft“ wird hierdurch immer weiter mit neuen Bildern versorgt.

 Etwas Negatives gab es bisher noch nicht

Die Fotografen lernt Kristina Zip ebenfalls über Instagram kennen. „Erst schreibt man sich, und dann hat man irgendwann ein ,Meetup‘“, sagt die 19-Jährige. Meetup bedeutet, dass sich Fotograf und Model für gemeinsame Aufnahmen treffen. Ob es auch mal unseriöse Anfragen gegeben habe? „Bisher kamen nur coole Leute auf mich zu.“ Außerdem würde sich ja schon beim Schreiben zeigen, ob man auf einer Wellenlänge liege.

Die Produkte seien ebenfalls durchweg gut, weil die Absender schließlich überzeugt von ihren Marken seien und schon allein deswegen keine schlechten Dinge versenden würden, ist sich Kristina Zip sicher. „Wenn ich von etwas überzeugt bin, dann teile ich das auch mit“, sagt sie. Etwas Negatives sei ihr aber bislang nicht untergekommen.  

Indihash: eigene Plattform für Influencer

Das Smartphone ist zwar ihr steter Begleiter, doch Fotos für Instagram mache sie während des laufenden Semesters höchstens einmal pro Woche. Abseits der Uni spiele noch ihre Nebentätigkeit als Fitnesstrainerin eine wichtige Rolle in ihrem Alltag.

Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Plattform speziell für Influencer: Indihash. Dort können sich Nutzer, die genügend Follower haben, anmelden. An der Anzahl der Follower werden die Influencer kategorisiert und bekommen für ihre „Präsentationen“ einen bestimmten Satz ausbezahlt. Zu den dort vertretenen Marken gehören unter anderem McDonalds, die Deutsche Bahn und Milka.

Und was ist, wenn die Möglichkeit bestünde, den Lebensunterhalt zukünftig komplett mit der Tätigkeit als Influencer zu bestreiten? „Prinzipiell hätte ich nichts dagegen, damit auch mein Geld zu verdienen“, sagt Kristina Zip.

von Dennis Siepmann

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