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„Das Kleinreden muss endlich aufhören“

Gewalt am Erlenring „Das Kleinreden muss endlich aufhören“

Die Massenschlägerei an den Lahnterrassen facht die schwelende Sicherheitsdebatte in Marburg-Mitte erneut an. Der Gewaltausbruch fällt mitten in Überlegungen einer Videoüberwachung des Erlenrings.

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Im Gebiet Erlenring, Lahnterrassen und Innenstadt-Mensa klagen viele über die angespannte ­Sicherheitslage. Eine Idee: Videoüberwachung.

Quelle: Thorsten Richter / Susann Prautsch

Marburg. „Das Kleinreden der existierenden Probleme muss endlich aufhören“, sagt Jens Seipp, CDU-Sicherheitspolitiker auf OP-Anfrage. „Wenigstens über temporäre Videoüberwachung an sensiblen Bereichen der Stadt wird man jetzt nachdenken müssen, etwa während Großveranstaltungen wie der Innenstadtkirmes.“ Grundsätzlich bedürfe es einer höheren Polizei- und Ordnungsamtspräsenz in Marburg-Mitte, um Gewaltausbrüche zu verhindern. „Denn selbst wenn, wie jetzt, noch so schnell auf Alarmierungen reagiert wird, fühlt sich für Betroffene und Zeugen eine Minute wie eine Stunde an.“

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sieht das ähnlich. „Die Sicherheit in der Stadt und die Beseitigung von Angsträumen für unsere Bürger muss unabhängig von diesem Vorfall ganz oben stehen“, sagt der neue ­Sicherheits-Dezernent. Es müsse nun auch über den Einsatz von Sicherheitskräften für zusätzliche Abend- und Nachtstunden gesprochen werden.

Das Studentenwerk zeigt sich ebenfalls besorgt um die aktuelle Sicherheitslage rund um den Erlenring. „Das ist natürlich in diesem Ausmaß ein erschreckendes Ereignis. Wir beobachten schon seit längerem mit Sorge, dass sich rund um die Mensa Erlenring vor allem abends ein Klima ausbreitet, das letztlich in solchen Vorfälle eskaliert“, sagt Franziska Busch, Studentenwerks-Sprecherin. Neben Vandalismus, Vermüllung, Alkoholexzessen und verbalen Entgleisungen hätten sich in letzter Zeit „Drogenhandel, Gewalteskalation und Diebstahlsdelikte vermehrt“.

Polizei im Ortsbeirat: „Lage ist unter Kontrolle“

Immer häufiger sei man auf die Hilfe der Polizei angewiesen gewesen, zuletzt diskutierte man intern angesichts zunehmender Probleme und zum Schutz der Abendessens-Kunden eine Einzäunung der Erlenring-Mensa.

Allerdings sind Videoüberwachungs-Forderungen, die zuletzt der Weidenhäuser Ortsvorsteher Wolfgang Grundmann (SPD) mit dem Hinweis auf den Erlenring als Kriminalitätsschwerpunkt forcierte,  nach einer Anhörung von Polizei und Ordnungsamt im Ortsbeirat verworfen wurden. „Die Lage dort ist unter Kontrolle“, sagte Gerhard Keller, Leiter der Polizeidirektion während der Gremiumssitzung und verwies auf Unterschiede zwischen empfundenem Sicher­heitsgefühl und objektiver ­Sicherheit.

Grundsätzlich heißt es von den Sicherheitsbehörden: Videoüberwachung könne Straftaten nicht direkt eindämmen, die Kriminalität würde sich dann an einen anderen Ort verlagern. Um das subjektive ­Sicherheitsgefühl rund um die Lahntreppen zu verstärken, soll ein ähnlicher Weg wie vor zehn Jahren eingeschlagen werden: Alkoholverkauf beschränken, Sozialarbeiter einsetzen – und verstärkt Lichtquellen schaffen, um das Gebiet zu erleuchten.

Die Polizei führte das Gebiet jahrelang als Sonderbereich „Marktdreieck“ in der Kriminalstatistik. Nach einem kontinuierlichen Anstieg von Delikten zwischen 2008 und 2012 war diese Zahl danach gesunken.

von Björn Wisker

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Müll, Lärm, Kriminalität: Die Lahnterrassen und der Erlenring sind wieder in den Fokus der Kommunalpolitik gerückt. Archivfoto

Der Ortsbeirat Weidenhausen sucht nach Lösungen, um das Gebiet rund um die Lahnterrassen ­sicherer zu machen. Ein Alkohol-Verkaufsverbot wird wahrscheinlicher - und mehr Licht soll die Probleme eindämmen.

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