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„Das Geld liegt auf der Straße“

Stipendien für Studierende „Das Geld liegt auf der Straße“

Wer glaubt, Stipendien seien nur etwas für Hochbegabte, irrt sich. Ob für gute Laune, außergewöhnliche Hobbys oder exotische Lebensläufe – wer richtig sucht, findet auch etwas für sich.

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„Stipendien sollten auch für die Masse zugänglich sein“, findet Dr. Mira Maier von der Internetsuchmaschine „mystipendium.de“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Monatelang schiebt man die Arbeit vor sich her, doch dann steht sie vor der Tür: die Klausurenphase. In der größtmöglichen Stresssituation wird den Studierenden schlagartig bewusst, dass doch alles etwas viel für sie ist. Hier einmal einen Abend feiern gehen, dort einmal im Verein ehrenamtlich helfen – die Fülle der Hobbys beeinträchtigt nicht selten die Zeit, die ein Studierender für sein Studium aufbringt.

Wenn dann auch noch die finanzielle Hilfe vom Elternhaus ausbleibt und ein Nebenjob nötig wird, stößt der Studierende an seine Grenzen. Ein Stipendium wäre jetzt gut. Doch ist das nicht nur etwas für Hochbegabte oder besonders Bedürftige? Falsch gedacht, sagt Dr. Mira Maier. „Das ist ein Problem in Deutschland, dass Stipendien nur mit Hochbegabung assoziiert werden“, sagt die Gründerin der Internet-Suchmaschine „mystipendium.de“. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit diesem Vorurteil aufzuräumen.“

Internetseite hilft bei der Suche nach Stipendien

Außergewöhnliche Hobbys, exotische Lebensläufe oder nur ein lebensfrohes Gemüt – all dies kann mit einem Stipendium belohnt werden. „Stipendien sollten auch für die Masse zugänglich sein“, findet Dr. Maier. Denn immer noch seien insbesondere Frauen und Menschen aus Nicht-Akademikerfamilien sowie Studierende mit Migrationshintergrund bei der Vergabe von Stipendien benachteiligt.

„Die Gründe dafür können wir nur mutmaßen. Was wir aber messen können, ist, dass sich Menschen aus diesen Gruppen seltener für Stipendien bewerben und dabei weniger Erfolg haben“, erklärt die Sozialunternehmerin (Privatfoto). Schuld daran sei geringes Selbstbewusstsein sowie fehlende Unterstützung bei der Bewerbung durch die Familie.

Um dem entgegenzuwirken hat sie die unterschiedlichsten Stipendien in ihrer Suchmaschine gesammelt und zusätzlich mit Partnern eigene Stipendien vergeben. Darunter auch Programme ausdrücklich für Durchschnittsstudenten oder für Studierende mit schlechten Noten. Allein etwas Kreativität ist gefragt – und die Mühe, sich für das Stipendium zu bewerben.

Stiftungen wünschen sich mehr Bewerber

Wer genau hinschaut, findet auch das passende Stipendium für sich, sagt Dr. Maier. „90 Prozent bewerben sich auf ein Prozent der Stipendien. Das Geld liegt auf der Straße, aber keiner hebt es auf.“ Deshalb läge die Erfolgsquote der Bewerbungen auch lediglich bei 40 Prozent. „Teilweise rufen die Stiftungen das Geld gar nicht ab, weil sich niemand dafür bewirbt“, sagt Dr. Maier.

Dabei gäbe es Stiftungen, die nicht nur auf die Studierenden spezialisiert seien, sondern auch auf deren Studienabschnitte. „Man kann auch ein Stipendium für einzelne Seminararbeiten oder Auslandsreisen erhalten. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt“, sagt Dr. Maier.

Neben den bekannten Programmen wie der „Studienstiftung des deutschen Volkes“ gibt es auch einzelne Programme, die die verschiedenen Geschlechter, Glaubensrichtungen, Lebensläufe oder auch Hochschulen unterstützen. Bei der Breite von Stipendien lassen sich auch durchaus kuriose Programme finden. So sponsert die Emilie-Porzersche-Stiftung „bedürftige Töchter bayerischer Beamter“, die Anni-Eisler-Lehmann-Stiftung die „Gesangsausbildung jüdischer Studentinnen und Studenten in Mainz“ und die Ikea-Stiftung „Abschlussarbeiten auf dem Gebiet des Wohnens und der Wohnraumkultur im weitesten Sinne“.

Stipendien

Die Anzahl von Stipendien für Studierende in Deutschland ist immens. Allein die Suchmaschine „mystipendium.de“ vermittelt rund 2 300 Stipendien im Wert von knapp 610 Millionen Euro. Neben der Anzahl ist auch die Auswahl an Stipendien groß. Ein genauer Blick auf das Angebot lohnt sich. „Die Erfolgsquote bei kleineren, unbekannteren Stipendien ist deutlich größer“, rät die Ökonomin Dr. Mira Maier. Neben ihrer Seite „mystipendium.de“ gibt es auch weitere Suchmaschinen im Internet.

Auch in Marburg gibt es Geldgeber, die sich speziell um Studierende der Philipps-Universität kümmern. Einer davon ist die Dr. Wolffsche Stiftung. „Um von uns gefördert zu werden, muss man in Marburg immatrikuliert sein und Bedürftigkeit nachweisen“, stellt Rainer Staege klar, der den Posten des „Zinsmeisters“ innehat.

Er selbst bezeichnet sich hingegen als Vorsitzender. „Zinsmeister“ ist noch ein Relikt von früher, ein anderes, den evangelischen Glauben, gibt es hingegen nicht mehr. „Wir haben das etwas aufgelockert. Wir schauen eher auf das soziale Engagement der Bewerber“, sagt Staege. Neben der finanziellen Stipendien, die monatlich bis zu 300 Euro betragen können, vergibt die Dr. Wolffsche Stiftung auch Wohnungen für Studierende mit Kind.

Zwischen fünf und acht Bewerbern werden im Schnitt jährlich finanziell unterstützt. Von Medizinern bis Politologen sind alle Fachbereiche dabei vertreten. „Unser Budget ist zwar begrenzt, aber die Zahl der Bewerber könnte etwas höher sein“, sagt Staege. Etwa zehn Bewerbungen gehen jährlich ein. Die Erfolgsquote ist hier bislang also deutlich höher.

von Tobias Kunz

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