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„Da, wo ich wohne, will ich bleiben“

Gemeinschaftliches Wohnen „Da, wo ich wohne, will ich bleiben“

Ob alt oder jung, mit oder ohne Behinderung, als Single, Paar oder alleinerziehend – zunehmend mehr Menschen wünschen sich Formen gemeinschaftlichen Wohnens jenseits des traditionellen Familienverbundes.

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Mehrere Gruppen und Personen kamen auf einem „Marktplatz der Wohnprojekte“ mit Gleichgesinnten ins Gespräch.

Quelle: Melanie Weiershäuser

Marburg. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf und die Universitätsstadt Marburg richteten in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Marburg-Biedenkopf den ersten Projekttag „Gemeinschaftlich Wohnen“ aus. Die Veranstaltung fand im Landratsamt in Cappel statt. Auf dem Programm standen Vorträge und der gegenseitige Austausch sowie viele Informationen über unterschiedliche Wohnprojekte.

„Da, wo ich wohne, will ich bleiben und mein Leben selbst gestalten“, sagte Landrätin Kirsten Fründt (SPD) in ihrer Begrüßungsrede. Besonders freue sie sich, dass so viele Organisationen sich engagieren, ebenso wie die Städte und Gemeinden. Unterschiedliche Wohnformen seien der neue Trend, wie beispielsweise das Mehrgenerationenhaus. „Der erste Projekttag zeigt schon eine sehr gute Vernetzung.“ Daraus könne man lernen, neue Projekte entwickeln und sehen wo eventuelle „Stolpersteine“ sind.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind eine Form miteinander zu wohnen, die aus der Veränderung unserer Gesellschaft herrührt. Das Bewusstsein für eine gemeinsame Verantwortung ist heute besonders wichtig. In Würde älter werden soll für jeden Menschen möglich sein. Aufgrund des demografischen Wandels ändern sich die Familienstrukturen. Kinder ziehen weg, viele Menschen leben alleine. Aufgaben, die eigentlich eine Familie übernimmt, werden heute vom sozialen Umfeld, Freunden, Nachbarn oder einer Leih-Oma übernommen. Der Zusammenschluss in einer der Formen des gemeinschaftlichen Wohnens könnte dabei einen wichtigen Beitrag leisten, sich gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein.

Gegen die Vereinsamung von alten Menschen

Rolf Novy-Huy von der Stiftung „Trias“ referierte über das Thema „Von der Idee zur (Rechts-)Form“. Initiativen, die bereits Projekte umgesetzt haben oder auf dem Weg dorthin sind, gaben auf dem Podium „Von der Idee zur Umsetzung“ Einblicke in ihre Motivation: Renate Wahl (Wohngruppe „unterm Dach“, Frankfurt), Bürgermeister Bernd Schmidt (Dautphetal), Jürgen Junghans (Alte Kelterei Arnshain) und Alois Wilhelm (Wohnen für Generationen, Marburg) berichteten von den Hürden, die zu überwinden seien, und sprachen über wichtige Faktoren für das Gelingen gemeinschaftlicher Wohnprojekte.

Der Kasseler Architekt Christoph Harney leitete einen Architektur-Workshop zum Thema „Vom Hof zum Gemeinschaftsprojekt“. Ein Experte der Sparkasse informierte über verschiedene Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten für selbstorganisierte Wohnprojekte.

Unter dem Stichwort „Gemeinschaftlich Wohnen“ finden sich Menschen in ganz Deutschland in selbstorganisierten Wohnprojekten zusammen – oft generationenübergreifend, in unterschiedlichen Rechtsformen. Gemeinschaftliche Wohnformen bieten die Chance für eine neue Form des „miteinander Wohnens“ und „aufeinander Achtens“. Denn gerade auch die alten Menschen müssten so nicht mehr einsam sein. „Vereinsamte alte Menschen sind eher gefährdet, früher zu sterben“, sagte Landrätin Fründt.

Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es bereits eine Vielzahl realisierter Wohnprojekte sowie zahlreiche Initiativgruppen oder Einzelpersonen, die für ihre Ideen Mitstreiter sowie Kooperationspartner suchen. Diese Projekte, Gruppen und Personen präsentierten sich und ihre Ideen auf dem „Marktplatz der Wohnprojekte“, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Ein Ziel des Projekttages sei es auch gewesen, auf die „Vielfalt der Wohnformen“ aufmerksam zu machen und den Aufbau eines Netzwerkes zu fördern. Im Fokus standen selbstorganisierte, nicht trägergebundene Wohnformen.

von Melanie Weiershäuser

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