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Buchstaben, die von Herzen kommen

"Handlettering" Buchstaben, die von Herzen kommen

Sie studiert Jura, doch ihr Lebenstraum ist ein eigenes Café. Kellnerin Çigdem Karaboga (26) liebt es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Menschen wohlfühlen – mit Kaffee und geschwungenen Buchstaben.

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Sonnenschein an einem Tag voller Wolken: Ihren Optimismus drückt Çigdem Karaboga durch ermutigende Botschaften auf den Tafeln des Café Barfuß aus. Ihre schön geschwungenen Buchstaben werben auf einem großen Wandspiegel für die hausgemachte Limonade.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die gerade frisch gestaltete Werbetafel des Café Barfuß verheißt Sonnenschein an einem bewölkten Tag. „So bin ich, eine unverbesserliche Optimistin“, sagt Çigdem Karaboga und kramt einen dicken weißen Kreidestift aus ihrem Mäppchen hervor. Die 26-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren selbst Handlettering beigebracht, die Kunst der schönen Buchstaben. Diese kombiniert sie gekonnt mit gezeichneten Motiven. „Malen, das mach ich, seit ich denken kann, das gehört zu mir.“

Çigdem Karaboga ist Kellnerin im Café Barfuß. So finanziert sie sich ihr Jurastudium, das die gebürtige Darmstädterin mit türkischen Wurzeln vor sieben Jahren nach Marburg führte. „I‘ve got sunshine on a cloudy day. Das ist mein Motto, in diesem Spruch steckt so viel drin“, sagt die 26-Jährige und lächelt. „Dieser Sonnenschein, das können Freunde sein, die dir zuhören, ein guter Kaffee oder ein leckeres Essen in netter Gesellschaft, wenn es ansonsten gerade nicht so gut läuft.“

"Üben, einfach üben"

Die junge Illustratorin wendet sich wieder der Schiefertafel zu. Sie zeichnet zügig, den Kopf tief über die Tafel gebeugt. Eine Blume nach der anderen. Das wirkt, als hätte sie diese Anordnung auswendig gelernt. „Naja, ich habe einfach ein gutes Gedächtnis. Die Anregungen, die ich im Internet finde, präge ich mir ein – und dann geht es los.“ Patzer gibt es aus Sicht der passionierten Schönschreiberin nicht, „wenn ein Schnörkel anders wird als geplant, dann binde ich ihn so ein, dass es wieder passt“.

Ob Blumen oder ­Kaffeetassen: Çigdem­ ­Karaboga zeichnet, was gerade passt. Auf ­einem großen Spiegel werben ­ihre schwungvollen Buchstaben mit einer Ranke aus sattgelben ­Zitronen für die hausgemachte
­Limonade. Man möchte gleich selbst zum Kreidestift greifen und loslegen, so leicht sieht es aus, wenn die Jurastudentin ihre Buchstaben auf die Tafel oder das Papier bringt. Doch hinter diesem Können steckt Training. „Üben, einfach üben“, sagt Çigdem Karaboga. „Das ist so wie in der Grundschule – man lernt jeden Buchstaben ganz neu.“ Die Seiten ihres Skizzenblocks zeugen davon. Seitenweise ABCs. Mal sind die Lettern hoch und schlank, mal klein und knubbelig. Mal ist es Druckschrift, mal Schreibschrift.

"Mal schauen, wie es weitergeht"

Die 26-Jährige schlägt eine weitere Seite ihres Skizzenblocks auf. „Diese Darstellungen nennt man ,Doodles‘“, erklärt sie und zeigt fein säuberlich gezeichnete Tomaten, Bananen, Zitronen, Weinflaschen, Kaffeetassen, Tortenstücke. „Neulich fiel mir im Gespräch mit einem Gast nicht ein, was Lauch auf Englisch heißt  – da habe ich schnell eine Lauchstange aufgemalt.“ 

Çigdem Karabogas Herz schlägt mehr für die Gastronomie und das Handlettering als für Jura. Ihr Studium will sie trotzdem beenden, „na klar, nach all den Jahren will ich doch einen Abschluss haben“. Was die Zukunft angeht, bleibt die 26-Jährige offen. „Mal schauen,­ wie es weitergeht, vielleicht wird ja etwas aus dem eigenen Café“, sagt sie und strahlt. „Darum geht es ja schließlich, man sollte das machen, was man wirklich machen möchte.“

von Carina Becker-Werner

 
Handlettering

Handlettering ist eine moderne Form der Kalligraphie. Seit einigen Jahren wird sie in Magazinen und Büchern vermehrt als Gestaltungselement eingesetzt. Vor allem in Großstädten sieht man die schön geschwungenen Buchstaben, mit denen Cafés und Bars ihre Speisen anpreisen.
Çigdem Karabogas

Tipps fürs Handlettering:

  • Inspiration online: Für Schrifttypen und Doodles gibt es bei Pinterest und Insta­gram zahlreiche Vorlagen.
  • Ausprobieren: Mit Fine­linern oder Filzschreibern und einem einfachen Skizzenblock üben, bevor man sich teures Equipement zulegt.
  • Das Gefühl genießen, das ABC noch einmal neu kennenzulernen – Buchstabe für Buchstabe.
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