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Uni ruft die Jubiläumsdekade aus

500-Jahr-Feier Uni ruft die Jubiläumsdekade aus

In zehn Jahren wird die Philipps-Universität 500 Jahre alt. Der Arbeitskreis Universitätsgeschichte ­bereitet dieses Datum jetzt schon vor.

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Die Geschichte der 1529 gegründeten Hessischen Stipendiatenanstalt erforscht Johanna Pöppelwiehe in einer Doktorarbeit. Auch weitere Promotionsprojekte rund um die Uni-Geschichte sind Bestandteil der Jubiläumsdekade der Universität.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von einer Dekade zur nächsten: Nachdem die „Lutherdekade“ in diesem Jahr mit dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ mit Veranstaltungen und Festakten großflächig abgeschlossen wurde, geht es in der Universitätsstadt Marburg weiter. Denn die Universität ruft ab jetzt die „Jubiläumsdekade“ aus, die in die ­Feiern zum 500-jährigen Bestehen der Philipps-Universität im Jahr 2027 münden soll. Der Auftakt erfolgte im Staatsarchiv.

„Vor 90 Jahren wurde heftig gefeiert“, erinnerte Uni-Vizepräsidentin, Professorin ­Evelyn Korn, an die 400-Jahr-Feier der Uni Marburg im Jahr 1927. Damals wurde als Jubiläumsbau das Uni-Museum an der Biegenstraße feierlich eingeweiht. „Heute täten wir uns schwerer damit, nur freudig zurückzublicken“, meinte Korn. Stattdessen sei es erwünscht, auch auf die Brüche in der Universitätsgeschichte zu schauen.

Gründung war „geradezu tollkühnes Unternehmen“

„Der Arbeitskreis Universitätsgeschichte will die Geschichte­ der Universität nicht isoliert betrachten, sondern in Zusammenschau mit der jeweiligen Zeit“, sagte der Historiker Christoph Kampmann. Einen Vorgeschmack darauf gab er mit seinem Vortrag zur Universitätsgründung im Jahr 1527. Damals habe Philipp der Großmütige an eine Idee seines Vaters, Wilhelm II., angeknüpft, der als hessischer Landgraf schon zwei Jahrzehnte vorher eine Hochschule habe gründen wollen.

Philipps Hochschulgründung sei ein „geradezu tollkühnes Unternehmen“ gewesen, mit dem er sich gegen den Trend der Zeit gestellt habe. Denn die Dynamik der Reformation habe damals überall für sinkende Studentenzahlen gesorgt. Über Jahrhunderte habe die 1527 von Landgraf 
Philipp gegründete Marburger­ Universität auch international wissenschaftliche Strahlkraft ­bewiesen, sagte der Historiker Professor Eckart Conze, Leiter des Arbeitskreises Uni-Geschichte. Bei der Erforschung der Marburger Universitätsgeschichte gehe es in den kommeden zehn Jahrenh nicht darum, die gut erforschten Themen erneut abzuhandeln, sondern es sollen auch neue Schwerpunkte gesetzt werden.

Vier Promotionsprojekte zur Uni-Geschichte

Als erste Beispiele dafür nannte Conze vier Promotionsprojekte, die auch Strukturprozesse an der Universität beleuchten sollen:

  • Geplant ist zum einen eine Darstellung der Geschichte der Marburger Stipendiatenanstalt für die Zeit von der Gründung 1529 bis zum Beginn der preußischen Ära 1868. Die Stipendiatenanstalt entstand zwei Jahre nach der Hochschulgründung, um begabten Studenten finanzielle Förderung zu geben und ihnen ein Studium zu ermöglichen. Zurückgreifen könne man bei den Forschungen auf eine vorzügliche Quellenlage, die Einblicke in Entscheidungsprozesse geben könne.
  • Ein zweites Promotionsprojekt rankt sich um die Geschichte der Marburger Professorenhaushalte vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. „Die Professorenhaushalte waren Orte für gemeinsames Wohnen, Forschen, Essen und Leben“, verdeutlicht Conze. Bei der Erforschung des Alltags in diesen Professorenhäuser könne man ausgehen von einem erst kurz zurückliegenden Lehr-Lernprojekt an der Uni Marburg.
  • Die Verwaltungsgeschichte­ der Marburger Universität zwischen 1866 und 1970 steht im Mittelpunkt eines weiteren Promotionsvorhabens. Darin sollten so unterschiedliche Bereiche wie Bau- und Personalverwaltung, aber auch die Rolle der Uni-Verwaltung im politischen Raum untersucht werden, erläuterte Conze. Die Forschung zu diesem Thema könne auch mehr beitragen zu einer Aufarbeitung der Vor- und Nachgeschichte der Universität in der NS-Zeit.
  • Das vierte Promotionsthema beschäftigt sich mit dem Thema „ 1968 in Marburg“. Hierbei geht es um die nach Ansicht von Conze noch nicht vollständig aufgearbeitete Bedeutung der Philipps-Universität in der Wechselwirkung mit der Stadt zur Umbruchzeit der Studentenbewegung Ende der 60er-Jahre. Vortragsreihen, Ausstellungen Online-Plattformen, Publikationen: Mit vielfältigen Mitteln sollen in den kommenden Jahren die Forschungsergebnisse zur Uni-Geschichte­ publik gemacht werden.

Ein erstes Themengerüst steht bereits. Dazu zählen das Thema „Frauenstudium“ ein Rückblick auf die Morde von Mechterstädt, oder neuere Forschungen zum Medizin-Nobelpreisträger­ Emil von Behring. Die Zeit des Nationalsozialismus soll in Bezug auf die Rolle des Sportinstituts der Uni und die Bedeutung der Naturwissenschaft erforscht werden. Conze und seine Mitstreiter bauen bis 2027 zusammen mit dem Uni-Präsidium auf die Mithilfe aus allen Uni-Fachbereichen sowie aus geschichtsinteressierten außeruniversitären Gruppierungen wie der Geschichtswerkstatt oder des Geschichtsvereins.

von Manfred Hitzeroth

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