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Bildungsimpulse durch einen Landgrafen

Reformations-Tagung Bildungsimpulse durch einen Landgrafen

Die Gründungsphase der Philipps-Universität stand im Mittelpunkt bei der ersten Sektion der Tagung zu Bildung und Reformation in Marburg.

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Standesgemäß fand die Tagung zu „Bildung und Reformation“ im Landgrafensaal im Staatsarchiv statt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. In zehn Jahren wird die Marburger Universität ihr 500-jähriges Bestehen feiern. Die im Jahr 1527 von Landgraf Philipp dem Großmütigen gegründete Hochschule gilt als älteste noch existierende protestantische Universitätsgründung der Welt.

Insofern ist sie auch ein Paradebeispiel für die Impulse, die schon in der Frühzeit der Reformation wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahr 1517 für die Bildung ausgingen.

„Hessen als reformatorische Bildungslandschaft“ lautete das Oberthema, in dessen Rahmen über die Umstände der Marburger Universitätsgründung, aber auch über die Gründung von Schulen im Hessen des 16. Jahrhunderts geredet wurde.

Die Reformationsspezialistin Professorin Gury Schneider-Ludorff (Neuendettelsau) steckte mit einem Eingangsreferat die Eckpunkte des Themas ab. Angefangen habe es vor knapp 500 Jahren damit, als Landgraf Philipp von Hessen von Marburg aus den Auftrag gegeben habe, dass alle Kirchen in seinem Territorium das Neue Testament anschaffen sollten, um somit das Wort Gottes allen Untertanen zugänglich zu machen.

Wie mit allen weiteren Reformmaßnahmen habe der zum Protestantismus bekehrte junge Landgraf mit dieser „Hessen-Bibel“ eine hessenweite Bildungsinitiative in Gang gesetzt. Bei der Druckerei der ein Jahr zuvor gegründeten Universität habe er den Druck des ins Deutsche übersetzten Neuen Testaments in großer und grober Schrift in Auftrag gegeben und zwar im Gegensatz zur Luther-Bibel auch ohne Vorwort.

Zudem sollte das neue Buch kostengünstig zu erwerben sein und zwar für eine Summe im Gegenwert von vier Schafen. „Eine Bibel für alle“: Dieses Konzept  habe zum bildungspolitischen Ideal des „fürstlichen Reformators“ gehört, erläuterte Schneider-Ludendorff.

Er habe sich anknüpfend an Luther auch eine Besserung der Menschen durch die Kenntnis des Wortes Gottes erhofft. Im Jahre 1524 habe der Landgraf um die Zusendung der wichtigsten Gedanken der Reformatoren gebeten und diese dann auch von Philipp Melanchthon in Form einer Flugschrift erhalten. Der Bildungsimpuls der ­Reformation habe darin bestanden, dass die beim Bibelstudium zu erwerbende Sprach- und Kulturkompetenz als eine Grundlage der Bildung dienen sollte.

Landgraf Philipps Ansatz sei es gewesen, auch dem Einzelnen die persönliche Bildung zu ermöglichen. Doch wie teuer war es damals eigentlich, eine neue Universität zu gründen? Diese Frage stellte sich in ihrem Vortrag die Leiterin des Marburger Universitäts-Archivs, Dr. Katharina Schaal, am Beispiel der Philipps-Universität.

Keine detaillierte Finanzplanung

„Was kostet eine Universität?“: Diese Frage habe Landgraf Philipp auch konkret beantwortet und zwar so, dass das Studium Generale aus dem Gut der „aufgehobenen Klöster“ in der Landgrafschaft Hessen finanziert werden sollte, sagte Schaal. Zusammengerechnet habe die Gründung der Marburger Universität acht Klöster und Stifte  sowie drei Stadthöfe des Zisterzienserklosters Haina und 400 Gulden jährlich aus der Saline Sooden-Allendorf gekostet, bilanzierte Schaal am Ende ihres Vortrags.

Zwar finde sich in den Quellen im Vorfeld der Gründung keine detaillierte Finanzplanung. Auch wie viel von der Vermögensmasse aus dem Klosterbesitz in welcher Form der Universität zur Verfügung gestellt worden sei, das sei zunächst offen geblieben.

Zu Beginn des Universitätsbetriebs seien die Besoldungen für die Professoren aber offenbar noch aus der Kasse des Landesherren bezahlt worden.

Nach einer Übergangsphase, in der schon einige Zahlungen von Klöstern eingingen, wurde im Oktober 1540 die Donationsurkunde der Universität erlassen, worin­ eine­ große Zahl von Klöstern und Stifte in Hessen der Universität offiziell übertragen wurden. Hiermit habe die Marburger Universität über einen ansehnlichen Grundbesitz verfügt, erläutert die Uni-Archivarin. Die Mittel, die sie benötigt habe, ­habe sie daraus aber erst einmal erwirtschaften müssen.

Zwei Drittel des Finanzbedarfs machten in den Anfangszeiten der Hochschule die Professorengehälter aus. Daneben fielen noch Bau- und Reparaturkosten für die drei der Hochschule in Marburg übergebenen Klostergebäude sowie die Anschaffung einzelner Bücher. Aber Kosten seien auch die Verwaltung der der Hochschule überlassenen Güter angefallen, sagte Schaal.

von Manfred Hitzeroth

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Tagung
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung (von links), Ministerialdirigent Dr. Rolf Bernhardt, Bischof Professor Martin Hein, Professor Wolf-Friedrich Schäufele, Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause und Weihbischof Karlheinz Diez kamen zum Symposium. Foto: Tobias Hirsch

Am Mittwochnachmittag wurde eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Reformation und Bildung“ im Staatsarchiv eröffnet.

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