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Bildung für alle als Reformationsziel

Tagung Bildung für alle als Reformationsziel

Am Mittwochnachmittag wurde eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Reformation und Bildung“ im Staatsarchiv eröffnet.

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Kirchenpräsident Dr. Volker Jung (von links), Ministerialdirigent Dr. Rolf Bernhardt, Bischof Professor Martin Hein, Professor Wolf-Friedrich Schäufele, Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause und Weihbischof Karlheinz Diez kamen zum Symposium.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Welchen Einfluss hatte die Reformation auf die frühneuzeitliche Bildungsreform? Und wie steht es um das Verhältnis von Kirche und Bildung im 21. Jahrhundert? Darum geht es bei dem Symposium, das gemeinsam von der Philipps-Universität, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau veranstaltet wird. Zum Start der wissenschaftlichen Tagung kamen gestern auch hochrangige Vertreter der beiden evangelischen Landeskirchen und der katholischen Kirche sowie der hessischen Landesregierung nach Marburg.   

Die Anregung zur Tagung kam von der Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina­ Krause. Sie wies darauf hin, dass sich Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen im Jahr 1527 bereits zehn Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg dazu entschlossen habe, in Marburg eine evangelische Universität zu gründen. „Wir verdanken unsere Gründung also der Reformation“, sagte Krause bei ­einem Pressegespräch. Diese Universität habe sich bis heute über alle organisatorischen Veränderungen hinweg neben den Geistes- und Naturwissenschaften die Gründungsfakultäten der Evangelischen Theologie, der Rechtswissenschaften und der Medizin bewahrt. Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, machte deutlich, dass  die Reformation im 16. Jahrhundert einen großen Beitrag zur Bildung geleistet habe, „Bildung schon immer zur DNA des Protestantismus gehört“.

Luther: Glaube drängt nach Bildung

Dies habe aber auch für die Rolle der Klöster und der Gegenreformation gegolten. Allgemein müsse wohl das Luther-Wort gelten, dass der Glaube nach Bildung dränge. Professor Karlheinz Diez, Weihbischof des Bistums Fulda, betonte als Vertreter der katholischen Kirche in seinem Grußwort das Verbindende der Konfessionen und sagte: „Das Hören auf das Wort Gottes, die Aufnahme der Heiligen Schrift in Kopf und Herz, ist heute 500 Jahre nach der Reformation so verbindend zwischen den christlichen Kirchen, wie es einst trennend war.“

Der Tagungsorganisator, der Marburger Kirchenhistoriker Professor Wolf-Friedrich Schäufele, sagte, dass in kaum einem deutschen Territorium das ­Zusammenspiel von Reformation und Bildung so deutlich zu beobachten gewesen sei wie in Hessen. Die Reformation der Kirche sei mit einer breit angelegten Bildungsreform einhergegangen, die eine elementare­ Schulbildung für Jungen und Mädchen an Latein- und Volksschulen vorgesehen habe. Das Anliegen sei es gewesen, Bildung zu popularisieren und zu demokratisieren. Möglichst alle Christen sollten die Bibel auch in ihrer eigenen Sprache lesen können.

Professor Martin Hein, Bischof­ der Evangelischen Kirche­ von Kurhessen-Waldeck, wies darauf hin, dass Martin Luther die evangelischen Fürsten in der Bildungsverantwortung für die Menschen in ihren Territorien gesehen habe und in seinen Schriften zum Thema „Bildung“ das Bild einer „Schule für alle“ entworfen habe.

Neu sei gewesen, dass jetzt nicht mehr die Kirche, sondern vor allem die Städte für die Bildung Verantwortung getragen hätten.

von Manfred Hitzeroth

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Standesgemäß fand die Tagung zu „Bildung und Reformation“ im Landgrafensaal im Staatsarchiv statt. Foto: Tobias Hirsch

Die Gründungsphase der Philipps-Universität stand im Mittelpunkt bei der ersten Sektion der Tagung zu Bildung und Reformation in Marburg.

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