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Bildung ermöglichen – Fluchtursachen bekämpfen

Terra-Tech-Projekt im Nordirak Bildung ermöglichen – Fluchtursachen bekämpfen

Geflüchtete Studenten sollen das Land wieder aufbauen. Doch die Gelder werden knapp, teilt Terra Tech mit.

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Die geflüchteten Studenten wohnen, kochen, essen und studieren in neuen Gemeinschaftsunterkünften.

Quelle: Chris Schmetz

Marburg. Laut Angaben der Uno-Flüchtlingshilfe waren Ende 2015 insgesamt 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht – so viele wie nie zuvor. In vielen Ländern wie dem Südsudan, Afghanistan, der Ukraine oder Somalia haben jahrelange Konflikte zwischen einzelnen ethnischen und religiösen Gruppen tiefe Gräben zwischen den Menschen gezogen.

Auch innerhalb des Irak sind durch den andauernden Konflikt Millionen von Menschen auf der Flucht. Alleine die nordirakische Stadt Kirkuk nahm 750 000 Geflüchtete auf.

Dort engagiert sich Terra Tech seit 2013 in Zusammenarbeit mit der chaldäischen Erzdiözese Kirkuk-Sulaymania.  Zielgruppe des Projekts sind Studierende der Universität Mossul. Die jungen Frauen und Männer mussten ihr Studium aufgrund von Flucht und Vertreibung unterbrechen. Ihnen drohte Perspektivlosigkeit. Während des Projekts werden sie in die Universitäten in Kirkuk eingegliedert.

Es wurden Räume angemietet, saniert und mit Kochstellen und Lernhilfen wie Zeichentische für Technikstudenten ausgestattet, teilt Terra Tech mit.

Die Studierenden werden mit Lebensmitteln unterstützt. In den neu entstandenen Gemeinschaftsunterkünften wohnen, kochen, essen und studieren die jungen Frauen- und Männergruppen gemeinsam. Anstatt das Land zu verlassen und einer ungewissen Zukunft als Flüchtende in einem anderen Land entgegenzublicken, sollen die Studenten in der Region verbleiben.

„Nach Kriegsende sollen sie als Experten beim Wiederaufbau mitwirken – und die Idee eines multikulturellen Irak, in dem Menschen verschiedener Herkunft gleichberechtigt zusammenleben, weitertransportieren“, sagt Terra-Tech-Projektleiterin Leonie Dylla.

Ein wichtiger Ansatz des Projekts ist, dass Religion oder ethnische Herkunft der Studierenden keine Rolle spielen. „Wir sind anders, als ein Großteil der irakischen Gesellschaft“, sagt Erzbischof Dr. Yousif Thomas Mirkis. „Uns interessieren die Unterschiede nicht. Die jungen Menschen sind hier, um zu studieren.“ Die Räume werden nach akademischen Auswahlkriterien bezogen, Studierende eines Fachs sind jeweils gemeinsam untergebracht. Auf diese Weise erwerben die jungen Frauen und Männer nicht nur interkulturelle Kompetenzen, sondern können sich auch auf fachlicher Ebene austauschen.

Der Erfolg des Projekts hat die Erwartungen bereits weit übertroffen. Nahmen 2013 noch 142 junge Frauen und Männer an dem Projekt teil, so sind es mittlerweile 780 Studierende, die unterstützt werden. Doch die Ressourcen werden knapp: „Es kommen immer mehr junge Menschen zu uns – doch ich ­habe immer weniger Mittel, um sie zu unterstützen“, sagt Thomas Mirkis.

Aus diesem Grund sind Terra Tech und die chaldäische Kirche weiterhin dringend auf Spenden angewiesen.

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