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Bewährung für Gaststätteneinbrecher

Aus dem Amtsgericht Bewährung für Gaststätteneinbrecher

Mit einer Haftstrafe von zwei Jahren, die zur ­Bewährung ausgesetzt wurde, sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit kam der Angeklagte glimpflich davon.

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Die Diebesbande stieg in Gaststätten ein, hebelte dort die Spielautomaten auf und leerte sie.

Quelle: Angelika Warmuth (Archiv)

Marburg. Zusammen mit Landsleuten war der in Wiesbaden lebende, heute 47-jährige Rumäne gleich zweimal in ein Restaurant in der Nähe des Marburger Hauptbahnhofs eingebrochen und hatte die Spielautomaten aufgebrochen.

Weiterhin soll er an Einbrüchen in ähnliche Lokalitäten in Laazen (bei Hannover), Trier, Dortmund und Lins (am Rhein) beteiligt gewesen sein.

Die Masche der bis zu vier Personen starken Gruppe sei immer die gleiche gewesen, bestätigten die beiden geladenen Zeugen der ermittelnden Polizeistation in Marburg. Einbruch in ein Restaurant, Aufhebelung und Leerung der dortigen Spielautomaten.

Über ein Video vom Tatort, auf dem ein Telefonat deutlich zu erkennen gewesen sei und Ortung der zugehörigen Handys über die Funkzellen mitten in der Nacht sei man den Tätern schließlich auf die Spur gekommen. Der Beschuldigte bestätigte denn auch, dass man während der Einbrüche telefonischen Kontakt zwischen den Tätern im Gebäude und einem draußen postierten Mittäter, der, wie sich herausstellte, zumeist der Bruder des Angeklagten war, gehalten hatte.

Der Angeklagte zeigte sich voll umfänglich geständig und konnte exakt beschreiben, wo er während der Einbrüche stand und was er getan hatte.

Die Initiative für die Taten sei von einem Bekannten aus Rumänien ausgegangen, den er bereits vor seiner Einreise nach Deutschland kannte. Mitgemacht habe er, weil er damals seine Arbeit verloren hatte und mittellos war. Bei zwei der sechs Taten sei er allerdings nicht dabei gewesen, konnte er glaubhaft versichern. Zu diesem Zeitpunkt habe er sich in Rumänien aufgehalten.

Erst später sei er mit einem Flugzeug wieder nach Deutschland eingereist, was mit einem Flugschein einer ungarischen Fluggesellschaft belegt wurde.

Dolmetscher übersetzte Aussage des Angeklagten

Natürlich habe er später von den weiteren Einbrüchen seiner Gruppe erfahren, räumte er ein.

Zu jedem der verbleibenden vier Fälle nahm er detaillierte Stellung, die wegen mangelnder Sprachkenntnisse von einem Dolmetscher übersetzt werden mussten. Abweichungen gab es lediglich bei der Höhe der erzielten Beute. Dort waren die Angaben der Polizei stets höher als die Einlassungen des Beschuldigten.

Man habe aber die Beute stets nach den Einbrüchen zu gleichen Teilen aufgeteilt, berichtete er glaubhaft.

Die Staatsanwaltschaft forderte, auch weil der Angeklagte bereits vorbestraft sei und die Taten während einer Bewährungszeit begangen hatte, Einzelstrafen zwischen einem Jahr und zwei Monaten und einem Jahr und sechs Monaten, je nach Umfang der Beute. Zusammengefasst eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Anders die Sichtweise des Frankfurter Verteidigers Klaus-Michael Bott. Er sprach sich für eine Freiheitsstrafe aus, die man noch zur Bewährung aussetzen könne.

Anwalt: Mandant arbeitet als Reinigungskraft

All dies vor dem Hintergrund, dass sein Mandant umfänglich geständig, längere Zeit nicht mehr straffällig geworden sei und derzeit als Reinigungskraft an einer Frankfurter Schule arbeite und eigenes Geld verdiene. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best ließ bei der Urteilsfindung Milde walten und schloss sich letztlich den Argumenten der Verteidigung an. Die Haftstrafe wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

von Heinz-Dieter Henkel

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