Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Bereicherung: Begegnung mit Blinden

Kooperation Blista und Lindgren-Schule Bereicherung: Begegnung mit Blinden

Auf dem Programm standen Schreiben in Blindenschrift, Umgang mit Smartphone und Tablet sowie Blindenfußball.

Voriger Artikel
Ein Ort, der zum Verweilen einlädt
Nächster Artikel
Bildung ermöglichen – Fluchtursachen bekämpfen

Jason erläutert, wie man auf der Punktschriftmaschine schreibt.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Leg‘ Zeige-, Mittel- und Ringfinger auf die drei Tasten“, erklärt der zwölfjährige Jason einem Mädchen. Er tastet nach ihren Fingern, um zu kontrollieren, ob sie diese richtig abgelegt hat. Drei liegen auf den Tasten links, drei auf den Tasten rechts. „L geht ganz einfach, alle drei auf der linken Seite drücken“, sagt Jason. Der Blista-Schüler erklärt dem Mädchen, wie sie auf einer Punktschriftmaschine ihren Namen schreiben kann.

Zehn Viertklässler der Astrid-Lindgren-Schule sind an diesem Vormittag zu Gast in der Blista. Zehn Schüler der Blindenstudienanstalt aus dem fünften Jahrgang zeigen, wie ihr Alltag aussieht. An dem zweitägigen Kooperationsprojekt ist auch der Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) Marburg beteiligt.

Jason fährt mit einem Finger über das Papier. „Du hast hier ein F geschrieben“, sagt er. In dem Namen des Mädchens kommt aber keiner vor. „Du kannst es durchstreichen oder mit dem Fingernagel die Punkte wegkratzen“, erklärt der Zwölfjährige. Nebenan zeigen drei Blista-­Schüler, wie sie mit Smart­phone und Tablet umgehen.

Die zwölfjährige Sofia hält ihr Handy in der Hand, eine Stimme, die so schnell spricht, dass man kaum ein Wort versteht, tönt aus dem Gerät. „Viele Blinde arbeiten mit sehr schneller Sprachausgabe“, erklärt Sabine Kuxdorf, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Blista absolviert. „So kann man Zeit sparen.“ An die schnelle Sprache gewöhne man sich.

„Man weiß ja, was man sucht, nur bei Zeitungsartikeln stellt man auf langsamer“.

"Am Anfang war es sehr schwer"

Mit der Zeit habe man im ­Gefühl, wo auf dem Display welche App angezeigt werde, ­erklärt Sofia. Niklas, der ­neben ihr sitzt, ergänzt: „Am Anfang war es sehr schwer, aber jetzt kann ich gut klarkommen.“ Efe, ebenfalls Blista-Schüler, zeigt den Kindern, wie er mit der ­Bedienungshilfe „Zoom“ auf seinem Tablet liest. Wie ­eine Lupe bewegt er ein viereckiges Feld mit dem Finger über das Display.

Voneinander zu lernen und ­einander kennenzulernen ­seien Ziele des Kooperationsprojektes, erklärt Claudia Arnold, Lehrerin der Astrid-Lindgren-Schule.

Am Vortag hätten die Schüler gemeinsam erlebnispädagogische Spiele veranstaltet. Beim Waldmemory beispielsweise sei es die Aufgabe gewesen, in gemischten Zweierteams Gegenstände zu suchen.

„Die Schüler machen die Erfahrung, dass es normal ist, dass jeder anders ist und dass es kein Problem darstellt.“ Die Begegnungen erlebten sie als Bereicherung. Das Blindsein sei in der Abschlussrunde regelmäßig gar kein Thema mehr.

Auf einem Tartanfeld spielt eine Gruppe Blindenfußball. Der zehnjährige Robin hat eine Schlafmaske übergezogen. Er will einen Sechs-Meter-Schuss ins Tor bringen, der nach den Spielregeln dort im Vergleich zum Elfmeter kürzer ist.

Mar­the, die mit Freunden regelmäßig Blindenfußball spielt, zeigt ihm, wo das Tor ist. Sie schlägt mit den Händen gegen den Pfosten und ruft: „Rechte Seite“. Auch die linke Seite und die Mitte zeigt sie ihm per Tonsignal.

Als Robin gegen den Ball tritt, rasselt der zur Orientierung. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass es Blindenfußball gibt“, erklärt der Schüler später. „Das hat Spaß gemacht.“

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr