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„Bei mir gibt es kein Happy End“

Aufklärung über Thaimassage „Bei mir gibt es kein Happy End“

„Es werden nur Massagen angeboten und keinerlei sexuelle Dienstleistungen“, steht auf dem Schild am Schaufenster von „Rattana‘s Nuad Thai Massage“. Warum dieses Schild nötig ist, hat Rattana Gruen der OP erzählt.

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Rattana Gruen steht neben ihrem Schild am Schaufenster ihres kleinen Thaimassage-Studios. Sie sagt, es beuge Fragen nach sexuellen Dienstleistungen vor.

Quelle: Simone Schwalm

Marburg. „Bist du junge oder alte Frau?“ Das ist noch eine der harmloseren Fragen, die Rattana Gruen manchmal am Telefon gestellt werden. Die gebürtige Thailänderin betreibt in Marburg ein Thaimassage-Studio. Sie hat es schon häufig erlebt, dass Männer ihre Massagen mit sexuellen Dienstleistungen in Verbindung bringen. Aus diesem Grund hat sie ein Schild an ihr Schaufenster geklebt, das dieses Angebot deutlich ausschließt.

Dieser Hinweis hängt dort nicht zum ersten Mal. Als Rattana Gruen 2014 ihren kleinen Thaimassage-Laden eröffnete, sei die Belästigung am Telefon noch schlimmer gewesen. Männerstimmen forderten sie zu Telefonsex auf. Als sie schließlich mit der Polizei gedroht habe, haben diese Anrufe aufgehört.

Doch nicht nur telefonisch haben Männer – laut Gruen vor allem „ältere, verheiratete“ – eindeutige sexuelle Wünsche geäußert. Diese habe sie immer selbstbewusst zurückgewiesen. „Ich bin eine verheiratete Frau und habe drei Kinder“, betont Rattana Gruen.

Zwischendurch wurde sie auch mal von Fragen nach einem sogenannten „Happy End“ verschont, dann hat Rattana 
Gruen auf das Schild im Schaufenster verzichtet. Kurz vor Weihnachten aber häuften sich erneut direkte Wünsche nach ­sexuellen Diensten.

„Vor etwa drei Wochen hat ein dunkel gekleideter junger Mann an meine Tür klopft und gefragt, ob ich was Sexuelles anbiete“, berichtet Gruen. Klar und deutlich habe sie dies verneint und schlagfertig geantwortet: „Du könntest mein Sohn sein!“

Seit 26 Jahren lebe sie in Deutschland

Die Frage, ob sie denn nach solchen Vorfällen keine Angst habe, schließlich ist sie allein in ihrem kleinen Laden, verneint die Dreifach-Mutter. „Ich habe viel Lebenserfahrung, ich kann mich durchsetzen“, antwortet sie selbstbewusst. Seit 26 Jahren lebe sie bereits in Deutschland. Sie wisse, sich mit Worten zu helfen.

Die Tür zu ihrem Laden bleibt nun aber immer abgeschlossen – außer wenn sie Kunden zu vereinbarten Terminen erwartet. Außerdem helfe das Schild im Schaufenster. „Dann kommen keine dieser sexuellen Fragen während der Massagen – nur noch telefonisch“, sagt die 49-Jährige.

Ein Mann habe sich am Telefon darüber aufgeregt, dass sie keine Internetseite habe. Dann könnte sie auf dieser darüber informieren, dass sie nichts Sexuelles anbietet. Für ihn schien es selbstverständlich zu sein, dass eine Thaimassage ein „Happy End“ beinhalte.

Der Hinweis, dass keinerlei ­sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, findet sich auch auf der Internetseite eines weiteren Marburger Thaimassage-­Studios. Dort ist auch zu lesen, dass die traditionelle Thaimassage oder auch Thai-Yoga-Massage eine Massage-Technik ist, die in Thailand unter der Bezeichnung Nuad Phaen Boran bekannt ist, was soviel bedeutet wie „uralte heilsame Berührung“.

Massageformen orientiert sich an Energielinien

Im Unterschied zu klassischen westlichen Massageformen orientiert sich Nuad Thai an sogenannten Energielinien, erläutert Rattana Gruen. Massiert werden lokale Punkte, wodurch unter anderem die Durchblutung gefördert und Entspannung hervorgerufen werden soll. Doch warum wird diese Massage-Technik so häufig mit sexuellen Handlungen in Verbindung gebracht?

Rattana Gruen erklärt es sich unter anderem mit den Berichten über Sex-Tourismus in Thailand. „Aber wir sind doch auch Menschen“, betont sie, und in diesem Moment klingt ihre­ Stimme dann doch etwas brüchig, ihr Blick wird traurig. Sie wünscht sich, dass thailändische Frauen nicht automatisch mit Sexualpraktiken in Verbindung gebracht werden. Sie „will einfach nur arbeiten und Geld verdienen“ – und das nicht mit sexuellen Dienstleistungen.

von Simone Schwalm

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