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Begegnungshaus Kerner als Vision

Anlaufstätte für Flüchtlinge Begegnungshaus Kerner als Vision

Das Projekt „Begegnungshaus Kerner“ steht im Mittelpunkt einer Veranstaltung der interdiszi­plinären Ringvorlesung.

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Pfarrer Ulrich Biskamp (von links) sowie Lydia Koblofski, Johannes Maaser, Benjamin Edinger, Professor Ulrich Wagner und Dr. Johannes Becker diskutieren im Kerner über das weitere Vorgehen des Netzwerks Begegnungshaus Kerner.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Raus aus dem Hörsaal, rein in die Realität. Das ist die Devise eines ungewöhnlichen Termins für ein ungewöhnliches Projekt. Denn zum wohl ersten Mal in der mehr als 30-jährigen Geschichte der interdisziplinären Ringvorlesung findet eine Veranstaltung nicht im Uni-Hörsaalgebäude statt, erläutert Privatdozent Dr. Johannes M. Becker, einer der beiden Organisatoren der Ringvorlesung zu Konflikten in Gegenwart und Zukunft.

Am Montag, 26. Juni, ab 18.30 Uhr wird im Gespräch mit weiteren Vertretern des Kerner-Netzwerks unter dem Titel „Migration und gesellschaftliche Gestaltung in Marburg“ das Projekt eines Begegnungshauses im Kerner vorgestellt.

Bereits seit einigen Jahrhunderten ist der Kerner, das ehemalige Marburger Rathaus und Beinhaus, jetzt im Besitz der Evangelischen Kirche. Momentaner Besitzer ist der Gesamtverband der Evangelischen Kirche in Marburg. Die repräsentativen Räume im Untergeschoss des direkt neben der Lutherischen Pfarrkirche gelegenen Gebäudes dienen derzeit teilweise als Gemeinderäume. Die oberen drei Stockwerke wurden früher als Wohnungen genutzt, mittlerweile ist nur noch eine der stark sanierungsbedürftigen Wohnungen belegt. Doch das klassische Gemeindeleben mit regelmäßig tagenden Gruppen ist laut Pfarrer Ulrich Biskamp in der auch viele studentische Oberstadtbewohner umfassenden Pfarrgemeinde nicht so stark ausgeprägt.

Eigenes Schicksal selbst in die Hand nehmen

Pfarrer Biskamp und der Gemeindevorstand sind deswegen für eine Idee offen, die im Anschluss an eine Fotoausstellung zum Thema Flucht in der Lutherischen Pfarrkirche im vergangenen Jahr entstand. Zwei Studierende hatten während der großen Flüchtlingswelle Menschen auf der Flüchtlingsroute begleitet und das fotografisch dokumentiert. Im Rahmenprogramm gab es bereits einige Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen. Die Idee ist es nun, den Kerner zu einer Art Begegnungshaus für die Begegnung zwischen Flüchtlingen und Marburg umzufunktionieren.

Auf dem Weg zu diesem Ziel hat sich mittlerweile ein rund zehn Beteiligte umfassendes „Netzwerk Kerner“ gebildet.Dabei gehe es um das Funktionieren der Integration von Geflüchteten in Marburg, erläutert der Marburger Sozialpsychologe Professor Ulrich Wagner.

Es solle den Flüchtlingen dabei Hilfestellung leisten, ihr eigenes Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

„Die gesellschaftliche Debatte über Flucht muss weitergehen“, fordert der Konfliktforscher Johannes Maaser, der sich als Mitarbeiter des städtischen Projekts „Einsichten“ für Gewaltfreiheit in Marburg einsetzt.

Ebenfalls zum „Netzwerk Kerner“ gehört Benjamin Edinger vom Verein Asylbegleitung Mittelhessen. „Wir wollen gesellschaftliche Teilhabe schaffen“, sagt Edinger. Er hofft, dass im Kerner Räume für gemeinsame Projekte entstehen.

Wie diese aussehen könnten, das erläutert Lydia Koblofski (Weltladen Marburg). So findet regelmäßig an jedem ersten Sonntag im Monat ein internationaler Frauenbrunch statt. Auch Ausstellungen, Vorträge, Musikveranstaltungen und gemeinsames Kochen könnten in dem „Begegnungshaus Kerner“ stattfinden. Pfarrer Biskamp findet die Vision sehr interessant und verfolgenswert, dass irgendwann vielleicht einmal das ganze Gebäude als Begegnungszentrum fungieren könnte. Dann allerdings müsste die Struktur des bisherigen Netzwerks eine noch klarere Organisation – vielleicht in Vereinsform – erhalten und auch die Finanzierung müsste geklärt werden. Aber das ist Zukunftsmusik und Biskamp freut sich, dass das Projekt derzeit stetig vorankommt und von selbst wächst. Schon die bisherigen Veranstaltungen hat er jedenfalls als eine enorme Bereicherung für das Gemeindeleben empfunden.

  • Die Veranstaltung am 26. Juni findet ab 18.30 Uhr im Kerner am Lutherischen Kirchhof (bei gutem Wetter auch im Freien) statt. Dabei soll in lockerer Runde das Konzept Begegnungshaus Kerner vorgestellt werden und die „Netzwerker“ hoffen auch auf viele neue Ideen.

von Manfred Hitzeroth

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