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Bagger geliehen und weiterverkauft

Aus dem Amtsgericht Bagger geliehen und weiterverkauft

Knapp ein Dutzend gemietete Bagger über Jahre hinweg zur Seite zu schaffen und verschwinden zu lassen, ist keine Kleinigkeit. So sah es das Schöffengericht und schickt einen mehrfachen Betrüger ins Gefängnis.

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Mehrere Mini-Bagger – wie auf diesem Themenfoto – hat der Angeklagte unterschlagen.

Quelle: Archiv

Marburg. Einen Bagger unter falschem Namen anmieten, nicht wieder zurückgeben und im Internet weiterverkaufen – nach dieser Masche liefen die Betrugsgeschäfte des Angeklagten in der Regel ab. Er prellte die eigentlichen Eigentümer der wertvollen Maschinen um rund 100 000 Euro.

Ganz regulär bestellte der Mann zwischen Dezember 2013 und März 2014 mehrere Mini-Bagger bei diversen Geräteverleihfirmen in Marburg und andernorts. Bei jedem Geschäft zahlte er die vereinbarte Kaution. Jedes Mal gab der verheiratete Mann dabei nicht seinen aktuellen, sondern seinen Geburtsnamen an, legte seinen alten Führerschein vor und mietete die Maschinen unter einer falschen Adresse an. Zu der vereinbarten Rückgabe kam es nie, die Bagger bot der Angeklagte im Internet zum Verkauf an oder schaffte sie über Dritte ins Ausland. Die Maschinen im Wert von bis zu knapp 40 000 Euro bleiben bis heute verschwunden, die Eigentümer auf den Kosten sitzen.

Im Tatzeitraum betätigte sich der als arbeitslos gemeldete Mann zudem als Schrotthändler und erzielte regelmäßige Einnahmen, die er dem Arbeitsamt verschwieg. Somit erhielt er eine Überzahlung an Sozialleistungen in Höhe von rund 11000 Euro.

Vor dem Marburger Schöffengericht legte der 40 Jahre ­alte Beschuldigte ein volles Geständnis ab, erklärte sein Handeln mit „finanziellen Sorgen – er stand unter großem Druck“, teilte ­Verteidiger Sascha Marks mit. Neben der Versorgung seiner Familie habe der dreifache Familienvater einen hohen Schuldenberg abzutragen, hatte zudem diverse Geldstrafen aus früheren Gerichtsverfahren abzustottern. Sein Strafregister­ weist sieben Vorstrafen auf, er stand bereits wegen Betrugs, Diebstahls, Steuerhinterziehung und Unterschlagung vor Gericht. Darunter weitere Fälle, die sich um das gezielte Anmieten von Baumaschinen drehten, die ebenfalls nicht wieder auftauchten. Mehrere Bewährungsstrafen wurden wieder aufgehoben, da der Täter erneut straffällig wurde. Seit Januar dieses Jahres sitzt er erneut im Gefängnis im offenen Vollzug.

„In irgendwelchen dunklen Kanälen versickert“

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Dominik Best, wo denn die aktuellen Bagger abgeblieben seien, wollte der Mann keine Antwort geben. Diese wurden an Dritte weiterverkauft, seien wohl „in irgendwelchen dunklen Kanälen versickert“, vermutete Staatsanwalt Nicolai­ Wolf. Hinter den Betrügereien sollen weitere Hintermänner stehen, welche das stets ähnliche Vorgehen koordinieren, dem Angeklagten die Aufträge zuschoben. „Ihm wurde gesagt: du machst das jetzt“, spielte der Verteidiger auf eine eher untergeordnete Rolle seines Mandanten an. Die ominösen Auftraggeber nannte der Angeklagte nicht, schwieg in diesem Punkt. „Mit blieb keine Wahl“, teilte er lediglich mit. Er habe sich durch finanziellen Druck dazu verleiten lassen.

Seine Situation habe sich mittlerweile gebessert: Er sitzt zwar in Haft, darf jedoch einer geregelten Arbeit nachgehen und ist mittlerweile als Kraftfahrer fest angestellt. Seinen Job wolle er behalten, „ich möchte im offenen Vollzug bleiben, das ­waren meine letzten Straftaten, ich verspreche es“, beteuerte der Mann. Ziel der Verteidigung war daher die Aufrechterhaltung des offenen Vollzuges. Voraussetzung dafür ist unter anderem die tatsächliche Haftdauer, die der Inhaftierte noch zu verbüßen hat. Diese liege, abzüglich der geschätzten Aussetzung der Reststrafe, bei rund zwei Jahren, erläuterte Marks, der auf eine zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe plädierte.

Einer wegen Arbeitsplatzerhaltung abgemilderten Strafe­ konnte sich der Staatsanwalt nicht anschließen. Dafür wiege­ nicht nur die strafrechtliche Vergangenheit des Täters zu schwer, auch gehe es um „ganz erhebliche Vermögensschäden“, betonte Wolf.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Hinzu komme die Einbeziehung des bisher letzten Urteils. Er sprach sich für eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren­ und neun Monaten wegen­ ­gewerbsmäßigen Betrugs in ­sieben Fällen aus.
Ähnlich sah den Fall das Schöffengericht, das den Antrag um sieben Monate nach unten korrigierte. Nicht nur, dass die Taten einige Zeit zurücklägen, der Beschuldigte hatte auch eigene Beweggründe. „Er hatte Schulden und musste seine Familie durchbringen“, gestand ihm der Richter zu. Dennoch könne man sich den offenen Vollzug nicht aussuchen, müsse etwas dafür leisten – „das ist kein Wunschkonzert“, stellte der Richter klar. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Ina Tannert

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