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Ausschreibungssieger ist wohl chancenlos

Nutzungskonzept Ausschreibungssieger ist wohl chancenlos

Die Stadtverordneten in Marburg werden vor der Sommerpause über die Nutzungskonzepte für den Lokschuppen abstimmen. Keine Fraktion will die Vertagung der entsprechenden Magistratsvorlage beantragen.

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Der Abstimmungstermin 30. Juni soll nach dem Willen der meisten Stadtverordneten nicht verschoben werden. Eine Woche vor der Entscheidung über die Lokschuppen-Nutzungskonzepte zeichnet sich eine Mehrheit für Christmann + Pfeifer ab. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Zeitraum für den Entscheidungsprozess sei nicht besonders kurz gewesen, inhaltliche Debatten gebe es diese und nächste Woche in den Ausschüssen, so dass eine Entscheidung getroffen werden könne, heißt es von der SPD. „Ich bin sehr froh, dass es für den Lokschuppen wenigstens zwei gute, miteinander konkurrierende Konzepte gibt und der weitere Verfall dieses Industriedenkmals verhindert und der Standort wieder belebt werden kann“, sagt Matthias Simon, SPD-Fraktionschef. Man spreche sich für Christmann + Pfeifer (C+P) aus.

Man wolle die potentiellen Investoren - C+P und Optik Schneider - nicht warten lassen, das Thema sei in der Öffentlichkeit breit diskutiert worden, heißt es von der CDU. „Beide wollen zügig beginnen, was in unser aller Interesse liegen sollte“, sagt Wieland Stötzel, CDU-Fraktionschef. Im Vordergrund stehe es, dass das Gelände „nunmehr entwickelt und einer attraktiven neuen Nutzung zugeführt wird“ - dahingehend seien beide Vorschläge „reizvoll“. Bei der Entscheidung, wer den Zuschlag erhalte, gehe es letztlich um eine Gewichtung der jeweiligen Vorzüge. Zuletzt tendierte die CDU eher in Richtung der Variante von Optik Schneider.

„Die wesentlichen Fragen und Argumente wurden ausgetauscht“, sagt Hans-Werner Seitz (Grüne). Eine Verlängerung der Debatte wäre für den weiteren Prozess „nicht förderlich“. Die Grünen werden für C+P stimmen, auch - weil das Schneider-Konzept „zu perfekt und glatt für den Standort Waggonhallenareal“ sei. Und Kreativwirtschaft, Soziokultur und religiöses Gemeindezentrum „passen nicht zusammen“, sagt er in Richtung „Christus Treff“.„Die bereits begonnene Kooperation zwischen C+P mit potentiellen Mietern lässt bereits etwas von der kreativen Atmosphäre erahnen, die wir uns für das Areal wünschen“, sagt Seitz. Die Linken-Fraktion habe sich „intensiv mit beiden Konzepten befasst“, Klärungsbedarf sehe man keinen mehr, sagt Tanja Bauder-Wöhr, Bauausschuss. Die Verständnisprobleme, Fragen und Kritiken, die etwa während der Konzeptvorstellung auftraten, seien vor allem durch den Schritt von Optik Schneider entstanden, das Nutzungskonzept „deutlich in Richtung des Konkurrenten“ zu verändern. Nach diesem „Wildern“ - dem Verzicht auf Wohnungsbau zugunsten von mehr Start-up-Plätzen - sei eine „größtmögliche Ähnlichkeit“ der Nutzungsideen herbeigeführt worden, die über legitime Modifikation hinausgehe. „Ehrlich, mit dem Ursprungsprojekt weiterzumachen, wäre für alle Beteiligten besser gewesen“, sagt Bauder-Wöhr. Auch der Aspekt, dass bei einem Konzept-Fehlschlag viele Elemente zurückgebaut werden könnten, spreche für C+P.

Die „Bürger für Marburg“ verweisen darauf, dass beide Bieter zudem für Fragen zur Verfügung standen, weshalb die Politiker „ausreichend Zeit“ für eine Meinungsbildung gehabt hätten. An der Tatsache, dass die BfM die Idee von C+P favorisieren, habe sich auch nach dem Wohnungsbau-Aus im Schneider-Konzept nichts geändert, sagt Andrea Suntheim-Pichler.

Die FDP will angesichts des „Füllhorns an zeitintensiven Tagesordnungspunkten“ (etwa Bürgerfragestunde, Dezernentenwahl, Altenhilfe) eine mögliche Verschiebung vorab im Ältestenrat besprechen. „Klar ist, dass es zu dem Lokschuppen eine Aussprache im Parlament geben muss“, sagt Christoph Ditschler, Liberalen-Parteichef. Die Fraktion FDP/MDL tendiere zu einem Votum für Optik Schneider. „Das ist der Sieger in einem klaren Verfahren. Eine Ausschreibung ist kein ‚Wünsch dir was‘. Hält man es anders, will man das Ergebnis umkehren, hätten wir das ganze Zinnober mit Auswahlgremium, Bewertungsmatrix und Parlamentsabstimmung gleich lassen können.“ Es sei „nicht die Aufgabe der Politik, weltanschaulich homogene Nachbarschaften zu schaffen und dafür zu sorgen, dass auf dem Waggonhallengelände nur Linksalternative präsent sein dürfen“.

Die Piratenpartei, die mit als Erstes das Konzept und die Verbindung von Optik Schneider und dem „Christus Treff“ kritisierte, wird dem Ausschreibungssieger ebenfalls die Stimme verwehren.

von Björn Wisker

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