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Aus für Eisenbahner-Treffpunkt

Heimatlos Aus für Eisenbahner-Treffpunkt

Das ESV-Heim am Ortenberg soll abgerissen ­werden. Entsprechende ­OP-Informationen hat die ­Immobilienfirma S+S ­bestätigt. Ehemalige ­Eisenbahner fühlen sich mit dem Aus ihres Treffpunkts „heimatlos“.

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Das ESV-Sportheim in der Alten Kasseler Straße 39 wird demnächst abgerissen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kegelbahn, Vereinsräume, Treffpunkt von Ex-Eisenbahnern: Das Gebäude in der Alten Kasseler Straße wird regelmäßig genutzt, seit 15 Jahren gehört jeder zweite Mittwoch im Monat einem Stammtisch ehemaliger Bahnangestellter. „Und jetzt werden wir heimatlos, die letzte Rückzugsmöglichkeit wird uns genommen“, sagt Heinz Feußner. Das Sportheim sei einst „von Eisenbahnern für Eisenbahner“ errichtet worden, ab Herbst verschwinden die Gesellschaftsräume samt Gaststätte und Küche ebenso wie die Zwei-Bahnen-Kegelanlage.

Grundstück soll dem Wohnungsbau weichen

Man werde „beraubt“, sagt auch Martin Klehm, Verein für Nahverkehrsgeschichte. Ab Oktober sei „alles vorbei“, wieder müsse in der Universitätsstadt ein geschichtsträchtiges Gebäude – der ESV Rot-Weiß Marburg wurde 1926 gegründet – samt Grundstück dem Wohnungsbau weichen. Denn die Errichtung von Apartments ist es, die von vielen Ortenbergern vermutet werden. Grund: Die Firma S+S hat das Gebäude des Eisenbahn-Sportvereins in der Alten Kasseler Straße gekauft – und dass es abgerissen wird, bestätigt Karsten Schreyer, S+S-Geschäftsführer auf OP-Anfrage. Jedoch wisse er selbst noch nicht, was anschließend mit dem Grundstück geschehen solle, „dazu gibt es noch keine Planungen“.

"Eisenbahntreue Veteranen bleiben auf der Strecke"

Die Enttäuschung bei Feußner, Klehm und anderen Vereinsmitgliedern ist ebenso groß wie die Sorge um die Zukunft: „Eisenbahntreue Veteranen bleiben auf der Strecke, stehen auf verlorenem Posten“, sagt Feußner. Die sozialen Belange der ehemaligen Eisenbahnbediensteten – von denen es zu Spitzenzeiten mehr als 500 am Bahnbetriebswerk gab – und Vereinsmitglieder, die sich zum Gedankenaustausch treffen, würden „ignoriert“, es gehe „nur noch um Profit, um lukrativen Wohnungsbau“ wie schon auf dem Gelände der Alten Gärtnerei oder der Neuen Kasseler Straße.

Hoffnung auf Ersatzräume auf dem Waggonhallenareal

Wohin aber mit den wertvollen Pokalen, Urkunden, Fotos und Erinnerungen? Wo soll ein neuer Treffpunkt für den ­Austausch der nostalgischen Bahngeschichten und der Fach­simpeleien entstehen? Feußner und die ehemaligen Bahnbediensteten hoffen auf Ersatz­räume in ­einem möglichen ­Neubau an gleicher Stelle, oder – wie auch die Ortenberggemeinde – auf dem Waggonhallenareal im oder am Lokschuppen.

von Björn Wisker und Patricia Grähling

Hintergrund
Eine „Reise der Erinnerung“ wird zum Abschied aus dem Heim heute ab 17 Uhr vom Verein für ­Nahverkehrsgeschichte durchgeführt. Zwei Stunden lang wird es für ehemalige Eisenbahner Erzählungen und alte Fotos zu hören und zu sehen geben, ab 20 Uhr werden im ESV-Heim für geladene Gäste Filme aus dem Marburg der 1980er-Jahre gezeigt.
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