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Schlag mit Pflasterstein ins Gesicht

Anklage: versuchter Mord Schlag mit Pflasterstein ins Gesicht

Zwei weitere Opfer berichteten am Mittwoch vor dem Schwurgericht von einem traumatischen Erlebnis. Der Angeklagte wurde wenige Tage vor dem brutalem Überfall aus der Psychiatrie auf freien Fuß gesetzt.

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Begleitet von Justizbeamten, betritt der Angeklagte den Gerichtssaal.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die beiden Freundinnen waren in der Nacht des 9. Oktober 2016 nach einer Feier auf dem Nachhauseweg in der Wilhelmstraße unterwegs. In ein angeregtes Gespräch vertieft, nahmen beide den fremden Mann auf der anderen Straßenseite an der Ecke Gutenbergstraße nicht wirklich wahr. „Ich habe ihn erst gar nicht bemerkt – erst als ich einen starken Schmerz in der Nase spürte, sah ich einen Mann direkt vor mir“, sagte eine der Zeuginnen. Dem Anschein nach hatte dieser der jungen Frau mit einem schweren Pflasterstein ins Gesicht geschlagen.

„Ich muss wohl kurz hingefallen sein“, sagte die Zeugin weiter. Dass sie da schon aus einer schweren Kopfwunde blutete, wurde ihr erst später bewusst.

Sie sei einige Meter vor dem Fremden, der einen dunklen Kapuzenpulli mit hochgeschlagener Kapuze trug, weggelaufen. Der wandte sich anscheinend umgehend der Freundin neben ihr zu, die ein Portemonnaie unter dem Arm trug, und griff auch sie an. Er habe ihr gegen den Kopf geschlagen, „ich hörte ein Geräusch – es klang wie ein fallender Stein“, berichtete die zweite Zeugin. Sie schützte sich mit einem Arm, was den Schlag abmilderte, und fiel zu Boden.

Als die erste Zeugin sah, dass der Mann auf die gekrümmt daliegende Freundin eintrat, rannte sie laut eigener Aussage zurück und wollte eingreifen: „Ich habe die Arme hochgerissen und ihn angeschrien ‚verschwinde, hau ab‘“.

Das reichte wohl aus – der ­Angreifer floh umgehend ohne Beute vom Tatort. Beide Frauen blieben verletzt zurück und verständigten Rettungswagen und Polizei.

Operation: 44 Schrauben und 10 kleine Platten im Kopf

Die eine Zeugin, damals 20 Jahre alt, erlitt durch die Steinattacke im Gesicht eine gebrochene Nase, eine gebrochene Augenhöhle und ein Loch im Kopf. Sie musste zweimal operiert werden, um zersplitterte Knochen und den Schädel­ zu ­fixieren – „mit 44 Schrauben und 10 kleinen Platten“, erinnerte sich die junge Frau.

Auch psychisch habe sie das Erlebnis stark mitgenommen. Sie suchte sich psychologische Hilfe, habe bis heute Angst, alleine im Dunkeln das Haus zu verlassen, sei auch noch am ­Tage „angespannter als früher“.

Den Mann beschrieben beide­ als mittelgroß, über 1,70 ­Meter oder 1,80 Meter groß, „mit Kappe und dunkler, weiter Kleidung“. Genau sehen konnten sie den Angreifer in der Nacht nicht, „es ging alles unheimlich schnell“, sagte eine Zeugin.

Den Angeklagten konnte keine der Frauen als Täter eindeutig identifizieren. Nach wie vor schweigt der Beschuldigte zu den schweren Vorwürfen gegen ihn, darunter versuchter Totschlag.

Erst wenige Tage vor dem brutalen Überfall war der 34-Jährige aus einer Unterbringungsmaßnahme in der Psychiatrie wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Ein weiterer Bericht folgt.

von Ina Tannert

Einen Bericht zum vorangegangenen Prozesstag lesen Sie hier.
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