Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Lebenspartnerin entschärft Vorwürfe

Aus dem Amtsgericht Lebenspartnerin entschärft Vorwürfe

Mehrfache Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung – die Liste der Anschuldigungen gegen den Angeklagten in der fortgesetzten Verhandlung unter Richterin Katharina Blumentritt war schwerwiegend.

Voriger Artikel
Preis für Kampf gegen Karies bei Kindern
Nächster Artikel
Radfahrerin stirbt bei Verkehrsunfall

Der Angeklagte soll seine Lebenspartnerin mehrfach bedroht haben (Symbolfoto).

Quelle: Jan-Philipp Strobel

Marburg. Seit mittlerweile 13 Jahren führen er und seine Lebenspartnerin ein mal mehr, mal weniger inniges Verhältnis neben der Ehe des Beschuldigten, aus dem im Jahr 2013 die gemeinsame Tochter hervorging. Immer wieder kam es zwischen den beiden zu handfesten Auseinandersetzungen, wie die diesmal erschienene 34-jährige Frau einräumte.

Der ebenfalls anwesende Vertreter des Jugendamtes bestätigte dies, auch passten diese Aussagen zu jenen der am ersten Verhandlungstag gehörten Zeugen, die der Mutter zeitweilig Unterkunft und Schutz vor dem Angeklagten gewährt hatten. Darüber hinaus ist der seit 1993 in Deutschland lebende, gelernte Koch mehrfach wegen Beleidigung, Betrugs, Körperverletzung und Bedrohung vorbestraft. „Die Mutter hatte in der Vergangenheit auch eine gerichtliche Anordnung erwirkt, die ihn davon abhalten sollte, sich ihr und dem Kind zu nähern. Er hatte daraufhin einen Drogentest von ihr gefordert, den sie bestand, „er selbst hat diesen jedoch nie erbracht“, erinnerte sich der Mitarbeiter des Jugendamts.

Die Lebensgefährtin bestätigte, dass der Mann bei seinen Übergriffen mehrfach unter Alkoholeinfluss gestanden habe, dieser bemerkte aber auf Nachfrage des Gerichts nur, er habe kein solches Problem. Weitere Aussagen tätigte der Beschuldigte auch am zweiten Verhandlungstag nicht.

Trotz der Vorgeschichte entlastete die Lebensgefährtin den Angeklagten insoweit, als dass sie die Schilderung der beiden Vorfälle entschärfte.

„Ich hab‘ ja auch mehrfach zurückgehauen“

„Ja, wir sind damals auf dem Parkplatz beim Botanischen Garten sehr in Streit geraten, und er hat mit Steinen nach mir geworfen und mich auch getroffen, als ich das Kind auf dem Arm hatte. Die Steine waren aber sehr klein, und die Wucht hätte nicht mal eine Fensterscheibe zertrümmert. Bei der Autofahrt danach hat er mich auch geschlagen, aber gestorben bin ich jetzt auch nicht davon, und ich hab‘ ja auch mehrfach zurückgehauen, das lasse ich mir ja nicht gefallen. Generell bin ich auch oft mit schuld, weil ich schon sehr stur bin.“

In Bezug auf den zweiten Vorfall, als der Angeklagte nach Aussagen der ehemaligen Freunde der Frau arge Bedrohungen ausgestoßen hätte („Ich schieß euch den Kopf weg!“), konnte sie sich kaum noch erinnern. „Ich weiß, dass er da am Balkon stand und rumgeschrien hat, aber was genau, weiß ich nicht mehr, da ich da in der Wohnung drinnen war.“ Mittlerweile sei das Verhältnis einigermaßen in Ordnung, endete die Zeugin, er halte sich an Abmachungen in Bezug auf das Kind, dem gegenüber er nie gewalttätig geworden sei, und es käme nur noch selten und nur am Telefon zu Streitereien.

Der Bruder der ehemals besten Freundin, dem der Beschuldigte ein Verhältnis mit seiner Lebenspartnerin vorgeworfen hatte und den er geschlagen haben soll, war abermals nicht zur Verhandlung erschienen, dieser Teilbereich wurde daraufhin eingestellt. Aus Sicht des Anwalts war sein Mandant ohnehin freizusprechen. „Seine Lebenspartnerin hat ja bewusst viel von der Schärfe hier rausgenommen und auch seine sanfte Seite betont. Die weiteren Zeugen sind für mich ferner nicht glaubhaft, sie haben den Kontakt abgebrochen und eine klare Agenda gegenüber meinem Mandanten.“

Richterin Katharina Blumentritt folgte mit Blick auf sämtliche Aussagen und den zahlreichen Vorstrafen allerdings fast vollständig den Forderungen der Staatsanwaltschaft. „Die Zeugen sind für mich glaubhaft, und gerade Ihre Lebenspartnerin, die ja nun wirklich nicht versucht, Sie hier reinzureiten, hat immer noch genug bestätigt.“ Folglich wurde der Mann wegen Bedrohung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu 10 Euro verurteilt.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr