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Aus Kirche wurde Reithalle der Universität

Vortrag Aus Kirche wurde Reithalle der Universität

„Von barfüßigen Mönchen und Studenten hoch zu Ross“ erzählte Dr. Carsten Lind seinen Zuhörern im gut gefüllten Landgrafensaal des Staatsarchivs Marburg.

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Dr. Carsten Lind vor einer der Illustrationen zu seinem Vortrag, die den Gebäudekomplex vor dem Umbau der Franziskanerkirche zur Reithalle zeigt.

Quelle: Kristina Lieschke

Marburg. Zu dem Vortrag im Themenbereich „Marburger Universitätsgeschichte“ hatte­ der Marburger Geschichtsverein den Mitarbeiter des Universitätsarchivs eingeladen, der sich intensiv mit der Umbaugeschichte der einstigen Franziskanerkirche am Barfüßertor beschäftigt hat.

Die im Dezember 1731 neu in Betrieb genommene Reithalle der Marburger Universität gilt quasi als erster Universitätsneubau in Marburg, so Lind. Dabei wurde für ihre Errichtung nach den Erkenntnissen des Wissenschaftlers die alte Franziskanerkirche gar nicht wie bisher oft vermutet komplett abgerissen. Der „Neubau“ entpuppt sich bei näherer Betrachtung also eigentlich im Kern als ein recycelter Altbau, lautete Linds Fazit. Warum das so war und wie die insgesamt rund 11-jährige Bauzeit der universitären Reithalle genauer verlief, führte der Historiker zuvor in seinem durch eine Lichtbildprojektion unterstützten einstündigen Vortrag detailgetreu aus.

Auch einige Worte zur Vorgeschichte, also zur Nutzung der ehemaligen Franziskanerkirche und des Klosterkomplexes seit der Reformation bis 1720, durften nicht fehlen: Die in Universitätsnutzung über­gebenen Klostergebäude beherbergten ein medizinisches und ein philosophisches Auditorium, wahrscheinlich auch ein chemisches Laboratorium. Die Kirche diente bis Anfang des 18. Jahrhunderts auch als Remise.

Studentenfrequenz sollte erhöht werden

Im Kloster lagen außerdem Wohnräume der von Landgraf Philipp gegründeten Stipendiatenanstalt. 1720 kam dann beim Landgrafen in Kassel erstmals die Idee auf, an der Universität in Marburg „mit einer universitären Reitschule die Studentenfrequenz zu heben“. Gegen dieses Projekt, das neben der Reithalle eine später nicht verwirklichte Ritterakademie mit umfasste und für das bereits im Februar 1720 erste finanzielle­ Mittel bereitgestellt wurden, meldeten die
Marburger Professoren zunächst erhebliche ­Bedenken an.

Vor allem deshalb erfolgte erst im August 1722 der Baubeginn. Das Projekt kam dann schon 1724 aus verschiedenen Gründen zum Stillstand.

Es wurde erst unter einem neuen Landgrafen und auch einem neuen leitenden Baumeister, Charles du Ry, 1731 wieder aufgenommen. Danach ging es dann schnell: Zwischen dem erneuten Baubeginn
am 26. Juli­ und der Meldung des Bauabschlusses am 22. Dezember 1731 lagen nur rund fünf Monate. „In dieser Gestalt und Nutzung blieb der Komplex dann etwa 80 Jahre lang erhalten“, beendete Lind den zentralen Teil seiner baugeschichtlichen Ausführungen.

Insbesondere im anschließenden Diskussionsteil der Veranstaltung ging es dann auch um die weitere Nutzung des Gebäudekomplexes bis in die heutige Zeit.

Wie viele Studenten hier mit wie vielen Übungspferden ausgebildet wurden, welche Reitmeister an der Universität angestellt waren oder ob es in dem neuen Gebäude auch einen­ Fechtboden gab, waren nur ­einige der aufkommenden ­Fragen.
Hier deutete sich an, dass durchaus Interesse an weiteren Recherchen und einem Folgevortrag mit dem Schwerpunkt der Nutzungsgeschichte der Reithalle bestünde.

von Kristina Lieschke

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