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Auf den Spuren der Reformation

Ausstellung in der Elisabethkirche Auf den Spuren der Reformation

Am Eröffnungsabend schauten sich 130 Besucher die Infotafeln an. Diese sind noch bis Ende Oktober zu sehen.

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Simon Dietrich organisierte die Ausstellung und will damit aufmerksam machen auf die oft übersehenen Details wie das Holz-Epitaph des Landjunkers Balthasar von Holtzendorff, ein Grabdenkmal, welches das typisch reformatorische Verständnis von Bestattung widerspiegelt.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung „Spuren der Reformation“ in der Elisabethkirche mit einem Vortrag von Professor Volker Leppin eröffnet. Organisiert und aufgearbeitet haben die Führungen und Informationstafeln der Geschichtsstudent Simon Dietrich und Pfarrerin Anna Karena Müller, die das Grußwort sprach: „Viele mögen sich fragen: Schon wieder Luther? Dabei geht es heute und in den nächsten Tagen hier weniger um den Reformator selbst, sondern um diese Kirche als Zeugnis jener Zeit, in welcher die Reformation ein Prozess und kein einzelnes Ereignis war.“

Dietrich merkte dazu an: „Viele Besonderheiten der Elisabethkirche, die von der Ordenskirche über eine von beiden Konfessionen genutzten Stätte bis hin zur heutigen Form viele Phasen gesehen hat, sind heute kaum noch zu erkennen, belegen aber den reformatorischen Prozess. So wurden bis 1850 noch viele Protestanten von hohem Rang neben früheren verstorbenen Katholiken in diesem Boden begraben, wo ihre Gebeine bis heute ruhen.“

Ferner gebe es kleinere Details wie einen Riegel vor der Schatzkammer, der verhindern sollte, dass die seit den 1520er-Jahren eben zunächst auch von Protestanten mit genutzte Kirche geplündert wurde. Auf diese Dinge und mehr wolle diese Ausstellung aufmerksam machen.

Zahlreiche Interessierte schauten sich am Eröffnungsabend die Infotafeln an, sodass bis zum Beitrag von Professor Leppin etwa 130 Besucher zugegen waren.

In dem Vortrag mit dem Titel „Mystik und Reformation – eine­ Botschaft für die Leistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ stellte Leppin der Hektik der Moderne bewusst den sich über Jahrzehnte erstreckenden Gedankenprozess des Reformators gegenüber. „Wir leben in einer sehr auf Leistung und Tempo getrimmten Zeit. Universitäten werden bewertet und geranked, die Menschen zu immer neuen Anstrengungen getrieben und der amerikanische Präsident weiß schon am Nachmittag nicht mehr, was er am Vormittag getweetet hat“, sagte Leppin. „Martin Luther war hingegen trotz aller Veränderungen, die er in Gang gesetzt hat, stets ein Mann des Mittelalters, der von vielen Menschen beeinflusst wurde und einen weiten Weg ging bis zu seinen 95 Thesen. Daher ist es ratsam, auch selbst einmal inne zu halten und sich nicht von äußeren Zwängen zerreiben zu lassen“, riet Leppin.

  • Wer Interesse hat, sich die Ausstellung selbst anzusehen, hat dazu noch bis zum 31. Oktober Gelegenheit; der Eintritt ist kostenlos.

von Marcus Hergenhan

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