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Auf Behrings Spuren durch die Stadt

Behring-Route Auf Behrings Spuren durch die Stadt

„Emil von Behring war Professor, Stadtrat und Unternehmer – diesem Dreiklang in einer Person trägt die Route Rechnung“, erklärte Karin Stichnothe-Botschafter.

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Hochzeit von Emil und Else von Behring, 29. Dezember 1896.

Quelle: Emil-von-Behring-Bibliothek/Behring-Nachlass

Marburg. Die Kunsthistorikerin vom Fachdienst Kultur der Stadt Marburg hielt am Mittwoch im Audimax die letzte Vorlesung der Reihe zum Thema „Behrings Erben“. Das Studium generale war anlässlich des 100. Todestages dem Forscher und Pharma-Unternehmer gewidmet, der 1895 nach Marburg kam.

Weil Behring mit dem Zug anreiste, beginnt die Route am Hauptbahnhof, erklärte Stichnothe-Botschafter, die die 2013 eröffnete Strecke erarbeitete. Im Rathaus ist eine kostenlose Begleitbroschüre mit Informationen über den Routenverlauf erhältlich. Auf dem Weg entlang von Behrings Wohn- und Wirkstätten informieren außerdem Tafeln.

Zwölf Stationen auf einer Länge von elf Kilometern können Spaziergänger besichtigen.

Als Behring nach Marburg kam, wurde er auf den Lehrstuhl für Hygiene berufen. Im dafür zuständigen Institut am Pilgrimstein ließ er bald Stallungen für größere Versuchstiere einrichten. Seine Forschung verband er auch mit dem Ehrenamt als Stadtrat. Er setzte sich für die Trink- und Abwasserhygiene ein und war Mitbegründer des späteren Gesundheitsamtes.

Durch die Ketzerbach wurden noch bis in die Siebziger die Pferde getrieben, die am Güterbahnhof ankamen und von Behring für die Serumtherapie eingesetzt wurden.

Sechs Söhne wurden dort geboren

In der Wilhelm-Roser-Straße 2 können Spaziergänger das ehemalige Haus Behrings, eine venezianisch anmutende Villa, besichtigen. Dort lebte er mit seiner Frau Else, seine sechs Söhne wurden dort geboren. Zahlreiche Gäste, darunter Wissenschaftler und andere Nobelpreisträger, empfing Behring in seinem Haus.

Im „Marburger Kränzchen“ führte er angeregte Diskussionen. Manche seiner Kollegen nannten ihn etwas schroff im zwischenmenschlichen Umgang. Auch überanstrengt sei er gewesen und habe unter Niedergeschlagenheit gelitten, so Karin Stichnothe-Botschafter.

„Heute würde man ihm wahrscheinlich Burnout attestieren.“ Aber auch sehr intelligent und neugierig sei Behring gewesen, der eine Privatbibliothek mit 1 300 Büchern besaß.

Bevor Behring 1904 das „Behring-Werk oHG“ gründete, richtete er bereits am hinteren Bereich des Marburger Schlossparks, am Bunten Kitzel 1, eine Serumabfüllstation ein. Im Gisonenweg 5, dem heutigen Gästehaus des Herderinstituts, schuf er sich ein für damalige Zeiten sehr modernes Privatlabor.

Diese beiden letzten Stätten der Route waren zentrale Bestandteile des kurze Zeit später gegründeten Unternehmens.

  • Zu einer Führung am 1. April ab 14 Uhr können sich Interessierte unter kultur@marburg-stadt.de anmelden. Treffpunkt ist die Eingangshalle des Hauptbahnhofs. Außerdem gibt es eine DVD zur Behring-Route – erhältlich im Tourist-Büro im Erwin-Piscator-Haus und im Behring-Gutshof in der Brunnenstraße.

von Freya Altmüller

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