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Appell an Väter: „Fordert mehr Teilzeitstellen!“

Gleichberechtigungspreis Appell an Väter: „Fordert mehr Teilzeitstellen!“

Die beiden Geehrten könnten verschiedener kaum sein: Susanne Dilger ist Künstlerin, Bettina Steuber-Fillsack Juristin.

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Dr. Thomas Spies und Dr. Marlis Sewering-Wollanek (von links) ehrten Susanne Dilger und Bettina Steuber-Fillsack.

Quelle: Felix Busjaeger

Marburg. Was beide verbindet ist ihr Einsatz für die Gleichstellung von Mann und Frau. Dafür wurden sie nun geehrt. Die beiden Frauen sind die ersten Preisträgerinnen aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen.

Susanne Dilger hatte sich im Vorfeld selbst für den Preis vorgeschlagen. Eine Vorgehensweise, die zunächst überrasche, aber „zur Hinterfragung eingefahrener Verhaltensweisen“ anrege, wie die Vorsitzende der Gleichstellungskommission Dr. Marlis Sewering-Wollanek in ihrer Laudatio hervorhob. Dilger bricht auch in ihrer Kunst mit festgefahrenen Rollenbildern: Bei ihren Installationen, die sich in den Bereichen Fotografie, Collage oder auch Text bewegen, stellt sie Menschen in den Mittelpunkt.

Teilweise in provokant wirkenden Zusammenhängen wie Männer in Frauenkleidern. Mit dieser Fotoreihe will die Künstlerin auf die Geschlechterstereotype in Kleidungsfragen aufmerksam machen, die noch immer fest in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. Zudem wies Dilger auf die Probleme von berufstätigen Müttern hin. In ihrer Rede wandte sie sich an alle Väter: „Fordert Teilzeitstellen und übernehmt 50 Prozent aller reproduktiven Arbeiten!“

Damit sprach sie das Kernthema ihrer Mitgeehrten an, die bei ihrer Rede ins gleiche Horn stieß: „Es sind immer noch überwiegend Frauen, die vorübergehend aus dem Berufsleben aussteigen“, stellte Bettina Steuber-Fillsack fest.

„Eine Frage von Qualität“

Kindererziehung bekomme zu wenig Anerkennung. Auch weil viele Menschen immer noch an traditionellen Vorstellungen festhielten. Die Juristin setzt sich sowohl beruflich als auch ehrenamtlich für die Gleichberechtigung im Berufsleben ein – vor allem für Existenzgründerinnen. So ist sie Mitgründerin des Unternehmerinnen-Netzwerks und des „Netzwerks beruflicher Wiedereinstieg für Frauen“. Dennoch bezeichne sie sich selbst nicht als Feministin, bekräftigte Steuber-Fillsack zu Beginn ihrer Rede, sie sei überrascht und geehrt, ausgezeichnet zu werden.

Das Preisgeld von 2 500 Euro wurde in diesem Jahr zwischen den beiden Preisträgerinnen aufgeteilt. Zum fünften Mal seit 2009 wurde der Gleichberechtigungspreis vergeben. Und wie die Jahre zuvor war es mehr als eine Geste, wie eine von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies angeführte Statistik belegt: Zwei Drittel der leitenden Positionen in der Stadtverwaltung seien von Frauen besetzt, gab Spies bei seiner Begrüßung stolz bekannt. Dies sei ausschließlich „eine Frage von Qualität“ – es gehe nicht um eine Quote.

von Felix Busjaeger

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