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Angeklagter hatte vor Angriffen Mordgelüste

Aus dem Landgericht Angeklagter hatte vor Angriffen Mordgelüste

Verdacht auf Psychose: Mehr über den Werdegang des wegen versuchten Mordes angeklagten 34-Jährigen wurde am dritten Verhandlungstag am Landgericht bekannt.

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Bei dem Landgerichts-Prozess gegen einen 34-Jährigen, dem unter anderem versuchter Mord vorgeworfen wird, ist der Verhandlungszeitraum bis Mitte Dezember angesetzt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Zufall oder nicht? Zwei Tage nachdem ein noch nicht klar identifizierter Mann eine schwangere Frau in der Frankfurter Straße überfiel und einen Tag nach dem Angriff mit einem Pflasterstein auf zwei Frauen in der Wilhelmstraße wurde der Angeklagte am 10. Oktober 2016 von der Polizei verhaftet. Das, nachdem er einen Bekannten in einer Wohnung in der Sudetenstraße angegriffen haben soll – ebenfalls mit einem Stein.

Wie ein Polizeibeamter am dritten Gerichts-Verhandlungstag mitteilte, soll der Angeklagte dort zum Essen eingeladen gewesen sein. Mangels Unterkunft suchte er zudem einen Schlafplatz, wurde von den Kumpels jedoch der Wohnung verwiesen. Einige Zeit später soll er zurückgekehrt sein, trat laut Zeugen die Tür ein und randalierte in der Wohnung. Dabei soll er einen Pflasterstein nach einem der Bewohner geworfen haben. Dieser traf das Opfer an der Brust, verursachte dabei aber keine schwereren Verletzungen. Noch am selben Tag wurde der Angeklagte nahe der Wohnung von der Polizei aufgegriffen.

An dem Tag, an dem er in ­Gewahrsam genommen wurde, befand sich der Mann nach einer Zwangseinweisung erst kurze Zeit wieder auf freiem Fuß. Denn erst Ende September 2016 wurde er in die Psychiatrie gebracht, nach einer Prügelei in einem Gießener Wohnheim für Obdachlose – ein Vorfall, der sich dann am Südviertel-Gewaltwochenende ähnlich wiederholte, der Angeklagte, laut Polizeiangaben, ein Zimmer in der Obdachlosenunterkunft Gisselberger Straße zertrümmerte.

"Eigen- und Fremdgefährdung"

Das Amtsgericht Gießen sprach seinerzeit nach psychiatrischer Begutachtung eine Verlängerung der Unterbringung um eine Woche aus, wegen „Eigen- und Fremdgefährdung“ des aggressiven Patienten, heißt es in der Begründung.

Demnach diagnostizierten die Mediziner bei dem Angeklagten damals ein Suchtproblem: eine Abhängigkeit von Alkohol, Opioiden und Cannabis. Auch der Verdacht auf Halluzinationen und eine Psychose stand einige Zeit im Raum, bestätigte sich jedoch nicht.

Gegenüber der Polizei soll der Beschuldigte nach der Randale im Gießener Wohnheim ­bestätigt haben, „in einem hochaggressiven Zustand Mordgelüste gehabt zu haben“. Außerdem sprach er wohl von telepathischen Kräften, was er später widerrief.

Eine Entzugstherapie war damals anscheinend kein Thema – es wäre indes nicht seine erste Maßnahme gegen die Sucht gewesen. Mehr als 20 Therapien soll der Angeklagte bereits hinter sich haben, heißt es in der Erklärung des Amtsgerichts.

Der Mann gilt seit mehr als zehn Jahren als alkoholkrank. Selber sagte er damals, bereits seit fünf Jahren nicht mehr zu trinken. Scheinbar besserte sich sein Zustand während der Unterbringung, die schließlich nach einer Woche aufgehoben wurde.

Ob der mutmaßliche Täter zu den Zeitpunkten der Angriffe­ auf die Frauen im Südviertel zurechnungsfähig war, versucht ein Sachverständiger über Zeugenbefragungen herauszufinden. Bislang wird der Schläger als „kontrolliert“ beschrieben, auch fielen niemandem ein torkelnder Gang oder Gerüche auf.

  • Prozess-Fortsetzung: Montag, 9 Uhr, Saal 10

von Ina Tannert
und Björn Wisker

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Anklage: versuchter Mord
Begleitet von Justizbeamten, betritt der Angeklagte den Gerichtssaal. Foto: Nadine Weigel

Zwei weitere Opfer berichteten am Mittwoch vor dem Schwurgericht von einem traumatischen Erlebnis. Der Angeklagte wurde wenige Tage vor dem brutalem Überfall aus der Psychiatrie auf freien Fuß gesetzt.

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