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Angeklagter: „Die Drogen habe ich gefunden“

Aus dem Landgericht Angeklagter: „Die Drogen habe ich gefunden“

Räuberischer Diebstahl, Körperverletzung, Raub, Beleidigung oder Bedrohung – deswegen steht seit Mittwoch ein obdachloser, scheinbar psychisch kranker Mann vor dem Marburger Landgericht.

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Der Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Aufmerksam, dabei scheinbar nervös und ungeduldig, verfolgte der angeklagte 28-Jährige die Verlesung der umfangreichen Anklage­schriften vor der ersten Strafkammer. Diese dokumentieren mehr als ein Dutzend Straftaten, die der Beschuldigte innerhalb knapp eines Jahres in Marburg und Stadtallendorf begangen haben soll.

Der Angeklagte hat keinen festen Wohnsitz, er lebte zeitweise in der Vitos-Klinik und wurde dort behandelt. Als ihn im Juli 2015 seine Mutter dort besuchte, griff der Patient die Angehörige an.

Er soll sie gewaltsam gegen eine Wand gedrückt haben, um ihr einen MP3-Player abzunehmen. Bereits zuvor soll er seine Mutter mehrfach bedroht und körperlich angegangen haben. Laut Anklage beleidigte der aggressive Sohn die Frau aufs Übelste, drohte ihr, sie „abstechen zu wollen“. Bei einem weiteren Treffen soll er ihr schmerzhaft gegen ein Knie geschlagen haben.

Wüste Beschimpfungen gegen einen Polizisten

Auch einen Polizisten bedachte er mit wüsten Beschimpfungen.

In den folgenden Monaten bis zum Februar vergangenen Jahres beging er angeblich diverse Taten im Raum Marburg. So soll er unter anderem fünf Fahrzeuge entlang der Marburger ­Straße beschädigt haben, trat gegen Seitenspiegel oder riss die Scheibenwischer ab. In ­einer Bäckerei klaute er angeblich eine Handtasche sowie ein teures Mobiltelefon aus einem Handyshop.

In einer Obdachlosenunterkunft in Stadtallendorf wurde der 28-Jährige mit illegalen Amphetaminen erwischt.

Danach, Ende April vergangenen Jahres, wurde der Mann endgültig verhaftet und im September per Unterbringungsbefehl in der Psychiatrie Haina­ untergebracht. Dort lebt er nach wie vor in der geschlossenen Abteilung.

Die Hauptverhandlung unter Vorsitz von Richter Dr. Marco Herzog dreht sich um eine mögliche, gerichtlich angeordnete Unterbringung des Angeklagten in der psychiatrischen Klinik.

Er soll an einer geistigen Störung leiden, welcher Art wurde­ noch nicht bekannt gegeben. Ein psychiatrischer Sachverständiger begleitet das Verfahren.

Zum Prozessauftakt wurde­ ­lediglich die Anklageschrift ­verlesen – Stellung zu den Vorwürfen soll der Beschuldigte­ erst am nächsten Verhandlungstag nehmen.

Anwalt muss übereifrigen Mandanten bremsen

Da es der gesprächige Angeklagte scheinbar kaum abwarten konnte, ergriff er bereits kurzzeitig das Wort. In einem spontanen Redeschwall sprach der nervöse Mann planlos den ein oder anderen Vorwurf an, versuchte zu erklären, was er getan hatte und was angeblich nicht.

„Das hört sich bitter an, aber den Raub habe ich nicht gemacht und die Drogen habe ich gefunden“, berichtete er dem Richter mit Nachdruck. „Es sprudelt aus ihm heraus“, erklärte sein Verteidiger Thomas Strecker, der seinen übereifrigen Mandanten bremsen musste.

Der Rechtsanwalt kündigte bereits „eine teilgeständige Einlassung“ an.

  • Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

von Ina Tannert

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