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Angeklagte drangsaliert Migranten

Aus dem Amtsgericht Angeklagte drangsaliert Migranten

Eine 24-jährige Frau musste sich vor dem Amtsgericht Marburg wegen mehrerer Delikte verantworten. Darunter Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und Raub.

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Die Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Die Angeklagte brach mehrmals in Tränen aus, als die Zeugen die Tathergänge schilderten. „Es tut mir unheimlich leid, wie ich mit Ihnen geredet habe. Es war damals eine schlechte Zeit für mich“, entschuldigte sich die Beschuldigte weinend bei einer arabischstämmigen Zeugin.

Wie fast alle Vorwürfe ereigneten sich die beiden Fälle von Beleidigung im Frühjahr 2016. „Sie hat mich in einem Bus und einige Tage später in der Innenstadt angepöbelt“, berichtete die ­Integrationshelferin für Flüchtlinge. „Dass ich zurück in meine Heimat verschwinden oder ihr, einer deutschen Frau, gehorchen und dienen soll, hat sie gesagt“, führte die Zeugin weiter aus. Dabei zeigte sie sich weniger über die Ansichten der Angeklagten schockiert, sondern eher darüber, dass kein Passant eingriff. „Manche haben sogar noch gelacht“, erzählte die Zeugin erschüttert. Während der Verhandlung distanzierte sich die 24-jährige Angeklagte von rechtem Gedankengut.

An die Vorwürfe konnte sie sich entweder nicht entsinnen oder hatte diese bis zur Unkenntlichkeit verzerrt in Erinnerung. Daran, dass sie Unrecht getan haben soll, konnte sie sich nicht erinnern. „Sie wollen also sagen, dass Sie gar nichts falsch gemacht haben“, warf Staatsanwalt Nicolai Wolf herausfordernd in den Raum. Eine Polizistin berichtete, dass der Name der Beschuldigten bei der Marburger Polizeidirektion schon „gut bekannt“ sei.

Laut dem Sachverständigengutachten sei die schwangere Delinquentin für ihr Handeln nur bedingt schuldfähig. Die Beschuldigte erzählte von einem Leben auf der Straße. Von falschen Freunde, Obdachlosigkeit und Drogen – Amphetamine, „Gras“, Kokain. Alle Zeugen bestätigten, dass die Angeklagte während der Tatvorgänge „nicht nüchtern“ war oder „auf jeden Fall unter Drogen“ stand.

„Das hätte auch böse ins Auge gehen können“

In diesem Zustand schlug sie im Zuge eines Streits mit einer Bierflasche nach einer Frau und verursachte so leichte Schnittverletzungen. „Das hätte auch böse ins Auge gehen können“, meinte Verteidiger Thomas Strecker.

Ferner raubte sie einer weiteren Passantin die Handtasche und schmiss ihr Fahrrad gegen den Pkw einer weiteren Frau. „Der Freund von der einen Frau hat mich geschubst. Daher wollte ich ihren Personalausweis aus ihrer Handtasche holen.

Beim anderen Vorfall war ich sauer, weil mich die Autofahrerin fast umgefahren hätte.“ Es waren Äußerungen, die laut Zeugen die Tathergänge auf den Kopf stellten. Denn die Beschuldigte habe „verwirrt mitten auf der Straße“ gestanden. Auch das Opfer des Raubes unterstrich, dass ihr Freund die 24-Jährige überhaupt nicht berührt habe.

Aufgrund des von Drogen ­völlig verwirrten Geisteszustandes der Angeklagten ordnete das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner einen achtmonatigen Aufenthalt in einer stationären Therapiestelle an, der zur Bewährung ausgesetzt wurde. Für schuldfähig erklärte das Gericht die Frau nur hinsichtlich der Körperverletzung und Sachbeschädigung. In allen anderen Anklagepunkten sprach es sie frei.

von Benjamin Kaiser

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